Yee-haw!

Am 23. März fliege ich zusammen mit meiner Schwester Doro nach Texas! Diese Reise hatte ich ursprünglich für den April/Mai 2020 geplant – man kann sich denken, was daraus geworden ist. Nun ist es aber endlich Zeit für den Pandemie Revenge Trip!

Ich war zwar in den 1980er Jahren mal kurz in Texas, aber nur auf der Durchreise. Dies ist also meine erste nennenswerte Reise in den zweitgrößten (nach Alaska) und zweitbevölkerungsreichsten (nach Kalifornien) Bundesstaat der USA.

Hier schonmal ein (nicht selbst geschossenes) Bild zur Einstimmung.

24.03.2026 – Houston

Nach ca. 12h Flug, der dank Premium Economy durchaus erträglich war, sind wir leicht verspätet in Houston angekommen. Allen Unkenrufen zum Trotz war die Immigration ganz normal. Wir standen ca. 45 Minuten an, weil recht viel los war, aber die Interaktion mit dem Einreisebeamten war wie immer freundlich und professionell. Keine ICE-Agenten, die Somaliern auflauerten und womöglich aus Langeweile ein paar Deutsche hopp nehmen. Das Gepäck kam auch gut an.

Das eigentliche Problem bei der Ankunft war gänzlich unerwartet: es war erstaunlich schwierig, den Shuttlebus zum Mietwagencenter zu finden. Bis zum Terminalausgang war der Shuttlebus ausgeschildert und dann: nichts mehr. Mit einigem Rumfragen haben wir dann doch die richtige Haltestelle gefunden und nach einiger Wartezeit kam dann auch ein Bus, der uns zu den Mietwagenanbietern brachte. Dort wiederum hatten wir Glück: bei Avis und Hertz waren lange Schlangen – wie wir später erfuhren, hatte zumindest Hertz nicht genug Autos um alle Reservierungen zu bedienen. Wir aber wiederum hatten bei Alamo gebucht (logisch, welchen anderen Mietwagenanbieter will man in Texas denn nehmen?) und bekamen in Kürze einen Toyota Camry, der tatsächlich noch ein Stück größer ist als der eigentlich gebuchte Corolla, was sich vor allem beim Kofferraum bemerkbar macht.

Dann sind wir ca. 15 Minuten zum Hotel gefahren, haben eingecheckt, was auch nicht ganz einfach war, weil die Kerle an der Rezeption wohl die Buchung nicht finden konnten, aber irgendwann ging es doch. Danach war außer duschen und ins Bett gehen nicht mehr viel drin.

Dank Jetlag sind wir beide früh aufgewacht und waren um kurz vor 6.00 beim Denny’s gegenüber des Hotels. Da wir beide am Vorabend keinen Appetit und keinen Nerv zum Essen mehr hatten, haben wir uns ein Full American Breakfast gegönnt:

Doro hatte Blaubeerpfannkuchen mit Obst und Eier, Speck und Hashbrowns als „Beilage“…
…und ich hatte erstmals in meinem Leben einen „Seniorenteller“ (die gibt es da ab 55 Jahren): zwei Pfannkuchen, Rührei mit Käse, Speck und Würstchen für $6.90 (vor Steuer und Trinkgeld). Also zumindest bei Denny’s ist die „affordability“ der Lebenshaltung noch in Ordnung.

Cockrell Butterfly Center

Der Urlaub beginnt mit für Texas frühlingshaften, für München sommerlichen Temperaturen: 29 Grad Höchst-, 19 Grad Mindesttemperatur. Wer sich Texas nun vorstellt wie im Western-Film, liegt nicht falsch, aber das gilt nur für Westteexas. In Osttexas (z.B. Houston) ist alles grün, es ist eher wie in Louisiana und New Orleans, die ja auch nicht so weit weg sind. Es gibt auch diese typischen Südstaaten-Bäume an den Straßen, allerdings mit weniger hängendem Moos an den Ästen.

Unser erstes Ziel war das naturkundliche Museum von Houston, allerdings nicht wegen der Hauptausstellung, sondern wegen der Schmetterlingsvoliere. Dafür sind wir mit dem Auto durch die Innenstadt von Houston gefahren und dann noch ein wenig weiter südlich zum Hermann Park. Dieser ist sehr groß und grün.

Gründervater Sam Houston hat uns den Weg gewiesen.
Hier blühen auch die Bluebonnets, die Staatsblume von Texas, die es zu dieser Jahreszeit in Massen gibt, wir hoffen später, große Wiesen damit zu sehen.

Aber auch sonst blüht allerhand:

Aber das eigentliche Ziel war eben das Cockrell Butterfly Center, wo sie über mehrere Stockwerke eine Art Mini-Regenwald gebaut haben, wo sich die Schmetterling und einige Vögel tummeln. Vorher gibt es eine naturkundliche Ausstellung über die faszinierende Welt der Gliederfüßer.

Inklusive beachtlicher lebender Spezimen…
…und bedrohlicher Momente.
Aber hauptsächlich geht es um Schmetterlinge. Hier ein paar präparierte Exponate, aber sie haben auch riesige Schmetterlings-Kitas mit Unmengen von Puppen.

Und natürlich lebende, adulte Exemplare verschiedener Spezies. Hier hat sich das 70-300 mm Teleobjektiv bewährt.

