20.03. Angekommen in Fukuoka

Wir sind nach 11-stündigen Flug nach Tokio und zweistündigem Anschlussflug nach Fukuoka gut angekommen. Mobiles Internet ist besorgt, Auto ist gemietet, Hotel bezogen. Auf dem Flug Tokio-Fukuoka konnte ich den Fuji-san aus ungewöhnlicher Perspektive fotografieren: von oben!

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In Fukuoka sind wir dann noch Essen gegangen. Kirschblüten gibt es noch keine, aber vor lauter Vorfreude hat man den Fernsehturm entsprechend beleuchtet:

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Die Rückseite übrigens auch:

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Jetzt bin ich aber erstmal hundemüde und gehe ins Bett. Morgen fahren wir zum Yoshinogari Historical Park, einer Art Freilichtmuseum über die frühe Besiedlung Japans und danach weiter Richtung Aso-san, dem zentralen Vulkan der Insel Kyushu.

 

21.03. Yoshinogari Historical Park und Aso-san

Der erste volle Urlaubstag startet mit einem Buffet-Frühstück mit allem drum und dran: Reis, Miso-Suppe, gebratener Fisch, Ei, Natto (vergorene Sojabohnen), Kimchi und Würstel. Full Japanese Breakfast also. Und das in einem stinknormalen Business-Hotel – unerwartet gut!

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Erstes Reiseziel war der Yoshinogari Historical Park ca. eine Stunde südwestlich von Fukuoka. Hier ist eine Siedlung der Yayoi-Kultur auf oder nahe den archäologischen Fundstätten nachgebildet. Die Yayoi war die letzte japanische Kultur vor der Übernahme der Schrift von den Chinesen, ca. 5. Jhdt. v. Chr. bis 3. Jhdt. n. Chr. Sie hatten noch keinen Stahl, nur Kupfer und Bronze – Reisanbau aber schon, daher befestigte Siedlungen samt Burggraben.

Hier ein Blick auf eine der nachgebildeten Siedlungen (die spätere):

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und noch ein Blick:

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mit Torwächter:

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und Mitbewohnern:

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Hier die Nachbildung der älteren Siedlung:

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Hier kann man schon gut sehen, dass aus den Yayoi mal Japaner mit Samurai, Daimyo, etc. werden:

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Damals wurden die Leute noch begraben, nicht verbrannt (noch prä-Buddhismus):

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und zwar in solchen Tonsärgen, die immer aus zwei Teilen bestanden und zusammengefügt wurden:

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Wir fanden auch die ersten Kirschblüten, wohl von frühblühenden Sorten, denn eigentlich ist noch nicht offiziell Hanami:

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Erwähnte ich schon, dass das Kirschblütenfest (Hanami) ganz wichtig ist in Japan? Sogar das Bier passt sich an (schmeckt aber normal):

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Nachdem der Tag noch früh und das Wetter sehr schön war sind wir gleich zum Aso-san, dem zentralen Vulkan der Insel Kyushu weiter. Leider darf man wegen eines kürzlichen Ausbruchs (und dem kontinuierlichen Austreten schädlicher Gase) nicht direkt bis an den Krater. Ein paar Bilder konnte man dennoch machen:

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Hier die Landschaft im Überblick (der rauchende Schlot rechts hinten):

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Leider konnte ich den Reiz der kargen Landschaft nur bedingt auf der Kamera einfangen – ist aber auf jeden Fall sehr schön. Hier noch ein anderer, erloschener Krater:

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und ein See:

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Unser Hotel für die nächsten beiden Nächte ist in der Nähe des Bergs in Minami Aso. Hier die Aussicht vom Hotel:

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Normalerweise buche ich ja keine Halbpension, aber in diesem Hotel muss man und es lohnt sich auch:

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Sehr viele verschiedene kleine Speisen. Einer der Stars darunter: Baby-Ebi (Shrimp) Sashimi!

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Das Hotel hat auch einen eigenen Onsen (natürliches Thermalbad) und genau dahin zieht es mich jetzt auch!

Morgen: Hügelgräber und Buchweizennudeln!

22.03. Yamaga Grabhügel, Yachiyoza Theater, Soba

Im Hotel echtes japanisches frühstück mit allem Drum und Dran:

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Am exotischsten waren die beiden Scheiben rosa Pastete links neben dem Salat, mutmaßlich aus Fischrogen (jedenfalls salzig, fischig, würzig und ganz mürb).

