Reise nach Okinawa, 23.12.2018 – 05.01.2019

Hier der Blog meiner Okinawa-Reise 2018/19, jetzt in chronologischer Reihenfolge.

Zur Jahreswende 2018/19 nutzte ich das arbeitnehmerfreundliche Weihnachten, um zwei Wochen in die südlichste Präfektur Japans zu reisen: Okinawa. Rechtlich und politisch gesehen ist Okinawa Teil Japans, kulturell ist es komplizierter: die Inselgruppe liegt weit südlich der japanischen Hauptinseln, fast näher an Taiwan als an Japan.

Historisch war es auch lange Zeit gleichzeitig japanische und chinesische Provinz, wobei Japan, in diesem Fall die Fürsten von Kyushu, de facto die Herrscher waren, aber es gab einen eigenen König von Okinawa und China betrachtete die Inseln ebenfalls als eigene Provinz. In dieser komplizierten Gemengelage machten die Beteiligten aus der Not eine Tugend: Okinawa wurde eine Art Freihandelszone zwischen China und Japan, selbst während der japanischen Isolation während der Shogunatszeit (Edo-Periode).

Kulturell gesehen hat Okinawa (eigentlich die Ryukyu-Inseln) seine eigene Kultur und eine eigene Variante der japanischen Sprache, außerdem spielen sowohl chinesische als auch japanische Einflüsse mit. Die bekannteste kulturelle Errungenschaft Okinawas ist die Kampfkunst Karate; die „Normal-„Japaner hatten es historisch eher mit ihren Schwertern, etc. als mit dem unbewaffneten Kampf.

Im Zweiten Weltkrieg bekam Okinawa von allen relevant besiedelten Gebieten Japans den schlimmsten Teil ab: am Ende ihrer „island hopping“ Kampagne eroberten die Amerikaner Okinawa, um es zur Basis der endgültigen Invasion der japanischen Hauptinseln zu machen. Dies war die blutigste Schlacht des Pazifikkriegs: das japanische Heer und die japanische Marine leisteten erbitterten Widerstand, zwangen die Zivilbevölkerung in den Kriegsdienst und am Ende sogar teils zum Massenselbstmord und die Amerikaner brachten ihre ihre ganze Kriegsmaschinerie zum Einsatz. Das Resultat: ca. 100.000 tote japanische Soldaten, ca. 14-20.000 tote US-Soldaten und 40-150.000 tote Okinawa-Zivilisten (zwischen 15 und 50 Prozent der Zivilbevölkerung!) Dies war einer der Gründe, warum die USA gegen die japanischen Hauptinseln die neuen Atombomben einsetzte: man wollte einen solchen Alptraum nicht auf den viel dichter besiedelten Hauptinseln wiederholen.

Bis heute ist vor allem die Hauptinseln Okinawa Honto Sitz von mehreren großen US-Militärbasen. Sehr zur Freude der Regierung in Tokio, die die US-Präsenz als Sicherheitsgarantie gegen Nordkorea und China sehen. Die Bevölkerung von Okinawa ist nicht gar so glücklich drüber und wäre die Basen wohl mehrheitlich lieber los. Sie fühlen sich von der Zentralregierung, die historisch Okinawa ohnehin eher als Provinz zweiter Klasse behandelt hat, tendenziell eher ausgenutzt.

Bei der Reise bleiben Tini und ich hauptsächlich auf Okinawa Honto, der Hauptinsel. Die sensationellsten Strände gibt es wohl auf kleineren Inseln im Süden, aber im Dezember ist es selbst zu kalt, um im Meer zu Baden. Wir werden also verschiedene kulturelle und natürliche Sehenswürdighkeiten besuchen und natürlich Weihnachten und Silvester feiern. Zur zweiten Hälfte schließt sich Tinis Freundin Miho uns an. Wir haben eine Ferienwohnung ziemlich in der geographischen Mitte der Insel. Hier eine Karte, auch zu finden unter Reiseroute 2018:

Sonntag, 23.12.2018 – Ankunft

Wir sind wohlbehalten in Okinawa angekommen. Der erste Teil des Fluges nach Tokio gestaltete sich sogar sehr angenehm (wenn auch etwas kostspielig), da wir vergleichsweise günstig Upgrades auf die Business Class buchen konnten.