San Jacinto Monument

Danach haben wir eine minimale Menge an Texas-Geschichte gemacht. Ich erwähnte oben Sam Houston, das war der militärische Anführer der texanischen Revolution gegen Mexiko 1835-36. Diese lief erstmal gar nicht gut für die Texaner, dazu werde ich beim Alamo (San Antonio) noch mehr schreiben. Aber nach verheerenden Niederlagen und aufreibender Flucht gab es dann doch Erfolge, und bei San Jacinto südöstlich von Houston (das es als Stadt damals natürlich noch gar nicht gab), siegten die Texaner über eine zahlenmäßig überlegenes mexikanisches Heer und konnten sogar Antonio López de Santa Anna, den Kommandanten der Mexikaner und insgesamt der Gottseibuns der Texaner, gefangen nehmen. Hauptsächlich weil Santa Anna taktischen Bockmist gebaut hatte und weil die Texaner das Gelände wesentlich besser kannten und ausgenutzt haben.

Wir hatten wenig Zeit und es gibt da auch nicht viel zu sehen, zumal das Museum geschlossen hatte. Aber hauptsächlich ging es auch darum, am historischen Ort gewesen zu sein, und natürlich das Monument zu sehen:

Logischerweise Texas-sized, also riesig. Man beachte den einsamen Stern an der Spitze. Der Lone Star ist seit der Revolution das Symbol von Texas.
Closeup auf den Sockel.

NASA Space Center Houston

Nächstes Ziel: das Space Center Houston, die Schalt- und Kontrollzentrale der NASA, auch wenn die Raketen von Florida aus starten. Hier gibt es auch ein tollen Museum und Erlebniszentrum mit beeindruckenden Exponaten, aber das riesige Gelände mit Dutzenden sehr hässlichen Bürogebäuden ist nach wie vor die Schaltzentrale der NASA.

Es gibt nicht nur ein Museum, sondern man kann auch mit einem Bähnle zu verschiedenen Exponaten und Gebäuden fahren.

Das größte Exponat ist eine vollständige Saturn V Rakete, also der Raketentyp der Apollo Missionen:

Auf demselben Gelände stehen kleinere Raketen und ein Triebwerk der mittleren Apollo-Stufe:

Auf der anderen Straßenseite weidet eine Herde Longhorns (Teil eines pädagogischen Projekts).

Herzstück von allem ist aber das historischen Kontrollzentrum der Apollo-Missionen, das originalgetreu erhalten ist. Nur der dritte Stock ist Teil des Museums, das restliche Gebäude ist aktiv. Im ersten Stock ist das aktive Kontrollzentrum der Internationalen Raumstation ISS.

Wenn man mit dem Bähnle zurück kommt, sieht man ein Space Shuttle (ein Modell) auf dem Transport-Jumbojet (echt)

Im eigentlichen Museum gibt es ein Modell der alten Raumstation Skylab in Originalgröße. Dabei sind auch die Quartiere, inkl. Schlafkojen, Dusche und Unterdruck-Anlage für den Unterkörper (was das wohl sein mag???)

Hier ein Modell vom Mondlander.

Sie machen auch viel Werbung für die Artemis Mission, also die neuen Mondlandemissionen, die bis Ende der 2020er wieder Menschen auf den Mond bringen soll.

In der Kantine gibt es leider keine Astronautennahrung, dafür ein leckeres Reuben-Sandwich.
Aber immerhin kann man sich seine eigene Skittles-Mischung mixen.

Next Stop: Galveston, Texas.

25.03.2026 – Galveston

Galveston ist eine Insel südlich von Houston zwischen der Galveston Bay und dem Golf von Mexico… äh ich meine natürlich Amerika. Das ist der historisch wichtigste Hafen von Texas, was vor allem im Bürgerkrieg eine wichtige Rolle spielte. Ich hatte mir auch immer vorgestellt, dass Galveston ein Zentrum der Ölindustrie ist, schließlich wird im Golf massenhaft Öl gefördert. Das scheint aber nicht der Fall zu sein: wir haben massenhaft Raffinerien und Ölspeicher gesehen, aber eher auf dem Festland bei San Jacinto. Galveston selber ist eher ein Naherholungsgebiet mit Strand, einer Altstadt aus dem späten 19. Jahrhundert, Restaurants, Museen und Bootstouren. Sehr nett, vor allem Doro hat es ausnehmend gut gefallen.

Was vielleicht auch an der Coconut Margarita als Sundowner gelegen haben könnte.

Strand von Galveston

Der Strand ist aber auch wirklich schön.

Es gibt auch allerlei Seevögel, die sich an den Strandbesuchern nicht zu stören scheinen.

Dank Jetlag konnten wir auch einen sehr schönen Sonnenaufgang erleben:

The Strand – Altstadt von Galveston

Wie gesagt war Galveston früher ein bedeutender Hafen, hier liefen die Verbindungen nach New York und in alle Welt. Auch Einwanderer kamen hier an. Daher gibt es aus dem späten 19. Jahrhundert ein Altstadt, die früher die Lagerhäuser, Kontore und Geschäfte der reichen Händler waren. Heute ist das eher eine Shopping-Meile für Strandbesucher. Aber wir waren recht früh da und es war noch leer.

Am Wochenende ist das wohl auch die Bourbon Street von Galveston, also mit offenem Alkohol und Musik.

