Das Alamo ist nur die nördlichste von insgesamt fünf Missionen, die die Spanier im 18. Jahrhundert entlang des San Antonio River angelegt haben. Die anderen vier sind Teil des UNESCO-Weltkuluturerbes und werden vom National Park Service verwaltet. Das Alamo verwaltet Texas natürlich selbst, da Nationalheiligtum.
Von den anderen Missionen haben wir zwei besucht: Mission San Jose und Mission San Juan.
Mission San Jose
Mission San Jose ist die mit Abstand größte und am besten erhaltene bzw. restaurierte der historischen Missionen. Hier lebten die Franziskaner mit ein paar Soldaten und über 200 Ureinwohnern, um ebendiese zu guten spanischen, katholischen Untertaten zu machen. Das geschah zumindest teilweise freiwillig, da Angriffe durch Apachen und Comanchen ein echtes Problem für die örtlichen Indianer waren und die Spanier Sicherheit und eine sichere Lebensmittelversorgung bieten konnte.
Die Kirchen der Missionen sind allesamt aktive Gemeinden. Teilweise sind die Statuen verhängt, mutmaßlich wegen Ostern.Dieses Rose Window im Barockstil ist der berühmteste erhaltene Teil der Mission.Hier sieht man wieder, wie fast schon kalifornisch San Antonio anmutet: es gibt Fahrräder zum Ausleihen.
Mission San Juan
Die Mission San Juan ist kleiner und wesentlich weniger gut erhalten, dafür aber noch viel originaler als San Jose.
San Juan ist auch näher am Fluss und dadurch auch Wanderwege im Grünen.
Danach haben wir noch in San Antonio einen erstaunlich gut bestückten Spieleladen besucht, der sowohl Rollenspiele als auch Brettspiele führt – viele davon englische Übersetzungen von deutschen Spielen. Außerdem produzieren sie Gelände für Strategiespiele in 3D-Druckern.
Trotz der großen Distanzen, die wir bereits gefahren sind waren wir bisher nur in Ost- und Zentraltexas. Nun geht es weiter nach Westen auf dem Weg nach Balmorhea und sogar nach Carlsbad Caverns in New Mexico.
Vorher noch ein paar kulinarische Bilder:
Donut mit Artemis II Verzierungen, gestern ist der Mondflug ja gestartet.Frittierte Essiggurken, diesmal in Scheiben.Chicken Fried Steak. Das hat nichts mit Huhn zu tun. Das ist ein dünn geschnittenes Rindersteak, paniert wie Fried Chicken, gebraten und mit pfeffriger Bechamelsauce serviert.
Auf in den Westen von Texas! Bei einer langen Autoreise durch Texas wird einem erst richtig klar, wie riesig der Staat ist und wie unterschiedlich die Klimazonen sind. Der Osten bei Houston ist quasi wie Lousiana, grün und feucht. Die Mitte ist hügelig und vielfältig. Und wenn man dann einige hundert Kilometer nach Westen fährt, dann wird es auf einmal wie in New Mexico, Colorado, oder Utah: viel Steppe, sehr trocken und sehr dünn besiedelt. Und wohlgemerkt sind wir gar nicht in den extremen Westen von Texas bei El Paso gefahren.
Auf der Fahrt haben wir auch die Energiewende auf texanisch beobachten können: Windkraft und Ölabbau gleichzeitig, wenn auch nicht ganz an derselben Stelle.
Balmorhea State Park
Unser erstes Ziel nach ca. 6h Fahrt (mit einer Übernachtung im Nirgendwo dazwischen) war der Balmorhea State Park. Das liegt im absoluten Off, allerdings nur ca. 5 Meilen von der Autobahn I-10 entfernt. Hier lebt die Wüste, denn es gibt eine fantastische Ansammlung von reinstem Quellwasser aus den Bergen, die während des New Deals 1935 zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut wurde. Das Resultat: das absolut spektakulärste Naturfreibad, das man sich vorstellen kann. Im kristallklaren, angenehm temperierten Wasser schwimmen Unmengen kleiner Fische, die sich null an den Badegästen stören, sowie einige größere Fische, die eher auf Distanz bleiben und angeblich auch Schildkröten, die ich aber nicht gesehen habe.