Erstes Ziel des Tages waren die Yamaga-Hügelgräber. Das sind prähistorische Kofun-Gräber, wohl aus einer ähnlichen Zeit wie die Siedlung gestern, also vor Schrift und Buddhismus, ca. 300-600 n.Chr. Leider hat uns der Kalender einen Strich durch die Rechnung gemacht: gestern war Frühlingsanfang, ein Feiertag und deswegen hatte das Museum dort nicht gestern (Montag)  geschlossen, sondern heute. Die Hügelgräber konnte man trotzdem sehen:

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Die beiden Hügel links sind nur einer, die aus der Luft gesehen wirken wie ein Schlüsselloch. Auf der Grafik hier sieht man es:

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Und hier nochmal von vorne:

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Das hier wiederum ist ein Nachbau eines anderen Schlüsselloch-Grabes. Da hätte man bei geöffnetem Museum reinkönnen:

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Dank der Schließung hatten wir das Gelände quasi für uns allein. Ein paar seltsame Gestalten bzw. Wahrzeichen der historischen Stätte waren aber auch da:

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Das hier war ein Café und Markt etwas unterhalb des Museum. Ebenfalls geschlossen, aber die seltsame Architektur ist immer offen:

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Unweit des Museums ist die Stadt Yamaga. Dort gibt es das Yachiyoza,  ein Kabuki-Theater aus dem Jahre 1910. In den 1970er Jahren wurde es geschlossen, weil die Popularität von Kabuki sehr unter Kino und Fernsehen gelitten hatte, aber seit 1990 wird es wieder bespielt:

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Nun konnte man an einer Führung teilnehmen (Vorstellungen waren gerade keine, aber Kabuki habe ich vor zwei Jahren in Tokio gesehen) und dabei auch fotografieren, und genau das haben wir gemacht.

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Einzigartig sind die Gemälde an Decke und oberer Wand: das sind quasi Plakate / Werbung für vergangene und kommende Stücke:

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Hier die Decke, man beachte die Phönixe beim Leuchter:

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Man durfte auch hinter die Kulissen. Hier eine Umkleide:

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Und hier der Raum unter der Bühne, wo man einen kreisrunden Abschnitt, der ca. 80% der Bühne ausmacht, von unten drehen kann:

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Die Bühne läuft dabei auf Schienen, und wo wurden die hergestellt? Genau – und die Führerin wies auch gleich die Gruppe drauf hin, dass zwei Gäste aus Deutschland, dem Land des Kruppstahls, dabei sind. Hier die Schienen:

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Danach sind wir zurück nach Minami Aso gefahren. Man kriegt mit Mietwagen abseits der Städte ein ganz anderes Japan zu sehen – sehr viel ruhiger und einfacher, leider aber auch entsetzlich zersiedelt. Es gibt kein Kanji (japanische Schriftzeichen) für Raumplanung geschweige denn Städteplanung und Japaner motzen auch ihre Häuser nicht auf, damit sie von außen hübsch aussehen.

Ein Mittagessen hatten wir verdient, aber wir mussten es erst noch selber herstellen, im Soba-Doja (Buchweizen-Trainingshalle). Das ist ein Etablissement, wo man unter fachkundiger Anleitung seine eigenen Soba (Buchweizennudeln) herstellt und dann verspeist.

Grundzutaten (Buchweizen, Wasser und Jinenjo, also japanischer Berg-Yams) und Equipment:

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Die Mehle werden mit nach und nach Wasser zu einem Teig geknetet:

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Ausgerollt:

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Gefaltet:

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und geschnitten:

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Die nur kurze Zeit gekochten Soba werden oft kalt gegessen und dabei durch eine würzige Sauce aus Sojasauce, Brühe und Mirin, gewürzt mit Wasabi, geriebenem Rettich und Zwiebeln, gezogen:

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Alternativ isst man sie wie Ramen in heißer Brühe.

So, bald ist es wieder Zeit für den Onsen und dann später das Abendessen. Morgen geht nach Kurokawa, angeblich einem der schönsten Onsen-Orte Japans. Mit Bildern von den Bädern könnt Ihr allerdings nicht rechnen – Kameras sind da so wenig angesagt wie Badehosen.