In der Frühphase des Bürgerkriegs 1862 wurde Galveston von der Marine der Union besetzt. Und kurz vor Ende des Bürgerkriegs, am 19. Juni 1965 wurde in Galveston dann auch die Emancipation Proclamation in Texas durchgesetzt, also die Sklaven befreit (noch vor Ratifizierung des 13. Verfassungszusatzes). Der 19. Juni wurde als „Juneteenth“ bekannt und ist bis heute ein Feiertag, vor allem natürlich für die afroamerikanische Bevölkerung.

Wandgemälde zum Juneteenth,

Bootstour

Die Galveston Bay hat über 700 Delphine. Wir haben also eine Bootstour gemacht, vor allem um Delphine zu sehen, aber man sieht natürlich auch die ganzen Schiffe und einiges mehr.

Die Ocean Star ist eine stillgelegte Ölbohrinsel, die als Museum in den Hafen von Galveston verlegt wurde.
Kriegsschiff aus dem 1. und 2. Weltkrieg, nunmehr ein Museum.
Hier starten die kostenlosen Autofähren nach Bolivar Island. Die haben wir später genommen, weil das sehr viel praktischer ist, als zurück nach Houston zu fahren.

In der Bucht liegt auch das Wrack eines Militärschiffes aus Beton(!) das für den ersten Weltkrieg gebaut wurde, aber nie zum Einsatz kam. Später diente es als Öltanker, lief aber in der Galveston Bay auf Grund. Da man solche Schiffe kaum bergen kann, blieb es da liegen. Später lebte ein Einsiedler mit seinen Ziegen(!) drauf. Heute wird es von Seevögeln wie z.B. Pelikanen verwendet:

Delphine haben wir eine ganze Menge gesehen, aber die Biester sind notorisch schwierig zu fotografieren. Hier die eher maue Ausbeute an Fotos:

Und zum Abschluss noch ein paar kulinarische Eindrücke:

Next Stop: Big Thicket National Preserve

26.03.2026 – Big Thicket NP

Die Big Thicket National Preserve ganz im Osten von Texas ist ein Naturschutzgebiet, in dem die natürliche Landschaft der Region bewahrt wird. In manchen Teilen kann man hier von Urwald reden, oder eigentlich eher „Urgebüsch“, denn das Thicket hat zwar alte Kiefern und Zypressen, aber eben auch viel weniger hoch gewachsene Vegetation.

Es ist nicht der spektakulärste der Nationalparks (zumal eine National Preserve kein Nationalpark ist, da aus mehreren Teilen bestehend mit wirtschaftlicher Nutzung dazwischen), hat aber für mich auch sentimentale Bedeutung. Denn hier spielt die Rollenspielkampagne East Texas University, eine Art Buffy in Texas Setting, das ich einige Zeit geleitet habe. Es sind allerdings keine Chupacabras oder riesige Wildschwein aufgetaucht, was wahrscheinlich ganz gut ist.

Hier sieht man, wie das Big Thicket sich von Beaumont (östlich von Houston) bis viele Meilen weiter nördlich erstreckt, aber eben durch Besiedlung und wirtschaftliche Nutzung in getrennte Einheiten geteilt ist.

Kirby Nature Trail

Der Kirby Nature Trail zeigt vor allem die Landschaft des slope forests, also des leicht abfallenden Waldes, der die Landschaft maßgeblich prägt. In den Niederungen gibt es dann alte Zypressen mit beeindruckenden „Gärten“ aus Luftwurzeln um sich herum:

Sundew Trail und Pitcher Plant Trail

Im Big Thicket gibt es auch zwei Arten von fleischfressenden Pflanzen: Sonnentau und die Kannenpflanze. Nach beiden ist eine Sektion des Parks benannt, aber man findet tatsächlich beide in beiden. Venusfliegenfallen gibt es allerdings keine, die sind in Carolina beheimatet.

Dieses Modell eine Kannenpflanze ist größenmäßig etwas übertrieben…

Aber man findet reichlich von Ihnen:

Hier sogar eine ganze Wiese voll.

Der Sonnentau war schwieriger zu finden, da er nur an ganz freiem Boden wächst (es darf also kein Unterholz o.ä. geben) und die typischen roten Fangbereiche recht klein sind. Aber als wir mal kapiert hatten, wonach man suchen muss, fanden sich direkt am Wegesrand reichlich Exemplare:

Im Bereich Pitcher Plant Trail hatten die Parkwächter nur wenige Zeit vorher einen kontrollierten Brand ausgelöst. Das ist notwendig, um die natürliche Landschaft zu erhalten (und praktischer und sicherer als auf einen Blitzeinschlag und einen unkontrollierten Brand zu warten).

Dieser Grashüpfer war allerdings schwer traumatisiert, er hüpfte nicht mal weg, als ich mich mit der Kamera näherte.
Der Eidechse war es mutma´ßlich egal, die lebt unter dem Boardwalk und war vom Feuer nicht betroffen.

Bluebonnets

Nach dem Big Thicket sind wir ca. 4h Richtung Dallas gefahren – Texas ist groß, und das ist nur der Osten!

Zwischenstopp am Love’s Lookout, einem schönen Rastplatz auf dem Weg.