Da sitzt man dann sehr bequem und bekommt gleich Upper Class Allüren.
Aber die Beinfreiheit ist wunderbar. Vor allem lässt sich das Ding zum flachen Bett ausklappen.
Das Essen spielt auch in einer anderen Liga. Hier die Vorspeise des Abendessens…
…und das Frühstück, ich wählte die japanische Variante.
Im Anflug auf Tokio…
…vorbei an der Industriewüste Kawasaki.

Leider war der Anschlussflug nach Okinawa so grässlich unbequem wie der Interkontinentalflug angenehm war. Immerhin waren das nur knapp drei Stunden.

Hier die Weihnachtsdeko der Monorail in Naha, der Hauptstadt von Okinawa.

Das letzte Stück zum Mietwagenverleih sind wir, da leicht ortsverirrt mit dem Taxi gefahren. Der Fahrer war ganz erfreut, Deutsche (und nicht Amerikaner) im Auto zu haben. Das feierte er allerdings mit Marschmusik und der Erinnerung an ganz alte japanisch-deutsche Bündnisse (hüstel). Immerhin hat er uns ans Ziel gebracht.

Mit dem Mietwagen sind wir dann weiter zur Ferienwohnung (s. Reiseroute 2018), die auch tatsächlich existiert und so aussieht wie im Inserat. Sie liegt auch in großer Nähe zu zwei Supermärkten, einem 100-Yen-Shop und einem konbini (japanischer 24-Stundenladen, wirklich sehr praktisch), sowie verschiedenen Lokalen. Wir haben noch ein bisschen was eingekauft und ein Essen zum Mitnehmen erworben und in der Wohnung gegessen. Jetzt noch bloggen (fast fertig), duschen und dann schlafen!!!

24.12.2018 – Peace Memorial Park, Himeyuri Memorial

Welche Sehenswürdigkeiten besucht man an Weihnachten? Natürlich solche, die dem Frieden gewidmet sind. Nun ist es allerdings so, dass die Friedensdenkmäler und -museen, von denen auf Okinawa einige gibt, der wahrhaft grässlichen Schlacht von April-Juni 1945 gewidmet sind. Insofern also kein allzu erbauliches, aber sehr interessantes Programm.

Das Wetter gestaltet sich übrigens bisher besser als erwartet: bis frühen Nachmittag blieb es bewölkt, aber trocken, danach ein bisschen Regen. Das Ganze bei ca. 20 Grad, also doch recht angenehm.

Erster Programmpunkt war der Peace Memorial Park, im Süden der Insel (s. auch Reiseroute 2018). Hier wird von der Präfektur Okinawa den ca. 200.000 Toten des „Stahltaifuns“, also der Schlacht von Okinawa gedacht. Zumindest heutzutage auch den Toten aller Beteiligten, egal welcher Nationalität.

Hier ein Blick auf die Gesamtanlage. Der weiße Turm links ist die Peace Hall, der Gebäudekomplex mit den roten Dächern das Museum.
Die Peace Hall von vorne…
…und von innen.
Da oben gibt es auch ein Schmetterlingshaus…
…mit solchen…
…Gesellen.

Leider hatte ich heute meine Kamera noch nicht richtig im Griff und habe in jpg (anstatt in raw) und teils mit viel zu hoher ISO-Einstellung fotografiert. Das fiel mir leider erst beim „Entwickeln“ auf.