Bevor man die Quelle zu einem Freibad ausbaute, wurde das Wasser in kleinen Kanälen zur Bewässerung der Landwirtschaft geleitet. Diese Kanäle verschwanden mit dem Schwimmbad zunächst, was das Ökosystem ziemlich durcheinander brachte, aber man hat sie seit den 1970er Jahren wieder restauriert.
Carlsbad Caverns National Park
Dann haben wir tatsächlich Texas verlassen und einen Abstecher in das östliche Grenzgebiet von New Mexico gewagt, auch wenn uns das plötzlich in eine andere Zeitzone katapultierte. Hier ist der Carlsbad Caverns National Park, der natürlich für seine titanischen Höhlen berühmt ist. Da gehen wir morgen auch noch rein, aber heute kamen wir für das „Abendprogramm“, nämlich den Aufbruch der Fledermäuse. Die haben extra ein Amphitheater beim großen Höhlenausgang gebaut, damit man bei Sonnenuntergang der Start der hunderttausenden Fledermäuse beobachten kann. Es sind zwar noch nicht so viele, das werden im Sommer Unmengen, aber wir sind nach einer knappen halben Stunde Fledermausballet gegangen, weil es zu dunkel wurde. Es waren etwas weniger Fledermäuse als in Austin, dafür saß man näher dran und in einem viel hübscheren Setting. Leider durfte man nicht fotografieren: es herschte absolutes Elektronikverbot und Schweigepflicht. Daher hier nur ein paar Aufnahmen vom Drumherum:
Aber wenn der National Park Service mich nicht fotografieren lässt, dann klaue ich halt ein Foto von ihrer Website. Gar so beeindruckend waren die Schwärme Anfang April nun doch noch nicht, aber es waren schon massig Fledermäuse.
Unsere Tickets für die Carlsbad Caverns waren erst für den Nachmittag, also haben wir vorher noch einen Zwischenstopp eingelegt: die Sitting Bull Falls Recreation Area. Luftlinie gar nicht weit entfernt von den Carlsbad Caverns, aber eine gute Stunde mit dem Auto durch die Steppe, die Hügel und die Open Range von New Mexico. Man wird ständig vor den zwei großen Naturgewalten gewarnt: Springfluten und Rinder. Glücklicherweise sind wir nur den Rinden begegnet – es war kühl, aber trocken.
Die Sitting Bull Falls Recreation Area ist eine Art Oase in der Wüste und wirklich superschön als Naherholungsgebiet gestaltet, mit Picknickhäuschen, barrierefreiem Zugang und allem drum und dran. Nur eins kann niemand so recht erklären, nämlich warum dieser Ort „Sitting Bull“ genannt wird. Sitting Bull ist zwar ganz schön rumgekommen, aber mit New Mexico hatte er nichts zu tun. Außerdem ist das hier historisches Apachen-Territorium und Sitting Bull war ganz bestimmt kein Apache. Nicht mal die Wikipedia weiß es so recht. Sei’s drum, ein schönes Fleckchen ist es allemal.
Carlsbad Caverns
Hauptziel des Tages waren aber die Carlsbad Caverns, die größten Tropsteinhöhlen auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Sie sind riesig und tief. Selbst für den einfachsten und zugänglichsten Teil (Aufzug in 270 Meter Tiefe, der Großteil der Pfade barrierefrei) braucht man gut 1,5h einfach nur um den Großen Saal mit seinen 33,210 m2 einmal zu umrunden. Und es gibt noch viel mehr Teile diese riesigen Höhlensystems, die meisten nur für Forscher, Ranger und erfahrene Spelunker zugänglich. Das darf man sich getrost wie die Minen von Moria vorstellen, nur glücklicherweise bisher Balrog-frei.
Die Fotos werden der Majestät dieser unterirdischen Hallen kaum gerecht, weil man den Maßstab nicht recht abbilden kann.
