23.12.2019: Akropolis und Agora

Bin gestern gut in Athen angekommen und habe mich heute in aller Früh auf zum Sightseeing gemacht. Die Akropolis (in deren Nähe mein Apartment ist) öffnet um 8.00 Uhr. Ich brauchte ca. eine viertel Stunde zum Eingang: es ist recht steil, das Ding heißt nicht umsonst „hohe Stadt“, war aber pünktlich da. Und das war auch gut so, denn ich hatte die historische Tempelburg so zwar nicht für mich allein, musste sie aber nur mit einer Handvoll anderer Individualtouristen teilen. Die chinesische Reisegruppe und die Schulklassen (?, vielleicht eine reisende Jugendgruppe) kamen später, das war ich schon wieder auf dem Weg nach drunten.

Die Akropolis liegt, wie man hie ganz gut sieht, auf einem Tafelberg inmitten Athens. Diese Bild ist von der Nordseite aus fotografiert, ich kam zuerst aber von Süden.

In jedem Fall gilt: man muss nach oben! Der Haupteingang führt über die Propyläen, den „Vorhof“ bzw. das Tor zur Akropolis.

Da heißt es klettern…
…klettern…
…klettern, als wöre man bei Kung Fu Panda. Meine alten Feinde: Treppen!
So sieht es dann aus, wenn man oben ist und sich zu den Propyläen wieder umdreht.

Die Akropolis ist eine aktive archäologische Ausgrabungs- und Baustelle, d.h. es gibt Gerüste, Krane, herumfahrende Baumaschinen, war aber nicht allzu schlimm.

Kleiner historische Exkurs (nicht, dass ich viel Ahnung von alter Geschichte hätte): Die Akropolis, wie man sie heute sieht ist vor allem das Ergebnis historischer Zerstörungen. 480 v. Chr. machten die Perser alles platt, 87 v. Chr. brandschatzten die Römer Athen und 267 n. Chr. plünderten die germanischen Heruler die Stadt. Im 17. Jahrhundert lagerten dies Osmanen Schwarzpulver im Parthenon, die Venezianer schossen einen Kanonenkugel rein, kabumm! 1803 klauten die Briten die schönsten Fresken und Statuen, die sie bis heute im britischen Museum horten. Die Nazis waren zur Abwechslung mal vergleichsweise harmlos und hissten „nur“ eine Hakenkreuzflagge auf der Akropolis – dafür hungerten sie die Athener aus, was Abertausende Menschenleben kosteten.

Dennoch sind die verbliebenen Gebäude meistens aus der Blütezeit Athens nach dem Sieg über die Perser Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts und der zwischenzeitlichen Vorherrschaft in Griechenland.

Dies hier ist zum Beispiel die Flanke des „alten“ Athenetempels (die Tempel sind fast alle verschiedenen Aspekten der Athene geweiht). Man beachte den Regenbogen im Hintergrund!
Hier nochmal der Regenbogen und ein Ausblick nach Norden.
Derselbe Athenetempel von vorne.
Aber vor allem denkt man bei der Akropolis natürlich an den Parthenon, ebenfalls ein Athenetempel und möglicherweise das einflussreichste Gebäude der westlichen Architekturgeschichte.
Diese Version sollte ich vielleicht der griechischen Armee für Propagandazwecke verkaufen.
Noch mehr…
…Bilder vom Parthenon. Zu dieser Zeit hat das Wetter noch richtig gut mitgespielt.

Am Südhang der Akropolis gibt es noch ein paar weitere Gebäude.

Z.B. das Odeon des Herodes Atticus. Ein Neubau aus der Römerzeit, aber das war immerhin mal ein riesiges, komplett überdachtes Theater!
Das Dionysos-Theater ist hingegen viel älter und Freiluft – quasi die Wiege des griechischen Dramas. Nur ein kleiner Teil der Sitzfläche ist restauriert, da wo ich mit dem Foto stand waren früher auch Sitzplätze.
Das weiße Tor in der Felswand ist der Eingang zu einer (nicht mehr aktiven) Marienkirche. Ursprünglich war sie ein Dionysos-Heiligtum.
Wie einst die Ägypter lassen auch die Griechen ihre Kulturschätze von löwenartigen Fabelwesen bewachen. Überhaupt gibt es viele verwilderte Katzen in Athen.
Hier noch ein Ausblick auf dem Weg nach unten.

