28. Mai Kumamoto

Von Hiroshima ist man sehr schnell auf Kyushu, der südwestlichsten der vier Hauptinseln. Das Klima ist merklich subtropisch. Erster Halt und Basislager für die nächsten drei Tage ist Kumamoto (siehe Reiseroute).

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Das Kuma in Kumamoto kann man auch als Bär lesen, also hat die Stadt sich ein Maskottchen gegeben, das findet man wirklich überall.

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Überall!

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Hauptsächlich hat die Stadt aber eine tolle Burg, die bei der Satsuma-Rebellion 1877 eine wichtige Rolle spielte. Das war der letzte Aufstand von traditionalististischen Samurai gegen das modernisierende Meiji-Regime. Das Bild oben zeigt übrigens nicht die Burg, sondern nur einen Wachturm.

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Das hier ist die Burg!

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2008 wurde der Fürstenpalast der Burg rekonstruiert. So sieht also ein traditioneller Palast als Neubau aus.

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Alles noch viel heller als in den wirklich alten Bauten.

Außerdem gibt es eine sehr gut erhaltene Residenz eines sehr hochrangigen Samurai.

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Der Eingang

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Brunnen

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Küche

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Bad

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Schreibzimmer

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Ein Wohnzimmer.

Morgen geht es nach Nagasaki, aber nicht wegen der zweiten Atombombe, sondern weil das ganz lange Japans einziger Kontakt zur Außenwelt war, dort handelten sie mit den Holländern und Chinesen.

(Die Blogeinträge kommen übrigens mit Verspätung, weil ich im Zug schreibe und dann erst Abends im Hotellerie hochlade. )

29. Mai Nagasaki

Nagasaki liegt ziemlich weit ab vom Schuss, an einer Bucht auf einer Halbinsel auf Kyushu. Man braucht von der Shinkansen – Strecke fast zwei Stunden, bis man da ist.

Weil wir schon in Hiroshima waren haben wir alles, was mit der Atombombe zusammenhängt ignoriert – die relevanten Orte sind ohnehin in einem Vorort, denn die Bombe ging leicht daneben und traf nicht das Zentrum.

Statt dessen haben wir uns auf die Geschichte Nagasakis als lange Zeit einziges Tor nach Europa konzentriert. Im 16. Jahrhundert handelten die Japaner vor allem mit den Portugiesen und ein wenig mit den Briten, Holländern und Chinesen. Sie hatten auch selbst Außenhandel bis nach Vietnam. Doch 1639 beschloss der Shogun die Isolation Japans. Japaner durften keinen Außenhandel mehr betreiben, die Portugiesen wurden rausgeschmissen und nur die Holländer durften noch handeln, und das nur in Nagasaki. Das dauerte bis 1854, als die Amerikaner mit viel Bluff und einer Handvoll Schiffen mit Kanonen Japan zur Öffnung für den Handel zwangen.

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Die Holländer durften nur auf einer winzigen künstlichen Insel namens Dejima wohnen und einen Handelsposten betreiben. Teile von Dejima (das heute mitten in der Stadt liegt) sind heute als Museum rekonstruiert,  wie man hier sieht.

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Dieses Gebäude ist eher untypisch. Die meisten wurden von Japanern gebaut und von den Holländern angepasst.

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So wie hier, die anderen Häuser sind noch japanischer wirkend.

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Auch innen passten die Holländer die Häuser an…

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man beachte die Tapeten an den japanisch anmutenden Wänden. Japaner würden das nie so machen.

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Auch die Chinesen durften noch handeln, drum gibt es bis heute ein Chinatown, wenn auch ein sehr kleines.

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Ein Grund warum der Shogun die Portugiesen raus warf war die katholische Missionierung. Erst sah man darin eine Möglichkeit, die Macht der buddhistischen Mönche einzudämmen, doch bald galt die Missionierung eher als Gefahr der Kolonisierung wie auf den Philippinen und es kam zu Christenverfolgungen. 1597 wurden 26 Christen, die meisten von ihnen Japaner und manche nur Kinder, in Nagasaki gekreuzigt – sie wurden im 19. Jahrhundert heilig gesprochen. Dieses Denkmal erinnert an die 26 Heiligen.

Die Christenverfolgungen gingen im 17. Jahrhundert weiter, doch es gab weiterhin Untergrundgemeinden.

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Wer in dieser buddhistischen Kannon (boddhisatva der Barmherzigkeit) Ähnlichkeiten mit der Jungfrau Maria entdeckt täuscht sich nicht.