In diesem (wahrscheinlich vom Vietnamkriegsdenkmal inspirierten) Denkmal wird aller 200.000 Toten auf allen Seiten gedacht.
Hier sollte eigentlich ein „Flamme des Friedens“ brennen. Tat sie aber nicht. Ein schlechtes Zeichen.
Und hier wird der ca. 10.000 koreanischen Zwangsarbeiter gedacht, die in Okinawa zu Tode kamen. Das ist der neueste Teil der Anlage und wird in der offiziellen Broschüre noch (?) mit keinem Wort erwähnt.
In einem weiten, älteren Teil der Anlage wird der japanischen Soldaten der verschiedenen Präfekturen gedacht. Hier die der Präfektur Aomori. Die Leser meines Blogs vom letzten wissen: dort, im Norden von Honshu, werden Unmengen Äpfel angebaut.
In diesem Mausoleum wird die Asche von über 100.000 Personen aufbewahrt.
Das friedlichste an der Anlage ist möglicherweise das Meer.

In dem Museum selbst durfte man nicht fotografieren. Man muss aber sagen: die Exponate sind zwar chronologisch teils etwas konfus, aber für japanische Verhältnisse enorm ausdifferenziert und selbstkritisch. Anstatt der „Japan war das arme Opfer“ Perspektive wird auch die Vorgeschichte des Kriegs und die japanischen Eroberungsfeldzüge in Asien thematisiert. Und neben der Vernichtung durch die Amerikaner wird vor allem aber auch die enormen Misshandlungen, welche die japanischen Streitkräfte an der Zivilbevölkerung Okinawas verübten. So plünderten sie die Zivilisten aus, schleppten sie beim Rückzug mit und verboten ihnen, sich den Amerikanern zu stellen, die mit Flugblättern und Lautsprecheransagen die Bevölkerung zur Kapitulation aufforderten. Es gab Morde, erzwungene Selbstmorde, und vieles Schreckliches mehr – und gleichzeitig natürlich das unablässige Artilleriebombardement der Amerikaner.

Darum geht es auch bei der zweiten Gedenkstätte, die wir heute besuchten, dem Himeyuri Memorial. Hier geht es um 244 Schülerinnen, die von der japanischen Armee in den Sanitätsdienst gezwungen wurden und in Höhlen unter wahrhaft bestialischen Bedingungen Verwundete versorgen mussten. Einige Wochen vor dem Ende der Schlacht stellte man die Mädchen dann außer Dienst, aber es wurden keine Maßnahmen ergriffen, ihnen eine sichere Kapitulation zu ermöglichen. Viele starben schon in den Höhlen, noch mehr im Artilleriehagel, nachdem sie rausgeschmissen wurden, ingesamt starben über 100 der 13-19jährigen Mädchen.

Das hier ist einer der Gedenksteine für die Himeyuri. Das Loch im Boden davor ist tatsächlich eine dieser „Hospital“-höhlen bzw. -höllen.
Und das hier sind mitnichten Girlanden…
…sondern Abertausende Origami-Kraniche, gefaltet als Friedensgebete.

Die groben Abläufe von Krieg und Schlacht kannte ich schon vorher, aber ein paar neue Sachen habe ich dennoch gelernt. Nicht zuletzt, dass die Amerikaner Okinawa noch viele Jahre nach dem Krieg direkt verwalteten, erst 1972 wurden die Inseln überhaupt offiziell an Japan zurück gegeben. Die Militärbasen sind natürlich immer noch hier und durchaus gegenwärtig.

Fun Fact: nächstes Jahr steht den Japanern nicht nur ein neuer Kaiser ins Haus sondern wohl auch die abschließende Debatte über die Abschaffung der sog. „Friedensverfassung“ von 1955 und der formalen Etablierung von Streitkräften. (Nicht, dass die sog. „Selbstverteidigungskräfte“, die es jetzt schon gibt, nicht auch schon Heer, Flotte und Luftwaffe sind…). Aber Premier Abe Shinzo will eben, dass Japan das Kapitel 2. Weltkrieg endgültig abschließt.