Als wir uns langsam Dallas näherten, sahen wir auf den Grünstreifen des Highways immer mehr Wildblumen: rosa, gelb und blau. Wildblumen kommen im Frühling in Osttexas massenhaft vor, auf den Grünstreifen werden sie aber auch absichtlich ausgesät, was die Fahrt im Frühling deutlich verschönert. Leider kann man selten einfach anhalten, um die Pracht zu fotografieren, da Highway. Aber einmal sind wir dann doch kurz abgebogen, um bei einem im Bau befindlichen neuen Wohngebiet Fotos von Bluebonnets, der Staatsblume von Texas zu schießen.

Tex-Mex

Eine der für Texas typischen Küchen ist das Tex-Mex, also die Küche von Texas und Teilen Nordmexikos: Tortillas, Reis, Bohnen, Chili, Fleisch, Salsa usw. Hier ein paar Beispiele:

Next Stop: Dallas

27.03.2026 – Dallas

Warum fährt man nach Dallas? OK, es gibt zwei potentielle Gründe. Entweder die Fernsehserie aus den 1980er Jahren, an die Doro sich aber nur wenig erinnert und die ich nie wirklich gesehen habe. Es gäbe immerhin durchaus die Southfork Ranch anzusehen. Aber für uns war vor allem das Kennedy-Attentat Grund für den Abstecher nach Dallas. Heutzutage gibt es da Touren und die gesamte Innenstadt ist als historisches Ensemble geschützt, so dass man sich wirklich ansehen kann, wo die Tragödie passierte.

Das war nicht immer so: in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Attentat wollte die Stadt Dallas so schnell wie möglich vergessen, was passiert war und teilweise leugneten die Leute aus Dallas auch ihre Herkunft, weil sie z.T. angefeindet wurden. Es gab sogar Pläne, die gesamte Innenstadt abzureißen und neu zu entwickeln, aber dafür fehlte das Geld. Und später setzte ein Sinneswandel ein und man hat sich für den Schutz der historischen Städten entschieden.

Wir haben eine sehr interessante, dreistündige Tour mit einem lokalen Historiker gemacht. Der erläuterte einem nicht nur den genauen Ablauf des fatalen Tages, 22.11.1963, sondern auch warum Kennedy in Dallas war (Werbung um Wahlkampfspenden), die Lebensgeschichten von Lee Harvey Oswald und Jack Ruby und auch wie Oswald nach der Tat zurück in seine Unterkunft ging, sich umzog und wohl auf dem Weg zu einem Fernbus einen Polizisten erschoss, bevor er sich in ein Kino flüchtete und dort festgenommen wurde. Der Guide erklärte auch, an welchen Stellen der Warren Report und der spätere Bericht des Untersuchungsausschusses widersprüchlich sind oder Fragen offen lassen, ohne aber eine bestimmte Verschwörungstheorie zu verfolgen. Alles sehr lehrreich, wobei man wohl den Tatverlauf nie so 100% wird klären können – zu sehr waren die verschiedenen Ermittlungsbehörden auf ihre eigenen Interessen bedacht und zu schludrig wurde mit dem Beweismaterial umgegangen.

Diese Blockhütte hat nichts mit dem Kennedy-Attentat zu tun. Hier lebte der Stadtgründer in den 1840er Jahren.
Auch der Herr Dealey, nachdem der Dealey Plaza benannt wurde, hatte nicht mit dem Attentat zu tun. Er war die treibende Kraft hinter den 100 Jahre Texas Feierlichkeiten 1936.

Aber wie der Tour Guide meinte: schlimm genug, dass der Präsident in Dallas ermordet wurde. Noch schlimmer, dass dies unmittelbar am Gründungsort und historischen Zentrum der Stadt geschah.

Das Riesenauge hat auch nix mit dem Attentat zu tun. Es war eine künstlerische Provokation in einem Streit um eine Tiefgarage.
Das JFK Memorial ist ein besonders abstrakter Cenotaph, eine Art Grabmal ohne Grab.
Die Kritiker haben es verrissen, aber es wurde von einem Freund von Jaqueline Kennedy designt und sie fand es wohl sehr angemessen. Schön im klassischen Sinne ist es jedenfalls nicht.
Plakette mit der Route der Motorcade und dem Schauplatz des Attentats.

Jetzt aber zu den eigentlichen Stätten des Attentats:

Das Texas Schoolbook Depository. Von hier aus schoss Oswald auf JFK und verletzte dabei auch den Gouverneut von Texas Connelly.
Und zwar aus dem rechten Fenster im zweitobersten Stockwerk.
Also hier (Mitte rechts)
Dort hatte er sich aus Bücherkisten einen Sichtschutz gebaut.

Im Modell sieht man die Schusslinie:

Nun gibt es seit jeher Zweifel, dass Oswald in der kurzen Zeit von 5,7 Sekunden drei (oder sogar vier) Schüsse abgeben konnte. Daher gibt es die Verschwörungstheorie, dass es einen zweiten Schützen gegeben haben könnte, mutmaßlich auf dem „Grassy Knoll“ (links unten im unteren Bild vom Modell).

Und hier der Grassy Knoll in echt. Wenn, dass stand der zweite Schütze hinter dem Bretterzaun.
Hier auch der Grassy Knoll und der Triple Underpass, durch den die Motorcade dann mit dem sterbenden Kennedy wegraste.