23.03. Onsen Hopping in Bad Schwarzfluss

Heute machen wir das, was Japaner auch machen, wenn sie wenig Zeit haben, dringend Entspannung benötigen und das nötige Kleingeld auf den Tisch legen können: Ein Aufenthalt in einem schönen Ryokan (Gasthaus) mit eigener heißer Quelle, möglichst im Freien (Onsen bzw. Rotenburi). Glücklicherweise ist Kurokawa (übersetzt: Bad Schwarzfluss) nur eine Stunde nördlich von Minami Aso und gilt als eins der schönsten Onsen-Dörfer in Japan. In einem engen Tal gelegen gibt es hier Dutzende Ryokan mit eigenen heißen Quellen. Man kann auch einen Pass kaufen und die Bäder in verschiedenen Ryokans nutzen. Genau das haben wir auch getan. Wieviele heiße Bäder kann man an einem Tag nehmen? Wir versuchen es herauszufinden. Wenn sie zwei große rosa Rosinen irgendwo finden, sind wir das nach zu vielen Bädern.

Die Straßen sind eng, so dass wir das Auto auf einem größeren Parkplatz stehen ließen und alles zu Fuß machen, die Entfernungen sind nicht weit. Hier eine Gasse in Kurokawa:

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Ein Blick auf den Fluss:

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Und noch einer. Die seltsamen Strohballons über dem Wasser sind für die Abendbeleuchtung.

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Ein Teehaus:

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Seit dem zweiten Weltkrieg herrscht die Partei LDP in Japan fast ununterbrochen, die CSU ist nichts dagegen. Hier sorgt Tini endlich für politische Alternativen:

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Mittagessen: ein Donburi (Schüsselgericht). Oben Salat, darunter gegrilltes Pferdefleisch (lecker), darunter Reis, dazu Miso-Suppe mit Dango (Klößen):

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Normalerweise kann man die Bäder natürlich nicht fotografieren. Aber da ich dieses zufälligerweise ganz für mich alleine hatte stand dem nichts im Wege. Hier war die Besonderheit das sehr schweflige Wasser.

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In einem anderen Bad gelang Tini ein Foto:

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In diesem Bad war ich auch, das Foto ist aber aus dem Internet:

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Das hier ist unser Zimmer im Ryokan – dieses eine Mal ein ganz traditionelles japanisches Zimmer wo heute Nacht die Futons ausgerollt werden:

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Und die Blicke aus dem Fenster, nach links:

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Und nach rechts:

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Heute Abend bekommen wir ein Kaiseki Dinner (japanische Haute Cuisine). Das wird sicher fotowürdig, aber das schiebe ich dann nach.

Morgen fahren wir zurück nach Fukuoka, geben das Auto ab, steigen in das beste Eisenbahnsystem der Welt, und fahren nach Kagoshima ganz im Süden von Kyushu.

24.03. Fahrt nach Kagoshima

Hier noch Nachträge zu gestern. Bilder vom Abendessen:

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Und von der Abendbeleuchtung am Fluss:

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Unser Ryokan von außen:

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Heure morgen sind wir dann nach Kagoshima gefahren. Also erst mit dem Auto zurück nach Fukuoka, Auto abgeben, und dann zum Bahnhof wo wir unseren Japan Rails Pass aktiviert haben. Mit dem Shinkansen sind es 1,5 Stunden nach Kagoshima, ganz im Süden der Insel.

Am Bahnsteig wird vor den Gefahren der Selfie Sticks gewarnt. Die Dinger heißen auch ganz zu recht Idiotenszepter….

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Was ich an Kagoshima so schätze ist, dass es hier tatsächlich ein Stadtbild gibt und zumindest einige Planung in den Bau der Stadt einfloss, das ist in Japan unüblich. So gibt es dann eben Prachtstraßen und Alleen, wie hier:

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Unter den Arkaden und in den angrenzenden Gebäuden sind dann Unmengen von Läden. Dabei darf auch die Kirschblüte nicht fehlen:

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Ebenso wenig am Hafen:

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Apropos Hafen: von dort sieht man den Sakurajima, einen überaus aktiven Vulkan quasi direkt vor der Haustür. Es weht auch regelmäßig Asche rüber, aber nicht heute:

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Sehr schön ist auch das Ausgehviertel, ebenfalls im Umfeld der Arkaden. Zum Abendessen gab es Yakitori:

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in diesem Lokal:

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Und hier gehen wir vielleicht morgen essen:

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Wenn das Wetter mitspielt gehen wir morgen in den Sengan-en, einen der Top-Gärten in Japan, ein kleines Stück außerhalb der Stadt.