So, nun ist aber heute Heiligabend drum und wir sind noch ziemlich groggy vom Jetlag, drum sind wir als es zu regnen anfing zurück und die Ferienwohnung und haben uns ein wenig erholt. Jetzt gehen wir noch schön essen und sozusagen Weihnachten feiern. Euch allen auch Frohe Weihnachten und Frieden auf Erden!

25.12.2018 – Von uralten, alten und alternden Kulturen

Am Weihnachtstag (der hier glücklicherweise nicht zur Schließung von allem führt) haben wir uns mit den Kulturen Okinawas beschäftigt. Zum Beispiel mit der traditionellen Religion der Rykukyu-Inseln vor der Eroberung durch Japan. Auf einigen vorgelagerten Inseln östlich vor Okinawa Honto, die aber über Brücken zu erreichen sind, haben wir Stätten der alten Religion und andere interessante Ort gefunden.

Hier auf der Insel Hamahiga liegt das Grab von Amamikyu, der Schöpferin der Ryukyu-Inseln.
Mit spannenden…
…von der Erosion geformten Felsen.
Wie auch hier.

Das Grab selber habe ich nicht fotografiert, es ist seitlich in eine der Felswände eingelassen.

Ganz in der Nähe liegt er Ort, wo gemäß dem Mythos die ersten Menschen auf die Ryukyu-Inseln kamen.
Der Strand in der Nähe.
Dieser Strand liegt auf einer anderen vorgelagerten Insel, Ikei.
Er ist von einer Gruppe Einsiedlerkrebse bewohnt. Leider ein bisschen unscharf.
Auch diese Muschel hat Beine.

Der Weg zu diesen vorgelagerten Inseln über eine längere Brücke

…mit einer bizarren Raststätte…
…mit Meerblick.

Von den uralten zu den alten Kulturen. Vor der Eroberung Okinawas durch die Japaner 1609 gab es hier ein eigenes Königreich, das aber auch erst aus rivalisierenden Fürstentümern geformt werden musste, und zwar im 15. Jahrhundert. Die Burgen (bzw. Burgruinen) und andere Stätten dieses Königreichs gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

(Das Königreich Ryukyu blieb formal bis 1879 bestehen, weil die Japaner die Fiktion der Unabhängigkeit aufrecht erhalten wollten, um so besser mit China handeln zu können).

Dies hier ist die Burgruine von Katsuren, eines der Fürstentümer, die im 15. Jahrhundert nach und nach dem Königreich Ryukyu mit Hauptstadt in Naha angegliedert wurden.
Aus europäischer Sicht sieht das auch viel mehr wie eine richtige Burg aus als die meisten solchen Bauten auf Honshu. Aber es ist eben auch deutlich älter und wirklich für den Krieg errichtet.
Die Burgen auf Okinawa liegen auch erhöht auf Hügeln, in Japan ist das längst nicht immer der Fall.
Dies hier ist eine der anderen Burgruinen, die von Zakimi. Auch diese wurde im 15. Jahrhundert bei der Vereinigung geschleift.
Es sind natürlich Ruinen, aber dank Massivbauweise ist noch recht viel erhalten. Auf diesem Feld stand der Palast bzw. das Wohngebäude.

Und nun zu etwas ganz anderem. Das heutige Okinawa ist stark von der Präsenz großer US-Militärbasen geprägt. Und die dort stationierten Soldaten wollen einkaufen und essen gehen, die Leute von Okinawa wiederum wollen auch einkaufen und essen gehen. Das Resultat (oder eins der Resultate):

Das Chatan American Village, eine über mehrere Straßenblocks verteilte Ansammlung von Einkaufszentren. Die haben zwar alle ihre besten Tage schon gesehen…
…aber die bizarre Weihnachtsdeko macht es mehr als wett.