Weitere Perspektiven auf das Attenat:

Da, wo Doro sitzt, stand der Herr Zapruder und drehte den berühmtesten Super 8 Film der Geschichte.
Das ist die Perspektive von dem Fenster im Schoolbook Depository direkt neben dem, wo Oswald schoss. Die Bäume waren damals noch kleinet. Das X auf der Fahrbahn markiert die Stelle mit dem dritten und tödlichen Schuss.

Aber ob es nun einen zweiten Schützen gab oder nicht: dass Oswald auf JFK schoss, ist (einigermaßen) unstrittig.

Und zwar mit einem solchen italienischen Gewehr, dass er unter falschem Namen im Versandhandel erworben hatte.
Danach eilte er zu seiner Unterkunft zurück.
Die Vermieterin saß in ihrem Wohnzimmer und sah ihn rein- und schnell wieder rausgehen, nunmehr mit einer Jacke an einem warmen Tag bekleidet. Da hatte er eine Pistole eingesteckt.
Oswald wohnte in diesem winzigen Kabuff, weil er mit seiner Frau zerstritten war.
Replikas der bei Oswald sichergestellten Beweismittel.

Von der Herberg aus eilte Oswald zu Fuß wohl Richtung Bushaltestelle. Auf dem Weg wurde er von einem Polizisten angehalten, den Oswald nach kurzem Gespräch erschoss. Auch darum ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Danach versuchte er sich in einem Kino zu verstecken, aber die Kassiererin rief die Polizei, weil er nicht gezahlt hatte. Dort wurde Oswald festgenommen.

Aber zwei Tage später wurde er vom Nachtklubbesitzer Jack Ruby im Keller des Polizeigebäudes beim Transfer zum Gefängnis erschossen. Wer sich jetzt wundert, wie Ruby in den Keller kam: es waren Unmengen an Presse dort, völliges Tohuwabohu.

Bei dem gelben Garagentor geht es in den Keller.

Aber wer hätte es gedacht? Bei unserer Besichtigung von Dalls erzielten wir einen Durchbruch bei der Aufklärung des Kennedy-Attentats! Denn an allen relevanten Stellen war da ein höchst verdächtiger Kerl mit einem zerknautschten weißen Hut! Warum unternimmt das FBI nichts? Der Kerl war überall!

Am Theater, wo Oswald festgenommen wurde!
Im sechsten Obergeschoss des Schoolbook Depository!
Und sogar…
…am Grassy Knoll!
Doro hat versucht, ihn zu schnappen, aber der Typ verschwand wie von Geisterhand. Verdammt!

Leider waren wir zu hungrig, um ihn zu verfolgen. Daher sind wir in ein Barbecue-Restaurant eingekehrt.

28.03.2026 – Fort Worth Stockyards und Dinosaur Valley State Park

Fort Worth Stockyards

Weiter ging es zu den Fort Worth Stockyards. Das ist ein historischer Viehmarkt, der zu einer Touristenfalle… ähh Attraktion umgebaut wurde. Fort Worth war ein wichtiger Umschlagplatz auf dem Chisholm Trail, wo Millionen von Rindern zu den Eisenbahnen und Märkten des Nordens getrieben wurden. Vom späten 19. Jahrhundert bis Ende des 2. Weltkriegs blieben die Fort Worth Stockyards einer der größten Umschlagplätze für Rinder in den USA, mit 5 Millionen verkauften Rindern 1944.

Also historisch durchaus authentisch, mittlerweile aber sehr kommerziell. Die meisten der Betriebsgebäude wurden in Restaurants und Läden umgewandelt.

Es gibt hier auch das Billy Bob’s Texas, das größte Honky-Tonk (Musikhalle, Spielhalle, Unterhaltungszentrum) des Staates. Abends wäre da sicher viel los gewesen, das haben schon viele Größen der Rock- und Countrymusik gespielt. Die Hauptkonzerthalle war wohl für eine andere Veranstaltung bestuhlt und das Bull Riding (auf echten Bullen) gibt es wohl Sonntags.

OK. Es ist also teuer, ziemlich kommerziell und vormittags ist noch nicht viel los. Warum sind wir da also hingefahren? Es gibt eine Sache, die ist vollkommen authentisch und ziemlich spektakulär: Longhorns. Diese Rinder stammen von durch die Spanier ausgewilderten Kühen ab und vermehrten sich zu Millionen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie kommerziell genutzt. Teils mit Ranches, teils aber auch einfach, indem man wilde Rinder zusammen nach Norden trieb und dort verkaufte. Allerdings waren die Longhorns auf lange Sicht nicht die ideale Rinderrasse, eher robust als schmackhaft mit hoher Mastleistung. Heutzutage gibt es eine größere staatseigene Herde, ein paar Rancher halten sich welche zum Spaß und es gibt kleinere Herden wie eben die in Fort Worth.

Und zweimal am Tag werden ca. 20 dieser Biester von echten Cowboys die Hauptstraße entlang getrieben, bevor sie wiederkäuend in ihre Ställe zurückkehren. Hier nun die Bilder:

Dinosaur Valley State Park

Gut 1,5h Fahrt weiter südwestlich liegt der kleine Ort Glen Rose und dort in der Nähe der Dinosaur Valley State Park. Das ist nicht nur eine schöne Naturlandschaft entlang eines Flusses, sondern ein Ort, wo man die Fußstapfen von Dinosauriern im Flussbett finden kann. Dort sind wir ein wenig am Fluß entlang gewandert und einmal auch durchgewatet.