25.03. Kagoshima: Sengan-en und Sakurajima

Heute in Kagoshima standen zwei Punkte auf dem Programm, die wir 2014 nicht geschafft haben. Sengan-en, der Garten des örtlichen Shimazu-Adelsgeschlechtes und die Vulkaninsel Sakurajima (da waren wir zwar 2014 schon, sind aber auf der Insel nicht rumgekommen).

Der Sengan-en ist etwas außerhalb der Stadt und war seit dem 17. Jahrhundert zweiter Wohnsitz der Shimazu. Die Shimazu, Herrscher der Satsuma-Provinz, hatten am meisten Kontakt mit China und Europa und waren selbst vor der Meiji-Restoration (1868) schon die treibenden Kräfte der Modernisierung Japans.

Wer jetzt bei Satsuma vornehmlich an die Früchte denkt, die gibt es natürlich auch:

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Noch viel beeindruckender ist aber der Sakurajima-Rettich, der es aufgrund der fruchtbaren Vulkanerde locker auf die Größe eines Basketballs bringt:

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Blüten gibt es natürlich auch, wobei ich denke, dass dies hier Ume-Bäume (die Aprikose/Pflaume aus denen der Wein gemacht wird) sind:

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Die Ume ist auch schon am Abblühen:

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Das Bambuswäldchen hingegen ist immer grün:

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Hier die Residenz des Daimyo (Fürsten):

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Weitere Ansichten aus dem Garten:

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Das eigentlich besondere am Sengan-en ist aber dies: ein japanischer Garten muss immer einen Hügel und einen Teich enthalten. Hier hat man drauf verzichtet. Warum? Die natürliche Aussicht stellt jede künstliche Anlage in den Schatten:

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Die Shimazu waren wie gesagt Modernisierer. Interessanterweise haben sie darum das Gelände neben dem Garten für die frühesten Experimente mit japanischer Industrialisierung genutzt, was mittlerweile ein ziemlich gut aufbereitetes und dokumentiertes Gelände / Museum ist – im Museum darf man leider nicht fotografieren.

Hier das Mon (Wappen) der Shimazu: ein Kreuz im Kreis.

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Eine frühe Gießerei:

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Letztlich ging es bei der Modernisierung auch darum, wieder militärische Anschluss an den Rest der Welt zu finden. 1863 hatten die Shimazu sich mit den Briten angelegt, die wiederum Kagoshima bombardierten. Also schlossen die Shimazu Frieden, schickten junge Leute zum Lernen nach London und experimentierten mit früher Industrie. Ein Ergebnis sieht man hier:

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In diesem Gebäude wiederum brachte man ausländische (primär britische) Ingenieure unter, die man quasi zur Entwicklungshilfe ins Land geholt hatte:

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Am Nachmittag waren wir dann auf der Insel Sakurajima, wo wir mit einem anfangs völlig überfüllten Sightseeing-Bus rumfuhren. Nicht alles war sehenswert, wie beispielsweise dieses zweifelhafte Kunstwerk:

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Aber die Ausblicke waren dann – trotz des diesigen Wetters – ziemlich gut. Wie z.B. den Sakurajima aus soviel Nähe wie erlaubt ist (der Vulkan ist aktiv und rauchte auch):

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Oder auch solche Ausblicke über die Bucht:

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Morgen geht es weiter nach Okayama, wo wir uns mit Tinis Freundin Miho treffen, die uns zwei Tage begleiten wird.

26.03. Okayama

Zunächst ein Nachtrag zu gestern: wir waren Abendessen in einem Areal, was zwei Dutzend mini-Lokale auf engstem Raum vereint, mit verschiedenen Regionalküchen. So sieht das aus von außen:

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und von innen. Die Decke, die links unter dem Tisch über die Hocke ragt ist übrigens ein Kotatsu, also eine elektrisch beheizte Decke um den Sitzenden zu wärmen. War auch nicht schlecht, draußen war es kühl:

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Ich hatte sehr leckere gebratene Gyoza mit Schweinefleisch aus der Region:

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Heute verließen wir Kyushu und fuhren mit dem Shinkansen auf die Hauptinsel Honshu in die Stadt Okayama (östlich von Hiroshima). Dieser Shinkansen war ein echter Bummelzug – 3,5h für gut 700km, weil er überall hielt. Das ist mal Jammern auf hohem Niveau! In Okayama trafen wir uns mit Tinis Freundin Miho, die uns die nächsten zwei Tage begleitet.