Und sobald es dunkel wird erstrahlen Tausende von elektrischen Sternen:

Doch nicht alle Deko ist weihnachtlich.

Heute, am 26.12. hat uns leider der Regen endgültig eingeholt, bisher waren es immer nur ein paar Tropfen am Nachmittag. Drum werden wir wohl nicht so viel machen, die reinen Indoor-Aktivitäten sind eher selten bzw. wie ein geplanter Kochkurs eben nicht spontan planbar. Aber am 27. soll es wieder besser werden.

26.12.2018 – Nakamura Residence

Wie befürchtet war es heute total verregnet. Ein gutes Indoor-Programm (Kochkurs) ging leider nicht spontan her, sondern erst übermorgen. Daher haben wir einfach eine Sehenswürdigkeit besucht, die einigermaßen regenresistent ist: das Nakamurahaus. Das ist das Haus eines reichen Bauern (Dorfvorsteher) aus dem 18. Jahrhundert und somit das älteste erhalten Holzhaus auf Okinawa. Tatsächlich macht es einen anderen Eindruck als die Samurairesidenzen, von denen wir in Honshu schon einige gesehen haben.

Dieser Vorgarten gehört noch zum Besucherzentrum.
Dies ist der Innenhof des Nakamurahauses…
…und nochmal aus leicht anderer Perspektive mit Blick auf den Reisspeicher.

Hier die verschiedenen Räume:

Und damit es nicht zu langweilig wird, hier noch etwas food porn. Der „Omutacorice“ erfordert etwas Kommentar. „Taco rice“ ist eine Spezialität auf Okinawa, mit den Zutaten eines Tacos (gewürztes Hackfleisch, Salat, Käse, Salsa) auf Reisbett anstatt auf einer Tortilla serviert. Und was ist besser als taco rice? Taco rice mit einem Omelett drüber, also wie „omurice“ (Omelett über gebratenem Reis).

Morgen soll das Wetter besser werden. Falls ja, machen wir einen Ausflug zum Nationalpark im Norden der Insel.

27.12.2018 – Daisekirinzan Nationalpark, Cape Hedo

Heute war das Wetter deutlich besser. Eine Wanderung zu einem Wasserfall haben wir zwar gestrichen, weil die Wanderwege dort nach dem gestrigen Wolkenbruch arg matschig waren. Dafür sind wir in den hohen Norden von Okinawa (s. Reiseroute 2018 unter Hedo Misakia) gefahren, wo es wirklich ganz anders aussieht . Der Süden ist – für Japan durchaus üblich – total zersiedelt, aber im Norden ist hauptsächlich Natur.

Das Meer am Straßenrand…
…auf dem Weg nach Norden.

Unser erstes Ziel war der Daisekirinzan-Nationalpark, das übersetzt sich in Großer Steinwaldberg. Und genau das ist es auch: ein tropisches Karstgebiet über mehrere Erhebungen („Berg“ ist hier im Vergleich zur unmittelbar nahen Küste zu verstehen) verteilt mit interessanten Felsformationen und schöner Natur. Leider wurde es zwischenzeitlich sehr grau am Himmel, geregnet hat es aber nur ganz kurz.

So ungefähr muss man sich das vorstellen. Hier ist es noch sehr parkähnlich…
…doch es wird schnell etwas wilder, wenn auch immer noch gut zugänglich.
Die schroffen Steinformationen…
…bestehen aus Karbonatgestein und werden durch Erosion geformt.
Charakteristisch für diesen Park sind Felsformationen, die Tieren und anderen Bildern ähneln. Hier der Drachenkopf (auf der Spitze)…
…das Picassogemälde (eine Frau küsst einen mürrischen Mann)…
…der Affenkopf…
…und die Wächterkatze!
Wer sich dreimal durch dieses Tor zwängt wird angeblich wiedergeboren (wobei ich immer dachte, im Buddhismus geht das automatisch).
Platz für einen Schrein ist in der kleinsten Hütte, äh Höhle.
Neben den Steinen gibt es noch viel Vegetation. Hier ein paar Blüten (immerhin im Dezember)…
…eine Kolonie von Sagopalmen (denke ich)…
…und mehrere große Banyanbäume mit ausgeprägten Luftwurzeln.