Glen Rose selbst ist ein kleines Städtchen mit 2,500 Einwohnern.

Auch hier ist ein Fußabdruck ausgestellt.
Wi der Zufall so wollte, war da gerade Straßenfest. Und überall finden sich diese bemalten Dinos, so wie Löwen in München oder Elefanten und Esel in Washington.
Auch sonst dreht sich das meiste um Dinosaurier.
Historisches Eishaus
Historischer Root Beer Float (Root Beer, Vanilleeis, Sahne und Kirsche) in einer Retro-Sodabar.

29.03.2026 – Waco, Krause Springs, Austin

Waco

Von Glen Rose ging es weiter nach Waco. Dort haben wir keinesfalls den Ort der BATF-Razzia gegen David Koresh aufgesucht, sondern vielmehr das Museum der Texas Rangers (wo auch eins ihrer regionalen Hauptquartiere ist).

Die Texas Rangers waren ursprünglich eine militärische Einheit gegen Indianer, Mexikaner, Nordstaatler und wer sonst noch Ärger machte, heute sind sie quasi das FBI oder BKA von Texas.

Das Museum ist recht beeindruckend und auch sehr ausdifferenziert, es wird nicht nur hero worship betrieben (aber schon auch).

Eine der Legenden der Texas Ranger lautet „one riot, one ranger“ also die Idee, dass ein einzelner Ranger ausreicht, um einen ganzen Aufstand niederzuschlagen. Tatsächlich war der Ursprung davon ein Witz: Ende des 19. Jahrhunderts wurde befürchtet, dass es bei einem Boxkampf zu Ausschreitungen kommen würde. Als der Ranger-Captain vor Ort erschien fragte man ihn, wo denn die anderen Ranger seien und er antwortete „wieso, bin ich denn nicht genug? Es ist doch nur ein Boxkampf“. Tatsächlich war das ein Einsatz wo das gesamte Ranger Corps für Ordnung sorgte, es waren alle da, die anderen kamen nur einen Moment später.

Buc-ee’s

Auf dem Weg nach Süden mussten wir tanken und Mittag essen, also sind wir zu einer Buc-ee’s – Tankstelle gefahren. Das ist eine Institution in Texas. Das darf man sich nicht wie eine Tankstelle vorstellen, sondern eher wie einen Ikea. Sowohl von der Größe als auch von der Vielfalt des Sortiments her. Und offensichtlich SEHR beliebt, es ging zu wie im Taubenschlag. Anscheinend fahren viele Texaner am Sonntag nicht in die Kirche, sondern zu Buc-ee’s für günstige BBW-Sandwiches, einen Gartengrill, eine neue Garderobe und alles, was man so braucht. Ich konnte einen günstigen und gut passenden Strohhut dort erwerben, der mir nun gute Dienste leistet.

Krause Springs

Doro ist großer Fan von Naturbädern, also haben wir ein solches angesteuert: Krause Springs westlich von Austin. Das Wasser war mit 19-20 Grad recht kühl, aber der Tag war sehr warm und entsprechend hat das gepasst.

Austin

Die Haupstadt von Texas ist gleichzeitig ihre traditionell liberalste und wird liebevoll „Volksrepublik Austin“ genannt. Und tatsächlich geht es hier ziemlich linksgrünversifft zu: Gehwege, Fußgängerampeln, usw. Wo soll das enden?

Auch einen Fußweg entlang eines Bach gibt es:

Was man nicht sieht, sind der Müll und die Obdachlosen, die es stellenweise da auch gibt.

Sehr präsent im Stadtbild sind die fahrerlosen Waymo-Taxis.

Einer der Gründe, warum wir nach Austin gefahren sind, ist die Fledermauskolonie unter der Congressional Avenue Bridge. Das sind über eine Million Tiere und entsprechend hat sich der Sonnenuntergang zum Treffpunkt für Schaulustige entwickelt, sowohl auf der Brücke als auch auf dem Wasser.

Einzelfotos von den Fledermäusen habe ich keine gemacht. Hier das kürzere von zwei Videos:

30.03.2026 – Austin

Texas Capitol

Austin ist (wahrscheinlich sehr zum Verdruss des erzkonservativen Gouverneurs Greg Abbot) die Hauptstadt von Texas und damit auch Sitz des Parlaments, der auch hier dem Kapitol in Washington nachempfunden ist.

In der Kuppel sind die Porträts der Gouverneure von Texas aufgehängt. Die ältesten wandern mit Neuzugängen immer weiter nach oben. Es gibt noch Platz für sechs Gouverneure, inkl. des Amtsinhabers Greg Abbott. Danach müssen sie den Staat dichtmachen oder ein neues Kapitol bauen.

Vorbildlicherweise gibt es eine kostenlose Guided Tour des Kapitols, in der man auch die Säle der Parlamentskammern sieht.

Nachdem das Gebäude in den 1980er Jahren beinahe niedergebrannt wäre, hat man es renoviert und dabei massiv mit Büroraum erweitert. Für letzteren gab es aber keinen Platz in unmittelbarer Nähe, also hat man nach unten gebaut.