Die Höhlen werden schon seit knapp 100 Jahren touristisch genutzt, es gab auch mal Pläne, Autos runterfahren zu lassen, das hat man sich dann doch wieder abgeschminkt.
Aber auch hier gilt: please exit through the gift shop. Im „Lunch Room“ direkt bei den Aufzügen gibt es einen gift shop, eine snack bar und Toiletten. Der Rest der Höhlen ist aber bis auf die Wanderwege und ein bisschen Beleuchtung ziemlich naturbelassen.
Mittlerweile sind wir wieder on the road, auf dem Weg ins Rio Grand Valley. Da sind aber einige Stunden Autofahrt zurückzulegen…
Erst einmal: frohe Ostern an alle! Anstatt Eier gibt es Bilder von blühenden Feigenkakteen (Prickly PearI):
Nun aber zum heutigen Reisetag. Es gilt das Prinzip „what goes west, must come back east“, zumindest wenn An- und Abflug über Houston erfolgen. Da wir in den letzten Tagen weit nach Westen vorgerückt waren, gar bis nach New Mexico, haben wir heute einen guten Teil des Strecke nach Osten zurückgelegt. Genauer gesagt nach Südosten, denn das nächste Ziel ist ist das Tal des Rio Grande.
Daher sind wir von Fort Stockton im Westen nach Laredo direkt an der mexikanischen Grenze gefahren. Das waren hauptsächlich gute sechs Stunden Fahrt, während der sich nur langsam die Steppe des Westens in die grüneren Gefilde des Südostens verwandelt haben. Einmal kamen wir auch an einen Checkpoint der Border Patrol, das war aber auch nicht anders als das, was wir 2008 in New Mexico erlebt haben: Pässe zeigen, ein paar Worte wechseln, weiterfahren. Kein Problem und heutzutage macht ja auch Deutschland wieder Stichproben an allen(!) Außengrenzen. Natürlich arbeitet das racial profiling auch zu unseren Gunsten, denn zwei hellhäutige Deutsche in einem PKW passen einfach nicht ins Beuteschema.
Fort Stockton zelebriert seine Roadrunner. Ich habe auch zwei entlang der Straße gesehen und vor ein paar Tagen auch einen Coyoten. Der war aber überhaupt nicht nah dran an den Roadrunnern.
Auf der Fahrt konnten wir auch den ersten Blick auf den Rio Grande und die mexikanische Seite werfen. Wobei man den Fluss vor lauter grün gar nicht sehen kann in seinem Tal.
So, und nun die Preisfrage: wo baut man denn nun die Grenzmauer hin? Genau, deswegen gibt es auch keine. Das gilt für fast die gesamte Grenze zwischen Texas und Mexico, zumal das meiste Land entlang der Grenze in Privat- oder Kirchenbesitz ist. D.h. für einen Mauerbau müsste die Bundesregierung es enteignen. Texaner enteignen? Good Luck with that.
Zwar führen alle Gewässer hier derzeit nicht allzu viel Wasser, aber außer dem Rio Grande haben wir auch den Pecos gesehen, der unweit von dieser Brücke in den Rio Grande mündet:
Und das hier ist faktisch auch der Rio Grande, genauer gesagt das Amistad Reservoir. War aber auch nicht gut gefüllt, zu anderen Zeiten kann man da Boot fahren und schwimmen:
In der Nähe entstanden entlang eines Wanderweges auch die meisten Blütenbilder oben.
Auf dem Weg waren wir mal wieder Barbecue essen. Immer lecker, aber das packt man nur alle paar Tage, sonst wird es zuviel.
Als wir reinkamen spielte Bluesmusik, die leider binnen kurzem von Country & Western abgelöst wurde.Doro hatte eine kalbskopfgroße Baked (eigentlich Smoked) Potato mit Käse und Brisket.
