25.12.2019: Food Tour und Walking Tour

Gestern Abend stand eine Food Tour auf dem Programm, in dem die Führerin mich und zwei weitere Gäste (Korean Americans aus Florida) durch die Stadt und drei Lokale führte.

Treffpunkt war der zentral Syntagma-Platz (Verfassungsplatz) zu Füßen des Parlaments. Dort finden normalerweise Demonstrationen statt, derzeit aber nur ein Weihnachtsmarkt.
Am Anfang stand eine Weinprobe nahe der Agora. Auch der griechische Wein schmeckt nicht mehr wie bei Udo Jürgens. Das hier ist die Platte mit Wurst, Käse und Früchten als Amuse Geule.

Das eigentliche Abendessen fand in einem Lokal statt, das traditionelle griechische Gerichte teils mit einem modernen Twist versieht.

So machten sie den Koriatiki „griechischer Salat“ mit Cherrytomaten. Das mache ich übrigens selbst auch so, aber hauptsächlich weil man in Deutschland keine vernünftigen Tomaten herbekommt. Schmeckte jedenfalls sehr gut.
Vier Vorspeisen-Cremes. Von links unten im Uhrzeigersinn: Tsatziki, Tirokafteri (Fetacreme mit Paprika); Taramas (das beste, das ich bisher gegessen haben) und Hummus. Der Hummus gehört nicht in die griechische Küche, das ist der moderne Twist.
Hier ist mir der Name entfallen: ein spezieller Käse in einem Filoteig frittiert mit einer Sauce aus Joghurt und Thymian-Tomatencreme. Sehr lecker.
Dolmades, gefüllte Weinblätter.
Giuvetsi: Rinderragout mit Tomaten, in denen am Schluss Kritharaki (Reisnudeln) gegart werden. Auch sehr gut.

Mit vielen der Gerichte ist man dann doch auch aus Deutschlands griechischen Lokalen vertraut – auch Pastichio und Moussake sind allgegenwärtig. Nur die in Deutschland allgegenwärtigen gemischten Grillplatten sucht man vergebens.

Heute, am 25.12. ist fast alles geschlossen und der Verkehr ist minimal. Dennoch fand tatsächlich eine free walking tour statt, sogar mit sovielen Teilnehmern, dass wir in drei Gruppen gesplittet wurden. Dabei habe ich ein paar Sachen nochmal gesehen (diesmal aber mit Kommentar) und auch ein paar neue Sachen.

Getroffen haben wir uns am Hadriansbogen beim Zeustempel.
Das Zappeion ist nach dem wichtigsten griechischen Kulturträger der Moderne benannt: Frank Zappa. Aber im Ernst, es geht um Evangelos Zappas, der die Olympischen Spiele in Griechenland ab 1859 wiederbelebte. Coubertin machte 1896 dann internationale Spiel draus.
Glücklicherweise hatte man ein Stadion zur Hand: das Panathainaiko-Stadion, das eigentlich aus Römerzeiten stammte aber nach Ausgrabungen im 19. Jahrhundert so gut in Schuss war, dass man es reaktivierte. Hier endete auch der ursprüngliche Marathonlauf (bevor es das Stadion in dieser Form gab) nach der Schlacht von Marathon. Übrigens: der Läufer Pheidippides überlebte den Lauf nicht, das sollten Sportenthusiasten bedenken!
Die Wachablösung vor dem Parlament. Und ja, die machen so einen komischen Pferdeschritt (nicht im Bild). Schuld ist der bayerische Import-König Otto: Kein Geld für Pferde, also bekamen die Soldaten Hufeisen an die Schuhe und musst einen seltsamen Schritt lernen, damit sie klangen wie Pferde. Den König haben sie letztlich abgesägt, aber der Schritt blieb erhalten…
Eine winzige orthodoxe Kirche direkt neben der (modernen und langweiligen) Kathedrale, Die teils aus heidnischen Tempeln recycelten Friese zeigen auch nackte Männer – man machte dann einfach ein paar Kreuze daneben, um es zu „entschärfen“.
Die Hadriansbibliothek, eine weitere archäologische Ausgrabungsstätte, auch hier aus der Römerzeit. Hadrian baute nicht nur in Britannien Mauern sondern auch viele tolle Gebäude in Athen.

Der letzte Teil der Tour ging durch das Anafiotika-Viertel am Osthang der Akropolis. Da bin ich am Montag schon durch, war aber so bass erstaunt ob des schieren Chaos, dass ich keine Fotos geschossen habe. Anafiotika entstand als Schwarzbauten im 19. Jahrhundert unter König Otto: dieser heuerte Bauarbeiter von den Kykladen an, um seinen Palast zu bauen (heute das Parlament). Die bauten dann nachts an eigentlich verbotener Stelle Häuser für sich selbst, die aussahen wie eben von den Kykladen-Inseln. Heute wirkt das Viertel wie eine Art Mischung aus Ruinen, Street Art, linksbewegter Kommune und einigen teuer hergerichteten AirBnBs. Die Bilder sprechen für sich selbst.

Den Rest des Tages lass es ruhig angehen, Museen und archäologische Stätten sind eh alle zu. Morgen, am zweiten Weihnachtsfeiertag auch, da mache ich bestenfalls einen Spaziergang.

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