Zwei Untergeschosse mit Büros, zwei mit Parkplätzen. Die Büros sind durch ein Oberlicht mit der überirdischen Welt verbunden.
Sie gruben zu tief…

Bullock Texas State History Museum

Nicht etwa benannt nach Seth Bullock, dem Marshall von Deadwood, South Dakota, sondern nach Bob Bullock (1929–1999), den Vizegouverneur von Texas und großem Fan der Geschichte des Staats. Hier wird von den Ureinwohnern bis zum Space Program die Geschichte des Staates Texas erzählt, natürlich mit einem starken Schwerpunkt auf den Unabhängigkeitskrieg und die Zeit als einzelnes, souveränes Land in den 9 Jahren danach.

Ein Buc-ee’s-Maskottchen
Ein in Texas hergestellter Ford-Pickup
Früher fuhren die Texas State Highway Patrolmen noch Harley Davidson…
…aber heute BMW.

Waymo

Austin ist auch die Pilotstadt des autonomen Fahrens. Und da wir vom Museum nicht ins Hotel zurücklatschen wollten, haben wir uns eine Fahrt mit dem Waymo geleistet. Sehr angenehm, hat prima geklappt.

Hier als Video:

Von den Tesla-Taxis ohne Lidar lasse ich aber die Finger!

Barton Springs Pool

Die Stadt Austin leistet sich ein Naturbad im Fluss, das Doro sehr angenehm fand. Die Wassertemperatur war auch prima. Mir gab es allerdings zu wenig Schatten und der Boden ist so extrem glitschig, dass man selbst mit Rafting-Sandalen keinen Schritt machen kann, ohne auszurutschen. Schön ist es aber:

Mittags waren wir Texas-Chili essen (ganz ohne Bohnen, damit mit viel Brisket) und abends in einem „Biergarten“, wo man tatsächlich sehr angenehm saß und das Essen auch lecker war.

Fledermäuse, die Zweite

Tatsächlich sind aber die Fledermäuse unter der Ann W. Richards Congress Avenue Bat Bridge das Highlight von Austin, drum waren wir heute nochmal bei Sonnenuntergang vor Ort. Und das hat sich gelohnt: gestern war der Aufbruch der Fledermäuse nach ca. 3-5 Minuten vorbei, heute sind wir nach 15 Minuten gegangen, weil es zu dunkel wurde. Jetzt kann ich echt glauben, dass da über eine Million Fledermäuse leben, der Schwarm nahm einfach kein Ende.

Der Beinahe-Vollmond macht einen schönen Hintergrund dazu.

Das gilt auch für dieses Video:

Morgen: u.a. New Braunfels

31.03.2026 – Von Austin nach New Braunfels

Lady Bird Johnson Wildflower Center

Ein bisschen südwestlich von Auston liegt das Lady Bird Johnson Wildflower Center, gegründet von und benannt nach der Ehefrau von Lyndon B. Johnson. (Lady Bird ist ein Spitzname, den sie aber offiziell machte). Hier werden die Wildpflanzen und -blumen von Texas erforscht und kultiviert, das Center setzt sich dafür ein, heimische Pflanzen im Gartenbau einzusetzen und es gibt auch eine Samenbank. Wir sind natürlich vor allem für die schönen Blumen hin.

Aber es gab nicht nur Flora, sondern auch Fauna.

Lockhart

Wieder ein Stück südlich und östlich liegt Lockhart, das Barbecue Capital of Texas. Leider kann man gar nicht so viel essen, wie man gerne möchte, ist doch arg mächtig. Wir hatten Brisket und Spareribs, beides perfekt heißgeräuchert und butterzart.

Nein, der Pitmaster links im Bild wird nicht gerade von ICE festgenommen.

Gruene (New Braungfels)

Wieder ein Stückchen südlich sind wir dann im Zentrum des deutschen Texas, wo im 19. Jahrhundert vor allem Immigranten aus Hessen siedelten. Ist natürlich lange her, aber das Erbe wird immer noch zelebriert, z.B. mit einem Wurstfest im November. Wir waren vor allem in Gruene, einem Ortsteil von New Braunfels. Dort gibt es die Gruene Hall, die älteste Tanz- und Musikhalle von Texas. Dort spielte heute Don Reilly auf, ein Sänger und Gitarrist der vor allem Lieder aus den 1970ern covert. Kein Eintrittspreis, nicht zu voll, sehr angenehm!

Zum Abendessen sind wir dann noch ins Gristmill River Restaurant & Bar direkt nebenan gegangen. Das ist mit Abstand das schönste Lokal, das mir in den USA je untergekommen ist. Riesig groß und verwinkelt, Blick auf den Fluss und keine Klimaanlage, stattdessen Ventilatoren. Da ließ es sich aushalten.

Morgen: San Antonio

01.04.2026 – San Antonio

Heute mussten wir erstmal unser Mietauto gegen ein anderes eintauschen: der Toyota Camry hatte einen bösen Sprung in der Windschutzscheibe, der zusehends breiter wurde. Wir hatten Sorge, dass wir dann irgendwann im westtexanischen Nirgendwo mit einer zerborstenen Windschutzscheibe dastehen. Also haben wir den Autovermieter kontaktiert, der uns erstaunlich schnell und unbürokratisch ein neues Auto zur Verfügung stellte, an einer Station, die weniger als 10 Minuten Fahrt entfernt war. Es ist leider ein Downgrade, wir fahren jetzt einen Kia Soul, der unserer ursprünglichen Mietwagenklasse entspricht und nicht dem effektiven Upgrade, das wir bekommen haben. Aber dafür hat er eine intakte Windschutzscheibe!

