01.04.2026 – San Antonio

Heute mussten wir erstmal unser Mietauto gegen ein anderes eintauschen: der Toyota Camry hatte einen bösen Sprung in der Windschutzscheibe, der zusehends breiter wurde. Wir hatten Sorge, dass wir dann irgendwann im westtexanischen Nirgendwo mit einer zerborstenen Windschutzscheibe dastehen. Also haben wir den Autovermieter kontaktiert, der uns erstaunlich schnell und unbürokratisch ein neues Auto zur Verfügung stellte, an einer Station, die weniger als 10 Minuten Fahrt entfernt war. Es ist leider ein Downgrade, wir fahren jetzt einen Kia Soul, der unserer ursprünglichen Mietwagenklasse entspricht und nicht dem effektiven Upgrade, das wir bekommen haben. Aber dafür hat er eine intakte Windschutzscheibe!

Das Alamo

Remember the Alamo! Die Schlacht um die Mission bzw. das Fort Alamo in San Antonio 1836 ist sicher die legendenumwobenste Niederlage der amerikanischen Geschichte und steht im Zentrum des Gründungsmythos von Texas. Hier verschanzten sich knapp 200 Texianer, also Rebellen gegen die mexikanische Zentralregierung unter Antonio López de Santa Anna und kämpften bis zum letzten Mann. Darunter so illustre Gestalten wie Davy Crockett und Jim Bowie. Hilfe kam keine, alle Kombattanten wurden von den zahlenmäßig extrem überlegenen Mexikanern, die horrende Verluste einstecken mussten, getötet. Nur Frauen, Kinder und zwei Sklaven überlebten. Die blutige Niederlage wurde zum Schlachtruf der letztlich erfolgreichen texianischen Revolution: Remember the Alamo. (Tatsächlich werden die Revolutionäre im US-Englisch Texianer und nicht Texaner genannt).

Soweit, so alles historisch einigermaßen korrekt. Die Legendenbildung überhöhte den Mut und die Opferbereitschaft der Revolutionäre ins Extrem und z.B. der Film mit John Wayne oder auch das Lied „Remember the Alamo“ (z.B. von Donovan!) machten historische Figuren zu Halbgöttern.

Nun muss man der Gedenkstätte Alamo lassen, dass sie das nicht tun. Es wird auch auf die Sklaverei als eins der Motive der Revolutionäre hingewiesen und alles recht nuanciert aufgearbeitet. Aber San Antonio ist ohnehin wieder eine dieser linksgrünversifften Inseln im erzkonservativen Texas. Die haben hier nicht nur Fußgängerampeln…

…sondern sogar eine Fußgängerzone rund um das Alamo! Wo soll das alles nur enden?

Leider wird sowohl an der Gedenkstätte als auch rundherum viel gebaut, was die Erfahrung etwas trübte. Hier einfach mal Bilder von der Gedenkstätte Alamo. Es sei dazu gesagt, dass die mehrfach abgebildete Kirche zwar zum Alamo gehört. aber eben nur eins der Gebäude ist. Außerdem hatte sie 1836 weder ein Dach noch die schicke Front, die man auf den Bildern sieht.

Die Long Barracks. Hier war ein Zentrum des Gemetzels, nachdem die Mexikaner die Befestigungen überwunden hatten.
Das Lazarett – nicht dass es bei dieser Schlacht genutzt wurde.
William B. Travis, der Kommandant der Texianer.
Davy Crockett, der legendäre Frontier-Held aus Tennessee, der in Texas neues finanzielles Glück suchte und nur den Tod fand.

Zur Gedenkstätte gehört auch eine umfangreiche Sammlung von historischen Artefakten aus der Schlacht bzw. der Epoche. Bizarrerweise wurden die meisten davon von Phil Collins, dem Popmusiker, gespendet. Als großer Davy Crockett Fan erwarb er die größte Sammlung an Alamo-Artefakten überhaupt, die er dann 2014 an die Gedenkstätte spendete.

Collins ist auch der Erzähler bei diesem detaillierten Diorama des Schlachtverlaufs.

Oben: ein echtes Bowie-Messer. Der tatsächlich berühmte Messerkämpfer Jim Bowie war beim Alamo und starb dort auch, kämpfen konnte er allerdings nicht, er war schwer krank.
Und weil das Licht mittags nicht gut war, sind wir zu Sonnenuntergang nochmal hin. Zur Kirche kommt man jederzeit, das restliche Gelände ist abends abgesperrt.

Mutmaßlich wäre es ein lukratives Geschäftsmodell, einen Alamo-Theme Park zu bauen. Mit einer Rekonstruktion des Forts, wie die Leute es sich vorstellen und einer rein legendenbasierenden Darstellung der Schlacht. Würde sich bestimmt gut verkaufen.

San Antonio Riverwalk

Durch die Stadt San Antonio fließt der gleichnamige Fluss mit einer ausgiebigen Schlaufe. Diese hat man zur Bourbon Street von San Antonio ausgebaut, dem Riverwalk voller Lokale, wo man sogar mit Alkohol in offenen Containern flanieren kann. Wir haben mittags eine Bootstour gemacht und sind dann abends zum Sundowner und Abendessen nochmal zurückgekehrt. Ohne den Fluss wäre es nichts anderes als Bourbon oder Beale Street, aber der Fluss macht es doch sehr schick.

Elote, also Mexican Street Corn am Kolben.
Die Bar, wo wir unseren Sundowner eingenommen haben.

Mittags waren wir bei Schilo’s Delicatessen, dem ältesten und wie man sieht ziemlich deutschstämmigen Restaurant der Stadt:

Historic Market Square

Unser Hotel war etwas westlich des Riverwalk, aber immerhin in Laufweite. Direkt gegenüber ist aber der Historic Market Square, das ist eine Markthalle.

Leider eine mit hauptsächlich fraglichen Souvenirs.
Draußen sieht es aber ganz nett aus…
…und ich habe einen neuen Freund gefunden.

Morgen: noch ein bisschen mehr San Antonio, dann Aufbruch nach Westen.

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