Mit der Meiji Restoration 1867 kam dann auch Religionsfreiheit und die Christen konnten wieder Kirchen bauen. Im Süden Japans sieht man immer mal wieder welche, besonders in dieser Region.

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Dieser Kirchenarchitekt hat aber wohl zuviel Gaudi gesehen…

Morgen geht es weiter nach Kagoshima, der südlichsten Großstadt der Hauptinseln. Sie liegt direkt gegenüber von einem rege aktiven Vulkan…

30. Mai Kagoshima

Der letzte größere Trip unserer Reise führte uns nach Kagoshima, der südlichsten Stadt der Hauptinseln. Wie auch Nagasaki ist Kagoshima geprägt vom Kontakt mit China und Europa. Von hier ging auch der entscheidende Impuls für die Meiji Restoration, also das Ende des Shogunats und die Modernisierung Japans, aus.

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Direkt gegenüber von Kagoshima liegt auf einer Halbinsel der Vulkan Sakurajima, der überaus aktiv ist und regelmäßig Asche auf die Stadt spuckt. Oben rechts ist der aktive Kegel, aus dem es auch rausraucht.

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Hier nochmal als Panorama.

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Auf Kagoshima verzichteten die Daimyos während des Shogunats auf eine wehrhafte Burg, es gab keinen Festungsturm. Wohl aber einen Burggraben, der hier voller Wasserpflanzen zu sehen ist.

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Historisch dreht sich viel um diesen Mann, Saigo Takamori, der erst 1867 die Truppen anführte, die das Shogunat stürzten. Zehn Jahre später stand er dann an der Spitze der Satsuma-Rebellion, weil er mit der neuen Regierung unzufrieden war. Damit hatte er aber keinen Erfolg. Die Rebellion scheiterte und Saigo starb.  Der echte letzte Samurai.

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In Japan sind die Biergärten auf den Dächern von Kaufhäusern,  wie man hier sieht. Überhaupt sind Kaufhäuser in Japan sehr wichtig.

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Und im Keller sind Supermärkte, die auch internationale Spezialitäten führen…

Morgen fahren wir mit dem Zug zurück nach Tokio. Gute 1200 Kilometer,  das braucht mit Umsteigen dann doch 5 Stunden. Schrecklich…

31. Mai Rückreise

Über die Rückreise nach Tokio lässt sich nicht viel sagen, außer dass man den Großteil des Landes in sechs Stunden durchqueren kann und die Shinkansen westlich von Osaka noch neuer und bequemer sind als die östlichen zwischen Osaka und Tokio.

In Tokio haben wir uns nochmal mit Miho getroffen, die freundlicherweise einige Dinge für uns aufbewahrt hat. Und was macht man am letzten Abend in Tokio? Sushi essen und trinken gehen, natürlich.

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Mit Miho am Meer in der Dämmerung.

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Drei Pappnasen an der Uferpromenade.

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Nigiri Sushi

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Temaki Sushi

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Chirashi Sushi

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Und zum Abschied: Neumond am Tokio Tower.

Morgen geht es zurück nach München, wir übernachten nahe des Flughafens Haneda. Ich melde mich morgen nach Ankunft nochmal und Poster vielleicht auch noch ein paar Videos von Karaoke und anderen Dingen..

Nachtrag und Videos

So, der schlimmste Jetlag ist überwunden und ich bin wieder auf den Beinen. Zeit, den Urlaub abzuwickeln, leider. Das Fotobuch habe ich dank cewe-Fotobuch App schon während des Rückflugs gemacht – das werde ich voraussichtlich jetzt immer so machen, sonst kommt man ja doch nicht dazu.

Noch ein paar Eindrücke von Japan: Das Land ist toll, aber ein paar Dinge sind gewöhnungsbedürftig. Vor allem wird man ständig akustisch behelligt. Die Ampeln geben Vogelstimmen von sich, der Busfahrer bedankt sich bei jedem aussteigenden Fahrgast über Lautsprecher(!), Kleinlastwagen kündigen das Linksabbiegen mit Computerstimme an, anstatt nur zu blinken und überall spielt Musik – gerne amerikanische Popmusik aus den 1960ern – als eine Art akustische Tapete. Wer Ruhe sucht muss wohl in die Berge fahren. Lustigerweise gilt das nicht für U-Bahnen und Züge während der Fahrt – niemand telefoniert während der Fahrt mit dem Smartphone, es wird nur getextet wie verrückt.