Das Alamo

Remember the Alamo! Die Schlacht um die Mission bzw. das Fort Alamo in San Antonio 1836 ist sicher die legendenumwobenste Niederlage der amerikanischen Geschichte und steht im Zentrum des Gründungsmythos von Texas. Hier verschanzten sich knapp 200 Texianer, also Rebellen gegen die mexikanische Zentralregierung unter Antonio López de Santa Anna und kämpften bis zum letzten Mann. Darunter so illustre Gestalten wie Davy Crockett und Jim Bowie. Hilfe kam keine, alle Kombattanten wurden von den zahlenmäßig extrem überlegenen Mexikanern, die horrende Verluste einstecken mussten, getötet. Nur Frauen, Kinder und zwei Sklaven überlebten. Die blutige Niederlage wurde zum Schlachtruf der letztlich erfolgreichen texianischen Revolution: Remember the Alamo. (Tatsächlich werden die Revolutionäre im US-Englisch Texianer und nicht Texaner genannt).

Soweit, so alles historisch einigermaßen korrekt. Die Legendenbildung überhöhte den Mut und die Opferbereitschaft der Revolutionäre ins Extrem und z.B. der Film mit John Wayne oder auch das Lied „Remember the Alamo“ (z.B. von Donovan!) machten historische Figuren zu Halbgöttern.

Nun muss man der Gedenkstätte Alamo lassen, dass sie das nicht tun. Es wird auch auf die Sklaverei als eins der Motive der Revolutionäre hingewiesen und alles recht nuanciert aufgearbeitet. Aber San Antonio ist ohnehin wieder eine dieser linksgrünversifften Inseln im erzkonservativen Texas. Die haben hier nicht nur Fußgängerampeln…

…sondern sogar eine Fußgängerzone rund um das Alamo! Wo soll das alles nur enden?

Leider wird sowohl an der Gedenkstätte als auch rundherum viel gebaut, was die Erfahrung etwas trübte. Hier einfach mal Bilder von der Gedenkstätte Alamo. Es sei dazu gesagt, dass die mehrfach abgebildete Kirche zwar zum Alamo gehört. aber eben nur eins der Gebäude ist. Außerdem hatte sie 1836 weder ein Dach noch die schicke Front, die man auf den Bildern sieht.

Die Long Barracks. Hier war ein Zentrum des Gemetzels, nachdem die Mexikaner die Befestigungen überwunden hatten.
Das Lazarett – nicht dass es bei dieser Schlacht genutzt wurde.
William B. Travis, der Kommandant der Texianer.
Davy Crockett, der legendäre Frontier-Held aus Tennessee, der in Texas neues finanzielles Glück suchte und nur den Tod fand.

Zur Gedenkstätte gehört auch eine umfangreiche Sammlung von historischen Artefakten aus der Schlacht bzw. der Epoche. Bizarrerweise wurden die meisten davon von Phil Collins, dem Popmusiker, gespendet. Als großer Davy Crockett Fan erwarb er die größte Sammlung an Alamo-Artefakten überhaupt, die er dann 2014 an die Gedenkstätte spendete.

Collins ist auch der Erzähler bei diesem detaillierten Diorama des Schlachtverlaufs.

Oben: ein echtes Bowie-Messer. Der tatsächlich berühmte Messerkämpfer Jim Bowie war beim Alamo und starb dort auch, kämpfen konnte er allerdings nicht, er war schwer krank.
Und weil das Licht mittags nicht gut war, sind wir zu Sonnenuntergang nochmal hin. Zur Kirche kommt man jederzeit, das restliche Gelände ist abends abgesperrt.

Mutmaßlich wäre es ein lukratives Geschäftsmodell, einen Alamo-Theme Park zu bauen. Mit einer Rekonstruktion des Forts, wie die Leute es sich vorstellen und einer rein legendenbasierenden Darstellung der Schlacht. Würde sich bestimmt gut verkaufen.

San Antonio Riverwalk

Durch die Stadt San Antonio fließt der gleichnamige Fluss mit einer ausgiebigen Schlaufe. Diese hat man zur Bourbon Street von San Antonio ausgebaut, dem Riverwalk voller Lokale, wo man sogar mit Alkohol in offenen Containern flanieren kann. Wir haben mittags eine Bootstour gemacht und sind dann abends zum Sundowner und Abendessen nochmal zurückgekehrt. Ohne den Fluss wäre es nichts anderes als Bourbon oder Beale Street, aber der Fluss macht es doch sehr schick.

Elote, also Mexican Street Corn am Kolben.
Die Bar, wo wir unseren Sundowner eingenommen haben.

Mittags waren wir bei Schilo’s Delicatessen, dem ältesten und wie man sieht ziemlich deutschstämmigen Restaurant der Stadt:

Historic Market Square

Unser Hotel war etwas westlich des Riverwalk, aber immerhin in Laufweite. Direkt gegenüber ist aber der Historic Market Square, das ist eine Markthalle.

Leider eine mit hauptsächlich fraglichen Souvenirs.
Draußen sieht es aber ganz nett aus…
…und ich habe einen neuen Freund gefunden.

Morgen: noch ein bisschen mehr San Antonio, dann Aufbruch nach Westen.