Unser zweites Ziel war Cape Hedo, der nördlichste Punkt von Okinawa. Das Wetter wurde wieder schöner, aber es wehte ein starker Wind, der leider grässliche Gischtflecken auf mein Objektiv zauberte.

Hier also das besagte Kap….
…mit Verzierung. Das „Huhn“ ist eine Okinawaralle, der Symbolvogel der Präfektur.
So sehen die in echt aus. In der Gegend stehen an den Straßenrändern überall Warnschilder, dass man die nicht überfahren soll. Anscheinend sieht man sie aber so gut wie nie, das Foto ist aus dem Internet geklaut.
Die Küste ist landschaftlich recht hübsch…
…und wie man sieht…
…war ordentlich Seegang und Brandung.

Auf dem Hinweg sind wir die Westküste hochgefahren, auf dem Rückweg die – noch weniger besiedelte – Ostküste.

Da sieht es nochmal ein bisschen anders aus.

Zufällig haben wir, nun schon fast wieder „zu Hause“, dieses Gebäude mit seinem kreativen Weihnachtsschmuck entdeckt:

Alles was heilig ist, ist da: Jesus, Maria und Josef, Santa Claus, Engel, Nussknacker, Hello Kitty, Micky Maus und zwei Osterhasen. Holiday Spirit!

Morgen geht es zum ersten Mal seit der Ankunft in die Hauptstadt Naha, unter anderem für einen Kochkurs.

28.12.2018 – Naha zum Ersten

Wir sind erstmals seit der Ankunft in Okinawa in die Hauptstadt Naha gefahren, nicht zuletzt um die Möglichkeit auszukundschaften, mit der Fähre auf die Nachbarinsel Zamami zu fahren. Leider waren heute und wahrscheinlich auch morgen alle Fähren wegen hohem Seegang gestrichen, das wird voraussichtlich also nix. Das Wetter bleibt aber ohnehin nicht ideal für Ausflüge in die Natur.

Nun gibt es in Naha aber auch einiges anderes zu sehen. Angefangen haben wir mit den früheren Hauptquartier der japanischen Marine, das als eine Serie von Tunneln in einen Hügel bei Naha reingetrieben wurde. Hier hatte also die Marine während der Schlacht von Okinawa ihren Befehlsstand, wobei das Oberkommando beim Heer lag. Wie überall in der Welt gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten. In diesem Fall war der Marinekommandant wohl nicht ganz so durchgedreht wie der General vom Heer, der jegliche Kapitulation auch von Zivilisten verbot. Der Konteradmiral Ota Minoru schickte am Ende der Schlacht ein unautorisiertes Telegramm ans Oberkommando, in dem er die Aussichtslosigkeit der Lage und die furchtbaren Opfer der Zivilbevölkerung heraushob. Repressionen für diese Subversion musste er nicht befürchten, denn danach tötete er sich selbst. Wie gesagt, die Schlacht von Okinawa war einer der grässlichsten Höhepunkte des 2. Weltkriegs.

So ungefähr muss man sich das vorstellen, wobei in den engen Gängen hunderte Matrosen und Marinesoldaten lebten, arbeiteten und kämpften. Natürlich ohne Klimaanlage oder auch nur Kanalisation im subtropischen Juni 1945. Außerdem wurde die ganze Anlage von Hand gegraben, natürlich von zwangsrekrutierten Okinawa-Zivilisten. Das Mitleid des Admirals hatte seine Grenzen…

Hier war der Kommandostand wo Konteradmiral Ota Minoru sein Telegramm aufsetzte und sich dann erschoss. Die Flecken im Hintergrund stammen von einer Handgranate, die bei den letzten Kämpfen um das Hauptquartier gezündet wurde.
Dieses Grabmal in der Nähe hat mit dem Marinehauptquartier nichts zu tun. Es ist ein Beispiel für die sehr eigene Art, wie in Okinawa Grabmäler gestaltet werden – ganz anders als in Restjapan.