Am Bahnhof ist auch gleich eine Statue von Momotare, einem japanischen Märchenheld, der mit der Region assoziiert wird. Der Fasan auf seiner Schulter gehört zum Mythos, die Taube auf dem Kopf ist echt…

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Okayama ist städtebaulich kein Highlight, hat aber einige schöne Ecken:

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und kreative Gullydeckel (fast alle anderen zeigen Momotaru):

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Hauptgrund für den besuch von Okayama ist der Koraku-en, der als einer der drei großen, besten japanischen Gärten gilt – er ist auch sehr schön, wenngleich aufgrund der Jahreszeit noch nicht allzu grün.

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Im Hintergrund sieht man schon die Burg von Okayama, die allerdings ein Nachbau von 1966 ist. Eine der wenigen „schwarzen“ Burgen in Japan. Hier nochmal tiefenunscharf:

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und tatsächlich im Fokus:

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Hier noch ein weiterer Blick auf Koraku-en:

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und seine Bewohner:

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Die Kirschblüte hat angefangen! Noch sind nur wenige Blütentrauben offen, aber die machen schon was her:

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Für ein Hanami (Kirschblütenfest) braucht man aber eigentlich nur drei Dinge: einen blühenden Kirschbaum (ein einzelner genügt), eine blaue Plastikplane und Bier. Hier wird das praktiziert:

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Zum Abendessen hatten Tini und Miho Sashimi (rohen Fisch), eigentlich Chirashi-Sushi (da auf Reisbett), und ja, das ist Mayo auf dem Salat, Japaner lieben Mayonnaise!

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Mein Fisch hingegen war gegrillt, und zwar urtümlich am Stock über Feuer – Steckerlfisch auf Japanisch quasi:

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Morgen geht es weiter nach Izumo (in der Nähe von Matsue, unserem nächsten Basislager), wo wir den (meines Wissens) zweitwichtigsten Schrein des Shintoismus besuchen werden, wo unter anderem Susanoo, der Gott des Meeres und des Windes (und Bruder der Sonnengöttin Amaterasu) verehrt wird.

 

27.03. Izumo-taisha

Von Okayama durchquerten wir Honshu nach Norden und Westen an die andere Seite, die Nordküste hin zum japanischen Meer. Zwischen den Küsten sind hier nicht riesig hohe Berge aber doch ordentlich Mittelgebirge. Entsprechend zig sich die Zugfahrt – das ist hier ein anderes Japan jenseits von Shinkansen und Ultramoderne.

Ziel war Izumo-taisha, der zweitwichtigste Schrein im Shintoismus. Hier wird Ōkuninushi-no-mikoto verehrt, und quasi nebenbei sein mythologisch eigentlich wichtiger, aber in der faktischen Religion wenig bedeutende Vater Susanoo, Bruder der Sonnengöttin Amaterasu und Gott von Wind, Meer und Donner.

Hier ein kleiner Schrein am Eingang, an dem man das Unglück loswird.

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Kirschbäume dürfen auch hier nicht fehlen, aber da fehlen noch ein paar Tage.

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Hier eine Statue von Ōkuninushi-no-mikoto. Der Deal war wohl so: Ōkuninushi-no-mikoto akzeptierte die Nachkommen Amaterasus (also die Kaiser von Japan) als Herrscher von Japan, dafür bekam er einen ganz tollen Schrein, der lange Zeit das höchste Gebäude Japans war (und auch früher doppelt so hoch wie heute, was zu einigen Einstürzen führte).

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Ōkuninushi-no-mikoto wird auch mit Kaninchen assoziiert, weil es eine Fabel gibt, in dem er einem solchen Tier hilft. Entsprechende gibt es viele Kaninchen-Darstelllungen auf dem Gelände – was am Ostersonntag für zwei Europäer recht amüsant war.