Ganz in der Nähe der Akropolis haben die Griechen das Akropolis-Museum gebaut, mit Fundstücken insbesondere von der 480 v. Chr. von den Persern zerstörten archaischen Akropolis. Die Bruchstücke wurden nämlich von den Athenern in Gruben „begraben“, sehr zur Freude der Archäologen, die dort sogar noch die farbige Bemalung der alten Statuen sehen konnten.

Vor allem aber dient das Museum zur Mahnung an die Briten: der oberste Stock ist so designt, dass er die Fresken aus dem Parthenon perfekt und in korrekten Dimensionen aufnehmen könnte, doch die Fresken hängen fast alle in London, so dass man sich in Athen mit deutlich gekennzeichneten Nachbildungen behelfen muss. Angesichts des Brexit scheint eine Rückgabe leider immer unwahrscheinlicher…

Die Regeln zur Fotografie sind im Museum etwas intransparent: an manchen Stellen darf man fotografieren, an anderen nicht. Hier daher nur ein paar wenige Exponate:

Diese Bronze ist extrem alt, ca. 800 v.Chr. und dafür schon extrem kunstvoll.
Hier sieht man, warum es durchaus Sinn macht, Eulen nach Athen zu tragen: sie werden nämlich immer wieder von Schlangen gefressen!
Diese Karyatiden (Säulen in Frauenform) gehören zu den berühmtesten Exponaten des Museums.

Vom Akropolismuseum bin ich zur römischen und dann zur klassischen Agora gelaufen. Dabei muss man auf die Nordseite des Akropolishügels und dafür wiederum entweder durch die Altstadt Plaka, die mir viel zu touristisch und überlaufen ist oder (wie ich) entlang des Hanges durch teils bizarr heruntergekommene Minigassen mit Gebäuden, die wirken als wären sie von Autonomen besetzt (was in Athen durchaus möglich ist).

Die römische Agora (erbaut ab 19 v. Chr.) war vor allem ein Marktplatz, denn für öffentliche Reden und demokratische Versammlungen brauchte man in der Römerzeit keinen Platz. Leider sind die verschiedenen Stoen (Säulenhallen) nur sehr bruchstückhaft erhalten, daher hier nur die beiden sichtbarsten Gebäude(-reste):

Das Tor der römischen Agora…
…und der sogenannte „Turm der Winde“ – eigentlich vor allem ein Uhrenturm mit Sonnenuhren außen und einer Wasseruhr innen. An jeder der acht Seiten ist einer der mythologischen Winde dargestellt. Wie man sieht, war es zu dieser Uhrzeit schon verhangen und regnerisch.

Letzter Programmpunkt war die griechische Agora, wo ab dem 6. Jahrhundert vor Christus das Zentrum des politischen und intellektuellen Athens war. Hier tagte der Rat, hier wurden die Abstimmungen der Athener Demokratie getätigt, hier philosophierte Sokrates. Leider sind auch hier von den Stoen nur bodennahe Steine (und ein Nachbau aus den 1950ern) zu sehen, bis auf ein erstaunlich gut erhaltenes antikes Gebäude:

..den Tempel des Hephaistos. Macht aber Sinn, dass der Tempel des Gottes des Handwerks die Zeiten am besten überdauert hat.
Weitere…
…Ansichten…
…des Hephaistos-Tempels.
Die restliche Agora muss man sich eher so vorstellen, eben sehr archäologisch.

Zu guter letzt noch eine neuzeitliche Ruine, direkt gegenüber von meinem Apartment gelegen. Aber keine Sorge, die Gegend ist eigentlich sehr hübsch, mit viele Orangenbäumen, und vollkommen sicher.

Wer gute Augen hat findet die Wachkatze!

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