Von Laredo nach Brownsville entlang des Rio Grande. Eigentlich Rio Grande Del Norte, denn die Spanier waren in der neuen Welt notorisch unkreativ bei ihren Ortsnamen. Es gibt mehrere Rio Grande, Camino Real, Monterrey, Alamo, etc. Hauptsächlich haben wir auf der Strecke immer wieder Abstecher in verschiedene state parks und Naturschutzgebiete gemacht, um Vogelbilder aufzunehmen und manchen Blick auf den Grenzfluss zu werfen. Der überaus größte Teil hat keinen Grenzzaun oder sonstige Befestigung – diese wäre auch gar nicht realistisch zu erbauen. Es gibt eine ganze Reihe an Brücken, da gibt es natürlich Grenzkontrollen auf beiden Seiten. Nur weiter im Osten, als wir uns langsam der Golfküste annäherten und es auch weniger steile Ufer gibt, sahen wir Grenzzäune.
Hier nun einige Blicke auf den Fluss:
Hier eine der Stellen mit Zaun.
Vor allem aber stand der Tag im Zeichen des „birding“, also des Versuchs, interessante Vögel vor Fernglas und Kamera zu bekommen, denn das Rio Grande Valley hat besonders viel Federvieh.
Hier aber erstmal ein paar Blüten:
Hier nun aber die versprochenen Vogelbilder:
Einmal hatten wir auch eine Begegnung mit einem Roadrunner, der sich seelenruhig von uns fotografieren ließ und uns auch ziemlich nahe rankommen ließ, was angesichts meines beschränkten 300mm Teleobjektivs natürlich gut war. Wahrscheinlich wusste er, dass Menschen harmlos sind, zumal wir in diesem Park kein Auto, sondern nur ziemlich schrottige Leihfahrräder hatten. Wie jeder weiß, geht die wahre Gefahr für Roadrunner von Coyoten aus, die mit Ambossen, Klavieren und Dynamit Jagd auf die machen.
Auch einem Paar wilder Truthähne sind wir begegnet:
Zu guter Letzt hier noch eine Begegnung mit den gefährlichen Gecko Brothers aus From Dusk Till Dawn:
South Padre Island ist die südlichste vorgelagerte Insel zwischen Texas und dem Golf von Mexico… ähh… Golf von Amerika… ähh… sagen wir doch einfach Golf von Texas. Zwischen der Insel und dem Festland ist die Madre Laguna, die Mutter aller Lagunen, die tatsächlich salziger als das Meer ist. In diesem Feuchtgebiet, auf der Insel und dem Meer schwimmt, kreucht und fleucht so allerhand.
Laguna Madre Nature Trail
Ein Boardwalk führt raus in die Lagune und wird von Birdwatchern mit Ferngläsern und Teleobjektiven frequentiert. Da war ich mit meinen lumpigen 300mm definitiv deklassiert. Aber ein paar Fotos sind mir dennoch gelungen.
Vor allem von diesem Kolibri!
Und allerhand Seevögel:
Und noch ein paar andere Vögel:
Sea Turtle, Inc.
Sea Turtle, Inc. ist eine Klinik und Rettungsorganisation für die fünf Arten von Seeschildkröten, die es rund um South Padre Island gibt. Man kann sowohl die Klinik als auch die permanenten Bewohner sehen, die aus verschiedenen Gründen nicht ausgewildert werden können.
Im OP findet gerade eine Autopsie einer an Tumoren gestorbenen Schildkröte vorgenommen.Diese Schildkröte bekommt gerade ein CT.Diesem fehlt eine Flosse.
Weitere Schildkröten:
Strand von South Padre Island
Man kann die Insel ziemlich weit nach Norden fahren, bis es irgendwann nur noch Strand im Osten und Dünen und die Lagune im Westen gibt.
Mittlerweile sind wir auf (North) Padre Island. Leider kann man nicht einfach von der südlichen Insel auf die nördliche fahren, da gibt es keine Brücke. Vielmehr muss man ca. 3h außenrum, also über das Festland fahren. Padre Island besichtigen wir dann morgen, aber wir waren heute Abend noch bei Doc’s Seafood and Steaks. Das erwies sich als Glücksgriff, denn es gab Livemusik, große Drinks, guten Essen und kostenlosen Sonnenuntergang.