Natürlich gibt es in Naha auch erbaulichere Dinge zu sehen, wie z.B. einen Fischmarkt mit Ozean-Leckereien und einen weiteren großen Markt, die Bilder fass ich hier zusammen:

Das hier ist getrockneter Bonito, eine Thunfischart. Sieht aber erstmal aus wie Holzprügel.
Daraus schabt man mit Maschinen die leckeren Katsuobushi-Fischflocken, die für japanische Brühen unerlässlich sind und die als Verzierung auf heißen Speisen so lustig im heißen Dampf „tanzen“.

Der bekannteste Ort in Naha dürfte die Einkaufsstraße Kokusai Dori sein. Hier gibt es Unmengen von Shops mit Touristenzeug, aber auch viele andere Läden.

Das hier ist so ein Touriladen, man beachte die große Maneki Neko (Glückskatze) auf dem Dach.
Dieser „Tempel“ hier ist ein Süßigkeitenladen.
Viele Süßigkeiten in Okinawa drehen sich um die besondere violette Süßkartoffel
Aber aus mysteriösen Gründen ist hier, wie übrigens in ganz Japan, Baumkuchen ebenfalls ungemein beliebt.
Unerwartete Schrecken gibt es auch… Tini entkam dem Riesengekko nur mit Mühe.

Nachmittags haben wir dann einen Kochkurs gemacht. Sowas habe ich schon in Bangkok gemacht und es macht durchaus Spaß.

Dies ist unsere Kochschule, „Taste of Okinawa“. Leider konnte ich die andere „Funktion“ der Schule, die Craft Beer Bar, nicht nutzen, denn ich musste ja noch fahren.
Die Küche von Okinawa liebt Schweinefleisch. Eins der Gerichte war in Miso gekochter Schweinebauch, süß-salzig und lecker. Hier der vorgekochte Schweinebauch, den wir danach nochmal eine gute Stunde in Miso und Zucker kochten.
Das andere Hauptgericht war Goya Champuru, also Bittermelone „gemischt“, in diesem Fall mit Tofu und Ei.
Dieses Bild aus dem Netz zeigt die ganze Frucht, ungefähr so groß wie eine große Zuchini. Das weiße Zeug in der Mitte ist bitter und wird weggeschnitten, aber es bleibt eine distinktive, aber angenehme Bitternote.
Und so sieht das fertige Gericht aus.
Das ganze Menü: Goya Champuru, Schweinebauch in Miso, Suppe mit Seetang und Tofu und Reis.
Einen Nachtisch gabe es natürlich auch. Sata Andagi, Donuts nach Okinawa-Art. Ein Teig aus Mehl, Ei, Backpulver und braunen Zucker wird in Pflanzenöl frittiert. Sehr lecker, weil der braune Zucker auf Okinawa hergestellt und sehr gut ist. Im Teig sind dann noch kleine Brocken von Zucker, die beim Frittieren karamellisieren und dem Ganzen einen extra feinen Geschmack geben.
Die glutenintolerante Tini bekam statt dessen einen Mochi (Reiskuchen) mit Erdbeere (die in Japan in Gold aufgewogen werden).