Wer in Japan fernöstliche Hock-Toiletten befürchtet kann beruhigt sein. Diese gibt es zwar noch in vielen öffentlichen Toiletten bei Sehenswürdigkeiten, aber nahezu immer gibt es auch eine westliche Sitz-Toilette. Und diese sind oft High-Tech mit eingebauter Bidet-Funktion für hinten und vorne – Japaner mögen es gerne richtig sauber.

Über das Essen muss man kaum Worte verlieren, es ist wunderbar. Japaner nehmen das Essen genauso ernst wie Chinesen – eins der wenigen Dinge, die beide Kulturen gemeinsam haben. Nur wer es gerne scharf mag kommt nicht auf seine Kosten – aber dafür gibt es dann koreanische Restaurants.

Die Servicekultur ist unglaublich, der Kunde ist nicht König sondern Gott. Auch im öffentlichen Bereich wird unglaublich personalintensiv dienstgeleistet. Das schlägt aber auch manchmal ins Bizarre um, wenn an einer funktionierend beampelten Kreuzung auch noch zwei Verkehrshelfer mit orangenen Winkestäben stehen, um die Passanten über die Straße zu winken. Oder wenn wegen einer Baustelle ein Kabel über den Gehweg liegt und ebenfalls ein Sicherheitsmann mit Winkestab daneben steht, um die Passanten zu warnen. Offensichtlich gibt es in Japan einen ausgeprägten Billiglohnsektor, der vor allem aus Rentnern besteht. Aber auch Rentner mit genügend Geld suchen sich Beschäftigung, oft als kostenlose volunteer guides bei Sehenswürdigkeiten. Wenn man dann einen mit passablem Englisch erwischt erfährt man meist viel Interessantes.

Über die Fernzüge habe ich mich ja schon ausgelassen. Manche Prozedur mutet bizarr an, wenn z.B. nicht weniger als vier Bahnsteigwärter die Einfahrt des Shinkansen überwachen – und das obwohl ein Zaun mit automatisierten Toren ohnehin verhindert, das jemand dem einfahrenden Zug zu nahe kommt. Aber wer will mit einem System hadern, das nahezu immer pünktlich ist (einmal habe ich eine fünfminütige Verspätung erlebt, für die sich jemand ausführlich über Lautsprecher entschuldigt hat), bequeme und saubere Züge bietet und einen schneller und bequemer als die meisten Flugverbindungen transportiert?

Der Mai ist (ab der zweiten Maiwoche, in der ersten darf man auf keinen Fall fahren!) vom Wetter her eine gute Zeit für einen Japanurlaub. Ein Manko gibt es allerdings doch: es ist offensichtlich der Monat mit den meisten Schulausflügen, und die gehen zu denselben Sehenswürdigkeiten wie der Tourist, vor allem in Kyoto. Es kann einem also ohne weiteres blühen, dass man die Sehenswürdigkeit mit ein paar zich oder gar hundert japanischen Schülern in Uniform teilt – und die haben gerne mal die Aufgabe, ausländische Touristen auf Englisch anzusprechen. Das ist die ersten paar Male noch ganz nett, mit der Zeit wird es nervig.

Auf jeden Fall will ich wieder hin, allerdings würde ich beim zweiten Mal entweder eine Tour nur auf Kyushu plus vielleicht Okinawa machen oder im Hochsommer hoch nach Hokkaido. Oder vielleicht einfach nur eine schlaflose Woche Tokio…

Hier noch ein paar der versprochenen Videos. Da ich keinen kostenlosen Videoserve finde, bei dem man Videos mit Passwort schützen kann muss ich leider auf die Karaoke-Videos verzichten, das wäre doch zu peinlich, wenn die ganze Welt es sehen und hören könnte. Ich zeige sie gerne mal im privaten Kreis. Hier sind aber ein paar unverfängliche Eindrücke auf Youtube:

Nudelwerbung in Ueno, Tokio
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=w_CyO1TSeUE]

Die große Kreuzung in Shibuya, Tokio
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Lxot6Nx8QT8]

Sumo!
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=9nrBMDicX7c]

Sumo Abschlusszeremonie
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=wGHDARNInYs]

Matsuri
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=OSYFQ9SWO2U]

Fütterung der Raubtiere im Ritsurin-Park, Takumatsu, Shikoku
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=sJGIf9yNWvI]

Damit schließe ich mein Blog zum Japanurlaub im Mai 2014. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.