27.03.2026 – Dallas

Warum fährt man nach Dallas? OK, es gibt zwei potentielle Gründe. Entweder die Fernsehserie aus den 1980er Jahren, an die Doro sich aber nur wenig erinnert und die ich nie wirklich gesehen habe. Es gäbe immerhin durchaus die Southfork Ranch anzusehen. Aber für uns war vor allem das Kennedy-Attentat Grund für den Abstecher nach Dallas. Heutzutage gibt es da Touren und die gesamte Innenstadt ist als historisches Ensemble geschützt, so dass man sich wirklich ansehen kann, wo die Tragödie passierte.

Das war nicht immer so: in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Attentat wollte die Stadt Dallas so schnell wie möglich vergessen, was passiert war und teilweise leugneten die Leute aus Dallas auch ihre Herkunft, weil sie z.T. angefeindet wurden. Es gab sogar Pläne, die gesamte Innenstadt abzureißen und neu zu entwickeln, aber dafür fehlte das Geld. Und später setzte ein Sinneswandel ein und man hat sich für den Schutz der historischen Städten entschieden.

Wir haben eine sehr interessante, dreistündige Tour mit einem lokalen Historiker gemacht. Der erläuterte einem nicht nur den genauen Ablauf des fatalen Tages, 22.11.1963, sondern auch warum Kennedy in Dallas war (Werbung um Wahlkampfspenden), die Lebensgeschichten von Lee Harvey Oswald und Jack Ruby und auch wie Oswald nach der Tat zurück in seine Unterkunft ging, sich umzog und wohl auf dem Weg zu einem Fernbus einen Polizisten erschoss, bevor er sich in ein Kino flüchtete und dort festgenommen wurde. Der Guide erklärte auch, an welchen Stellen der Warren Report und der spätere Bericht des Untersuchungsausschusses widersprüchlich sind oder Fragen offen lassen, ohne aber eine bestimmte Verschwörungstheorie zu verfolgen. Alles sehr lehrreich, wobei man wohl den Tatverlauf nie so 100% wird klären können – zu sehr waren die verschiedenen Ermittlungsbehörden auf ihre eigenen Interessen bedacht und zu schludrig wurde mit dem Beweismaterial umgegangen.

Diese Blockhütte hat nichts mit dem Kennedy-Attentat zu tun. Hier lebte der Stadtgründer in den 1840er Jahren.
Auch der Herr Dealey, nachdem der Dealey Plaza benannt wurde, hatte nicht mit dem Attentat zu tun. Er war die treibende Kraft hinter den 100 Jahre Texas Feierlichkeiten 1936.

Aber wie der Tour Guide meinte: schlimm genug, dass der Präsident in Dallas ermordet wurde. Noch schlimmer, dass dies unmittelbar am Gründungsort und historischen Zentrum der Stadt geschah.

Das Riesenauge hat auch nix mit dem Attentat zu tun. Es war eine künstlerische Provokation in einem Streit um eine Tiefgarage.
Das JFK Memorial ist ein besonders abstrakter Cenotaph, eine Art Grabmal ohne Grab.
Die Kritiker haben es verrissen, aber es wurde von einem Freund von Jaqueline Kennedy designt und sie fand es wohl sehr angemessen. Schön im klassischen Sinne ist es jedenfalls nicht.
Plakette mit der Route der Motorcade und dem Schauplatz des Attentats.

Jetzt aber zu den eigentlichen Stätten des Attentats:

Das Texas Schoolbook Depository. Von hier aus schoss Oswald auf JFK und verletzte dabei auch den Gouverneut von Texas Connelly.
Und zwar aus dem rechten Fenster im zweitobersten Stockwerk.
Also hier (Mitte rechts)
Dort hatte er sich aus Bücherkisten einen Sichtschutz gebaut.

Im Modell sieht man die Schusslinie:

Nun gibt es seit jeher Zweifel, dass Oswald in der kurzen Zeit von 5,7 Sekunden drei (oder sogar vier) Schüsse abgeben konnte. Daher gibt es die Verschwörungstheorie, dass es einen zweiten Schützen gegeben haben könnte, mutmaßlich auf dem „Grassy Knoll“ (links unten im unteren Bild vom Modell).

Und hier der Grassy Knoll in echt. Wenn, dass stand der zweite Schütze hinter dem Bretterzaun.
Hier auch der Grassy Knoll und der Triple Underpass, durch den die Motorcade dann mit dem sterbenden Kennedy wegraste.

Weitere Perspektiven auf das Attenat:

Da, wo Doro sitzt, stand der Herr Zapruder und drehte den berühmtesten Super 8 Film der Geschichte.
Das ist die Perspektive von dem Fenster im Schoolbook Depository direkt neben dem, wo Oswald schoss. Die Bäume waren damals noch kleinet. Das X auf der Fahrbahn markiert die Stelle mit dem dritten und tödlichen Schuss.

Aber ob es nun einen zweiten Schützen gab oder nicht: dass Oswald auf JFK schoss, ist (einigermaßen) unstrittig.

Und zwar mit einem solchen italienischen Gewehr, dass er unter falschem Namen im Versandhandel erworben hatte.
Danach eilte er zu seiner Unterkunft zurück.
Die Vermieterin saß in ihrem Wohnzimmer und sah ihn rein- und schnell wieder rausgehen, nunmehr mit einer Jacke an einem warmen Tag bekleidet. Da hatte er eine Pistole eingesteckt.
Oswald wohnte in diesem winzigen Kabuff, weil er mit seiner Frau zerstritten war.
Replikas der bei Oswald sichergestellten Beweismittel.

Von der Herberg aus eilte Oswald zu Fuß wohl Richtung Bushaltestelle. Auf dem Weg wurde er von einem Polizisten angehalten, den Oswald nach kurzem Gespräch erschoss. Auch darum ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Danach versuchte er sich in einem Kino zu verstecken, aber die Kassiererin rief die Polizei, weil er nicht gezahlt hatte. Dort wurde Oswald festgenommen.

Aber zwei Tage später wurde er vom Nachtklubbesitzer Jack Ruby im Keller des Polizeigebäudes beim Transfer zum Gefängnis erschossen. Wer sich jetzt wundert, wie Ruby in den Keller kam: es waren Unmengen an Presse dort, völliges Tohuwabohu.

Bei dem gelben Garagentor geht es in den Keller.

Aber wer hätte es gedacht? Bei unserer Besichtigung von Dalls erzielten wir einen Durchbruch bei der Aufklärung des Kennedy-Attentats! Denn an allen relevanten Stellen war da ein höchst verdächtiger Kerl mit einem zerknautschten weißen Hut! Warum unternimmt das FBI nichts? Der Kerl war überall!

Am Theater, wo Oswald festgenommen wurde!
Im sechsten Obergeschoss des Schoolbook Depository!
Und sogar…
…am Grassy Knoll!
Doro hat versucht, ihn zu schnappen, aber der Typ verschwand wie von Geisterhand. Verdammt!

Leider waren wir zu hungrig, um ihn zu verfolgen. Daher sind wir in ein Barbecue-Restaurant eingekehrt.

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