Padre Island ist logischerweise die nördlicher der beiden großen barrier islands, die die Golfküste von Texas abschirmen. Es gibt noch weitere, kleinere bis letzlich hin nach Galveston, aber South Padre und Padre Island die die längsten. Padre Island ist weitgehend ein Naturschutzgebiet, entsprechend gibt es da vor allem Meer, Dünen, die Lagune auf der anderen Seite und die ansässige Flora und Fauna. Sowohl der National Park Service als auch die Besucher mühen sich redlich, den angeschwemmten Müll wegzuräumen, der in diesem Fall mal nicht aus den USA stammt, sondern von weiter südlich entlang des Golfs durch die Strömungen hochgeschwemmt wird. Das Ergebnis ist eine sehr schöne Naturlandschaft.
USS Lexington in Corpus Christi
In Corpus Christi liegt die USS Lexington, ein stillgelegter Flugzeugträger, der 1943 mitten im 2. Weltkrieg in Dienst gestellt wurde und bis 1991 im Einsatz war. Ähnlich wie bei der USS Midway in San Diego kann man die verschiedenen Decks und eine Sammlung von Flugzeugen ansehen. Die Lexington ist allerdings merklich kleiner und die Ausstellung eklektischer.
Damit ist unser geplantes Programm in Texas weitgehend beendet. Wir sind jetzt erstmal nach New Braunfels nördlich von San Antonio zurückgekehrt, weil es dort ein gutes und günstiges Hotel gibt sowie einige interessante Sachen in der Umgebung. Vor allem sind wir nochmal zur Gruene Hall zu einem weiteren kostenlosen Konzert gefahren, diesmal mit der Bluesrockband River Town Relics.
Der Urlaub neigt sich dem Ende zu und wir haben beschlossen, in den letzten Tagen New Braunfels zu unserer Basis zu machen und von dort aus einige Ausflüge in das Hill Country zu machen.
Unser erstes Ziel heute war La Grange, ca. 90 Minuten mit dem Auto entfernt. Warum? Weil
a) ZZ Top einen Song über den Ort geschrieben hat b) sich dort die Chicken Ranch befand, „The Best Little Whorehouse in Texas“ c) hier trotz des französisch anmutenden Namens (benannt nach dem Anwesen des Marquis de Lafayette) ein Zentrum der deutschen und tschechischen Besiedlung von Texas war?
Die Antwort ist
d) weil hier das The Texas Quilt Museum ist
Bereits von der Seite unschwer zu erkennen.
Direkt nebenan ist ein Patchwork-Laden:
Statt solcher textilen Freuden habe ich ich mich mehr im Städtchen rumgetrieben, das tatsächlich recht schmuck, wenn auch sehr kompakt ist.
Das Gerichtsgebäude……mit einem schönen Innenhof.Hier das „Casino“, das die deutschen Siedler keineswegs für das Glücksspiel, sondern vielmehr als Schule und Gemeindezentrum bauten.
Hauptsächlich habe ich mich im Depot Museum and M-K-T Railroad Depot aufgehalten. Das ist ein (längst stillgelegter) Bahnhof von 1897, einst der ganze Stolz von La Grange, die Bewohner investierten eigenes Geld, damit die Eisenbahn auch in ihre Stadt kam.
Normalerweise hätte ich da nicht mehr als zehn Minuten verbracht, aber ich fiel dem Kurator des Museums in die Hände. Als er erfuhr, dass meine Schwester im Quil-Museum ist, ging er davon aus, dass ich unendliche Zeit habe und erzählte mir sowohl die Geschichte des Bahnhofs als auch seines Lebens. War durchaus interessant, aber irgendwann habe ich mich dann doch losgeeist.
Zum Essen waren wir in einem Dairy Queen, einer Institution des ländlichen Amerika, wo sie uns bewiesen haben, dass Fast Food keineswegs schnell gehen muss… Aber die Burger waren OK und die Limonade tatsächlich sehr gut.
