28.12.2019: Delphi

Delphi war in seinen Blütezeiten quasi das religiöse Zentrum Griechenland, wo die verschiedenen Poleis regelmäßig Zeremonien abhielten und das berühmte Orakel um Rat fragten, das wiederum (über den Umweg der Apollo-Priester, welche die Orakelsprüche interpretierten) die politischen Geschicke Griechenlands mitlenkten.

Und weil Delphi hoch droben in den Bergen ist, bewahrten die Poleis ihre Votivgaben in sog. Schatzhäusern vor Ort auf, damit sie sie nicht jedesmal mitschleppen mussten. Dass Delphi in den Bergen ist, kann ich jetzt persönlich bestätigen: knapp 2,5 Stunden (einfache) Autofahrt von Athen, die letzten 70 km ziemliches Herumgurken.

Überall in Reiseführern etc. steht auch, dass das letzte Dorf vor Delphi, Arachova, super hübsch und malerisch ist. Das mag schon stimmen, was sie aber nicht sagen: es ist entsetzlich eng und überlaufen und man muss da durch! Die Hauptstraße ist ca. 1,7 Autos breit, muss aber in beide Richtungen befahren werden und dazwischen quetschen sich hunderte Fußgänger, die quasi keinen Gehweg haben. Drum habe ich da auch keine Fotos gemacht, es gab schlicht keine Möglichkeit anzuhalten, die Autos parkten am Straßenrand ca. 2-3 km außerhalb des Dorfes. Wie es hier im Sommer zugeht, will ich gar nicht wissen!

In Delphi (bzw. vor Delphi, wo Museum und Ausgrabungsstätte sind) ist es ein klein bisschen besser, das hatte aber auch damit zu tun, dass ich Punkt 8.30 zur Öffnung da war – logischerweise war da noch nicht viel los. Nun aber zu den Bildern.

Die Anlage von Delphi von unten gesehen. Die Säulen ziemlich mittig-rechts sind die Reste des großen Apollontempels. Mittig-links (halb von Büschen verdeckt) das Schatzhaus der Athener.
So sah das ganze wohl zur Blütezeit aus.
Ein Omphalos. Der eigentliche heilige Stein markierte das Zentrum der Welt, ist aber verschwunden. Dieser hier ist eine von vielen Kopien, die in der Ausgrabungsstätte gefunden wurden.
Das Schatzhaus der Athener, die am besten erhaltene Struktur der Anlage, aus einiger Entfernung…
…und aus der Nähe.
Verschiedene Perspektiven…
…auf den Apollontempel.
Aussicht von direkt überhalb des Apollontempels. Man beachte die Sonnenstrahlen, die durch die aufbrechenden Wolken durchstechen. Apollon erwacht!
Das Amphitheater, ganz oben.
Jetzt schon außerhalb der Anlage: Die kastalische Quellen (da wo das Fenster im Fels ist). Man kann nicht mehr hingehen, Steinschlaggefahr.
Das antike Gymnasion, sprich der Sportplatz von Delphi. Ganz ohne Zentralabitur.
Der Tempel der Athena Pronaia („vor dem Tempel“, d.h. hier kamen Pilger vorbei, bevor sie zum Apollontempel und zum Orakel kamen.
Blick vom Athena Pronaia Tempel zur Delphi-Anlage.

Jetzt folgen Bilder aus dem Museum, wo man alle empfindlichen oder kostbaren Funde hingebracht hat.

Giebelfresko eines der Schatzhäuser (vergessen welches).
Auch aus einem Schatzhaus: der Kampf der Götter gegen die Giganten.
Ebenfalls aus einem Schatzhaus.
Lange Zeit war unklar, ob die historischen Berichte über den Reichtum Delphis stimmten, schließlich lag kein Gold mehr herum. Bis man dann Gruben mit Gegenständen fand, die wohl 480 V.Chr. beim Erdbeben verschüttet wurden.
Die Tänzerinnen von Delphi, eine wohl von den Athenern gestiftete Säule.
Die Zwillinge Kleobis und Biton. Die sind zeimlich alt (wohl 580 v. Chr.) und ich finde ziemlich ägyptisch angehaucht.
In Delphi hatten sie noch richtige Sphingen und mussten nicht (wie heute bei der Akropolis) mit verwilderten Katzen vorlieb nehmen.
Die Reste des Giebels des Apollotempels. Das war wohl ein von vier Pferden gezogener Streitwagen mit Apollo obendrauf.
Mehr Statuen. Die standen früher da einfach noch so rum, bis die Archäologen sie eingesammelt haben.
Lange vor Michelangelo.
Selbst als nicht-Archäologe erkannte ich mittlerweile diesen Antinoos: Statuen von seinem toten Lover hat der römische Kaiser Hadrian überall in der römischen Welt hinterlassen.
Das Prunkstück der Sammlung, natürlich im letzten Saal des Museums: der Wagenlenker von Delphi, ca. 478 v. Chr., die besterhaltene Bronzestatue der griechischen Antike. Die konnten schon was, die alten Griechen…
Nochmal der Wagenlenker.
Erstaunlicherweise sind sogar die Augen erhalten.
Und so sah wohl mal das ganze Ding aus.

Nachdem ich gestern knapp fünf Stunden im Auto saß und in Delphi den Berg hoch- und runtergestapft bin, lasse ich es heute mal ruhig angehen.

2 Gedanken zu „28.12.2019: Delphi“

  1. Oh wow! 🙂 Oh Delphi! So schön! Und der Wagenlenker! Und der Antinoos! An den hatte ich gar nicht mehr gedacht! Wir sind damals mit dem Bus gekommen, auch ganz in der Frühe. Otsukaresama!!! War es eigentlich kalt?

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