29.12.2018 – Süße Früchte

Wir haben uns mit der Kulturgeschichte zweier traditionell wichtiger Produkte der Ryukyu-Inseln beschäftigt: Zucker und Ananas. Nach gründlichem Quellenstudium haben wir uns dann zu den Produktionsstätten begeben: Einer Zuckerfabrik und einer Ananasplantage. Nun sollte man dazu sagen, dass diese Produktionsstätten nun ja, sagen wir mal eher auf die Interessen der vielen Besucher der Insel zugeschnitten sind…

Das Ausgangsprofukt, Zuckerrohr, wird bis heute auf Okinawa angebaut, wenn auch nicht mehr in so großen Mengen wie früher.
Hier nun eine Presse…
…und eine Zentrifuge. Danach wird der Saft zu Sirup eingekocht und dann zu Zuckerbrocken getrocknet.

Hauptsächlich ging es natürlich um einen riesigen Laden mit Produkten aus braunem Zucker, vom Rohzucker bis zum Likör. Wir haben uns eingedeckt.

Aus komplettem Jux sind wir dann zum Nago Pineapple Park gefahren. Das ist eine ehemalige Ananas-Plantage, die nach dem Niedergang des Ananas-Anbaus in Okinawa (wurde von Hawaii und Mittelamerika übertrumpft) zu einem Theme Park umgebaut wurde.

Da gibt es durchaus weite Ananasfelder…
…mit Früchten, hier eine Zierananas. Sie hatten auch Felder mit Speiseananas, aber die waren aus dem fahrenden Ananas-Wagen schwer zu fotografieren.

Ananas-Wagen? Welcher Ananas-Wagen? Hier ein paar Eindrücke aus den Theme Park, der eine Mischung aus botanischem Garten und Ananas-Marketing ist:

Das ist natürlich alles nicht ernst zu nehmen und nimmt sich auch nicht ernst. Lustig ist es aber schon.

Zwei weniger kommerzielle Sehenswürdigkeiten haben wir auch noch mitgenommen. Cape Manzamo…

Cape Manzamo
Das im Hintergrund ist kein Schiff, sondern ein Hotel.

Und Burg Nakijin:

Heute, am 30.12., holen wir Miho am Flughafen ab. Mit ihr wollen wir Silvester feiern und noch ein paar der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Okinawa ansehen.

30.12.2018 – Naha zum Zweiten

Heute haben wir Miho abgeholt und sind dafür wieder nach Naha gefahren. Vorher haben wir noch eruiert, ob es bei uns in der Gegend überhaupt irgendwelche Läden oder Restaurants gibt, die an Neujahr offen haben – das ist nämlich einer richtig intensiv begangenen Feiertage in Japan. Glücklicherweise hat der Supermarkt MaxValue sogar an Neujahr geöffnet, wir müssen also nicht verhungern!

Bevor wie Miho abgeholt haben sind wir noch in Naha zum Fukushu-en, einem chinesischen Garten, der zur Feier der Partnerschaft mit Fuzhou in China angelegt wurde. Nun war ich ja schon in einigen japanischen Gärten (und auch in ein paar in China), und das sind schon zwei ganz unterschiedliche Gartenkulturen. Hier ein paar Eindrücke:

Dieser kleine künstliche Berg hat einen Wasserfall….
…mit einem begehbaren Höhlensystem dahinter.

Später haben wir Miho am Flughafen abgeholt, danach sind wir mir ihr nochmal in Kokkusai Dori zum Shoppen gefahren.

Dabei entdeckten wir ein Live-Mario-Kart Rennen. Lustigerweise steht auf allen Wägen „unrelated to Nintendo“, wohl um Rechtsprobleme zu vermeiden.

Wie so viele Straßen in Japan sieht die Kokkusai Dori bei Dunkelheit hübscher aus als bei Tag, weil man dann weniger Grau und mehr Farbe sieht, Neonlicht sein Dank.

Zu guter Letzt ein bisschen Food Porn: das ist ein Kuchen aus beni imo, der lila Süßkartoffel von Okinawa. Sehr lecker. Ulkig ist der Namen der Patisserie: „Edelweiss“.

Morgen: heilige Orte, heiße Bäder und lustige Party!