Danach waren wir noch an einem historischen Ort in der Nähe, den Kreische Brewery & Monument Hill State Historic Sites. Heinrich Ludwig Kreische kam 1849 nach Texas und verdingte sich zunächst als Steinmetz. Mutmaßlich hat er auch das (ziemlich hässliche) Denkmal gebaut, das der Texianer aus der Zeit der Republik gedenkt, die bei einem mexikanischen Angriff 1842 gefangen genommen wurden und von den Santa Anna jeden zehnten hinrichten ließ. Sie haben sogar das Wort „decimate“ correct verwendet, das im heutigen Sprachgebrauch eher mit „völliger Vernichtung“ als mit der Tötung jedes zehnten gleichgesetzt wird. Kreische kaufte dann auch das Land, auf dem das Denkmal stand, aber nicht um seine Arbeit zu schützen, sondern weil er von Steinmetz auf Brauer umsattelte und das Land gutes Brauwasser hatte und die Möglichkeit bot, Lagerbier in kühlen Kellern zu fermentieren. Leider ist von der Brauerei nur noch eine Ruine übrig. Kreisches Anwesen hat besser überlebt.
Hier die Ruinen der Brauerei fast direkt neben dem Fluss. Angeblich wollen Sie demnächst den Ausschank einer Mikrobrauerei hier ansiedeln.
Morgen geht es nach Cuero, in der Hoffnung nochmal richtig viele Wildblumen zu sehen.
Heute führte der Weg nach Cuero, südwestlich von New Braunfels. Auf dem Weg kamen wir durch Gonzales durch, wo die texanische Revolution seinerzeit begann, als einige Siedler sich weigerten, der mexikanischen Armee eine Kanone zurückzugeben mit den Worten „come and take it“. Taten die Mexikaner nicht, dafür holten sie Verstärkung und bald begannen die Ereignisse von Alamo bis San Jacinto.
In dieser Region finden sich trotz der meist spanischen Ortsnamen deutliche Zeichen von deutscher Besiedlung (nach der texanischen Revolution), z.B. im Ort Lindenau.
In Lindenau findet sich diese historische Versammlungshalle, die später zum Schützenverein wurde.
Das Städtchen Cuero selbst ist klein, aber recht schmuck.
Es gibt sogar eine ganz ansehnliche kleine Altstadt.
Aber eigentlich sind wir nach Cuero gekommen, um nochmal Wildblumen zu sehen, denn Cuero ist laut Beschluss des texanischen Parlaments das „Wild Flow Capital“ of Texas. Nun ist heuer die Ausbeute an Blumen nicht so überwältigend wie in früheren Jahren, aber da es gestern etwas geregnet hat, waren schon einige Blümchen zu sehen. Dafür fährt man ca. 20 Meilen entlang einer von mehreren Routen, die das Cuero Chamber of Commerce für Besucher vorbereitet hat. Wie die Bilder zeigen, wachsen die Blumen vor allem direk am Straßenrand. Wohl weil da gemäht wird und sie bessere gedeihen aber auch weil sie, anders als auf den allgegenwärtigen Weiden, nicht von Kühen gefressen werden.
Das hier ist keine Wildblume, sondern Teil des Bepflanzung in der Stadt,
Früher war das wohl alles Ranchland, doch heutzutage gedeiht hier noch etwas anderes als Blumen, nämlich Öl- und Gasfelder.
Auf gefühlt jeder zweiten Ranch standen Anlagen wie diese hier und es gab einen regen Verkehr von Lastwagen.
In Cuero waren wir dann noch im Pharmacy and Medical Museum of Texas. Das ist eine alte Apotheke aus dem Jahre 1889 mit reichlich Exponaten, teils von sehr zweifelhafter gesundheitlicher Wirkung.
Man beachte nur die Zigarettenwerbung, vor allem die Packung mit Asthma-Zigaretten. Wohlbemerkt sollen die gegen Asthma helfen!
Manch einer mag gehört haben, dass Coca Cola ursprünglich ein Arzneimittel war. Zumindest wurde es in Apotheken ausgeschenkt:
Immerhin: Zähneputzen gilt auch heute noch als gesund.Zu guter Letzt: die guten alten Zeiten, als Männer noch Männer, Frauen noch Frauen und Kühlschränke noch Kühlschränke waren!