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Hier sieht man eine Art Wallfahrt auf dem Gelände vor dem Schrein:

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Die Zweige dieses Baumes (und anderer mehr) sind mit Zetteln mit Wünschen verknotet:

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Der Schrein selber ist mit einem Zaun umgeben und nur Priester kommen rein. Dennoch kann man einiges sehen – laut Tini viel mehr als in Ise, dem wichtigsten Schrein, wo Amaterasu selbst verehrt wird. Interessant ist hier der Blick in die Vergangenheit. Der Schrein wird zwar alle 60 Jahre komplett neu gebaut – aber er bleibt doch weitgehend unverändert (bis auf die Größenreduktion). Und da es diesen Schrein tatsächlich verbrieftermaßen seit dem 7. Jahrhundert gibt, bekommt man einen Blick auf das ganz ganz frühe Japan. Die Architektur ist also älter als fast alle ältesten Kirchen Europas, auch wenn der Bau selbst 2013 neu gemacht wurde. Von verschiedenen Seiten:

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Der Susanoo-Schrein liegt dahinter, ist viel kleiner, und auch für Laien zugänglich:

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Warum ist also Ōkuninushi-no-mikoto wichtiger als sein Vater? Er ist für Eheschließungen zuständig. Und in Japan wird shintoistisch geheiratet, dafür buddhistisch begraben. Entsprechend vielbeschäftigt ist der Kami. Direkt neben dem Schrein liegt die größte Hochzeitshalle in ganz Japan – und das in einer recht entlegenen Gegend:

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Nördlich von Izumo liegt das Kap Hinomisake an der Küste zum japanischen Meer. Da sind wir auch noch hin, was sich landschaftlich bewährt hat, denn es ist eine schöne Steilküste und es gibt einen Leuchtturm und Unmengen Vögel – Möwen und Raubvögel, zu denen gleich noch mehr.

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Der Leuchtturm, wohl der höchste in Japan:

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Auf dieser Felsinsel ist auch ein kleiner Schrein, das sieht man am Tori (der „Torbogen“):

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Da wimmelt es nur so von Möwen:

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Dass Möwen diebische Viecher sind, weiß man ja. Doch hier nehmen auch die zahlreichen Milan-artigen Raubvögel den Begriff „Raub“ sehr ernst. Hier sieht man Tini mit ihrem zweiten gegrillten Kalmar. Den ersten hat ihr ein Raubvogel direkt aus der Hand gerissen, als sie mit ihm draußen lustig knabbernd unterwegs war. Wir waren alle reichlich überrascht und froh, dass Tini dabei nicht verletzt wurde.

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Aus irgendwelchen Gründen haben sie diese Trockenfische aber in Ruhe gelassen:

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Zum Abschluss noch zwei Bilder vom Abendessen in einem Izakaya (japanische Kneipe mit kleinen Speisen).

Pommes (aus Kartoffeln aber auch Lotuswurzeln) – ganz herovrragend:

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Und Yakitori. Einer mit frittierter Hühnchenhaut, die anderen (die aussehen wir große Löffel) sind Tsukune, also aus gewürztem Hühnchenhack gegrillt mit Eigelb zum Tunken:

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Morgen sehen wir und Matsue-jo an, eine der zwölf verbliebenen Originalburgen Japans.

 

 

 

28.03. Matsue

Heute haben wir uns Matsue angesehen. Die Stadt hat eine der nur zwölf erhaltenen Originalburgen, aber noch fast spannender ist die Tatsache, dass die Innenstadt letztlich immer noch das gleiche Layout hat wie in der Edo-Epoche (1600-1868). Damals waren die Städte strikt getrennt in Burg, Distrikt für die oberen Samurai, Distrikt für die unteren Samurai, Distrikt für den Rest, jeweils getrennt durch Burggraben. Da in Matsue diese „Burggräben“ noch als Kanäle und Fluss existieren sieht man das noch recht gut, obwohl natürlich mittlerweile jeder wohnt wo er es sich leisten kann.

Hier sieht man ganz gut wie das früher war, und die Struktur ist immer noch merklich:

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Die Burganlage von außen, den Donjon (Hauptgebäude) sieht man noch nicht:

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Ein Torhaus:

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Und hier das Hauptgebäude:

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hier gleich nochmal, aber in Lego (im nahen Museum):

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Drinnen ist eine fantastische Sammlung von Samuraihelmen und -masken:

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Dieses Gästehaus steht auch auf dem Gelände und sollte wohl dem Meiji-Kaiser gefallen. Der Taisho-Kaiser (der vorletzte Kaiser, starb vor dem 2. Weltkrieg) war hier auch mal zu Besuch als er noch Kronprinz war, 1903.