So, jetzt wird es richtig authentisch. Ein Volksfest auf dem Land südlich von San Antonio, in Poteet, dem „Strawberry Capital of Texas“. Das ist von locals für locals, wir haben es nur zufällig in einer Broschüre gefunden.
Tatsächlich findet das Festival auf einem beachtlich großen Gelände mit reichlich Zelten und mehreren Bühnen statt. Als wir morgens um 10 Uhr ankamen, war noch nichts los – es gab eine Parade, aber die war nicht auf dem Festgelände, was uns aber erst vor Ort klar wurde.
Erdbeer-Deko gab es einige:
Wir fanden zunächst keine Erdbeerbauern, die ihre Früchte zum Verkauf anboten. Das Rätsel lüftete sich aber mit der Zeit: es gab eine Kür der besten Erdbeeren, gefolgt von einer Versteigerung. Und damit sie die besten Erdbeeren in den Wettbewerb einreichen konnten, waren die Erdbeerbauern noch auf den Felden, um frische zu pflücken. Die letzten wurden ca. 11.50 herangeschafft, knapp zehn Minuten vor der Deadline.
z.B. auf solchen Fahrzeugen kamen die Erbeerbauern mit ihren Früchten aufs Festgelände.Es gelang uns dann doch noch, welche zu erwerben. Tatsächlich erntefrisch, die Qualität von manchen sehr gut, von anderen eher durchschnittlich. Auch hier ist wohl noch nicht der Höhepunkt der Saison.Auch als Strawberry Shortcake sehr lecker.Hauptgericht war aber ein „Pork Chop on a Stick“ mit Brötchen und Jalapeno.Da konnte man dann gut die Finger von so zweifelhalten (und extrem überteuerten) Erfahrungen wie dem „Korean Corn Dog“ lassen.
Musik und Tanz waren auch geboten:
Es dreht sich nicht alles um Erdbeeren.
Das Texas Parks & Wildlife Department war auch vor Ort, um junge Leute anzusprechen.Es gab kindskopfgroße Zwiebeln, tatsächlich ist Texas ein Zentrum des Zwiebelanbaus.Man beachte die Preise bei diesem Preisausschreiben. U.a. ein AR15-„Sturmgewehr“ (eigentlich nur ein halbautomatisches Gewehr) und eine Beretta 9mm Pistole. Auf dem Fest war außer der Security aber niemand bewaffnet.
OK, OK. Mancher fragt sich jetzt wohl schon: alles schön und gut, aber warum um alles in der Welt seit ihr dahin? Die Antwort: es gab ein Rodeo. Ein solches fehlte uns noch für die volle Texas experience und hier ließ sich diese Lücken ohne viel Aufwand und hohen Geldeinsatz füllen. Es war alles geboten, was man sich so erwartet: Bronco Riding, Calf Roping und sogar Mutton Busting (was das ist, erkläre ich weiter unten). Das, was man eigentlich mit dem Rodeo in Verbindung bringt ist das Bronco Riding, also der meist sehr kurze Ritt auf ungezähmten Pferden, die den Reiter abwerfen wollen.
Zunächst einige Fotos:
Aber so sehr ich ein Freund des Standbildes bin, manche Sachen kommen nur im Video voll rüber.
Bronco Riding:
Hier ein Beispiel für Calf Roping:
So, und was hat es jetzt mit Mutton Busting auf sich? Das ist Bronco Riding für die Kleinen, allerdings auf einem Schaf anstatt einem Pferd. Hat auch den Vorteil, dass man die Schafe hinterher nicht groß einfangen muss, anders als die aggressiven Broncos. Die Schafe stellen sich einfach nach dem Abwurf in eine ruhige Ecke und alle nachfolgenden Schafe gesellen sich dazu.
Damit ist unsere Texas experience jetzt ziemlich lückenlos. Morgen fahren wir zurück nach Houston mit einem Zwischenstopp am Geburtsort der Republik Texas, Washington-on-the-Brazos.