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Durch Kanäle und Flüsse kann man eine Bootstour machen, was wir auch getan haben (das Boot im Foto ist natürlich das hinter uns):

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Dabei unterquert man teils extrem niedrige Brücken, dann wird das Dach abgesenkt und die Fahrgäste müssen sich bis fast auf den Boden ducken:

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Sehr schön erhalten und begehbar ist auch das Haus eines mittleren Samurai (die waren in dieser Epoche keine Krieger sondern Beamte, die gerne über das Krieger-sein philosophierten und Gedichte schrieben…)

Der Eingang:

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Die Garage mit Sänfte (diesem „mittleren“ Beamten ging es also nicht schlecht)

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Und das Esszimmer – alles dann doch deutlich einfacher als beim Fürsten von Kagoshima.

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Erwähnte ich schon, dass es (nach der Edo-Epoche) die Japaner nicht mehr so mit Stadtplanung haben? Jedenfalls erhielt auch dieses Haus eine Baugenehmigung – und zwar direkt neben einem deutlich traditioneller anmutenden Gebäude:

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Immerhin: die Zeit der vollen Kirschblüte naht. Ich denke in drei Tagen in Himeji oder kurz drauf in Osaka dürfte die volle Pracht zu sehen sein:

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Morgen geht es zu den Iwami Slberminen westlich von hier, die Region gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

29.03.2016 Iwami Ginzan Silberminen

Nachtrag zum Abendessen gestern: es gab leckeres Fleisch zum Selbergrillen auf einem kleinen Gasgrill im Tisch:

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Heute sind wird dann nach Westen in die Stadt Oshi gefahren und von dort aus ins das Dorf Omori. Dort sind die Iwami Ginzan Silberminen, die zwischen ca. 1600 und dem frühen 19. Jahrhundert eine wichtige Geld- und Machtquelle des Shogunats darstellten. In Teilen dieser Epoche war Japan für ein Drittel der weltweiten Silberproduktion verantwortlich, und Iwami Ginzan spielte dabei eine zentrale Rolle. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ließ die Bedeutung der Minen nach und die Gegend geriet in Vergessenheit, bis man sie im 20 Jahrhundert wiederentdeckte. Heute ist die Region UNESCO-Weltkulturerbe.

Iwami Ginzan wird vom Dorf Omori aus erkundet. Nördlich ist ein Wanderweg der an verschiedenen Stollen und Tempeln vorbei zu einem erhaltenen Stollen führt, im Süden liegt das Dorf selbst, mit historischen Gebäuden aus der Edo-Periode (1600-1868) und auch quasi als Altstadt erhalten.

So kann man sich den Weg zum Stollen vorstellen:

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Auf dem Weg gibt es viele Tempel.

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Warum? Minenarbeit ist gefährlich und fürs Bestatten sind die buddhistischen Tempel zuständig:

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Hier ein geschlossener und überfluteter Minenschacht:

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Ziel der Wanderung ist ein erhaltener Minenschacht, durch den man ca. 300 Meter durchgehen kann:

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Allerdings bereits für den modernen Japaner in erweiterten Dimension. Für mich war’s immer noch eng und vor allem niedrig:

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Das Dorf selber kann man sich so vorstellen:

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Dies ist eine alte Grundschule, wie sie früher überall in Japan aussahen, aber heute natürlich eine Rarität sind. Das Gebäude wird noch von ca. 12 Schülern genutzt – Omori ist nicht gerade dicht besiedelt.

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Selbst die unverzichtbaren und allgegenwärtigen Getränkeautomaten wurden an das Stadtbild angepasst:

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Dabei machten wir eine bizarre Entdeckung:

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In der Tat hat der Bäcker eine Lehre in einer Bäckerei in Baden-Württemberg gemacht. Drum gibt es da auch schwäbische Brezeln, die entsprechend original schmecken:

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Hier das ehemalige Haus des Gouverneurs der Region:

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Sowie ein alter Schrein:

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der für die Drachenmalerei an der Decke der Gebetshalle bekannt ist:

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Interessanterweise haben sich die Katzen der Region auf Tarnung durch Fellfarbe spezialisiert:

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Morgen: Die Sanddünen von Tottori.