30.12.2025 – Kobe, Arima Onsen, Dotonbori

Kobe

Kobe ist so nah an Osaka, dass es sich gar nicht lohnt, den Shinkansen zu nehmen, denn dafür müsste man nach Shin-Osaka fahren und der „alte“ Bahnhof Osaka mit dem Regionalzug ist deutlich näher.

Kitanocho bzw. Ijinkan-gai

Gerne wäre ich Kobe in das Erdbebenmuseum gegangen, aber das hat sich leider schon in die Neujahrspause verabschiedet. Stattdessen bin ich nach Kitanocho gepilgert. Dort siedelten sich nach der erzwungen Öffnung Japan 1854 europäische Händler an. Sie bauten ihre Häuser an den Hang eines Berges – mutmaßlich wegen der besseren Luft und Aussicht. Die Gegend wurde dann als Ijinkan-gai, die Foreigner Houses bekannt und ist heutzutage eine der Sehenswürdigkeiten von Kobe. Ich zeige die Bilder mal relativ unkommentiert:

Kobe Beef

Aber eigentlich war ich in Kobe, um dort das berühmte Kobe Beef zu essen. Das ist strikt reguliert und ziemlich teuer, aber eben von höchster Qualität. In Kobe gibt es eine Anzahl von Restaurants, die Kobe Beef servieren, aber für fast alle braucht man eine (nicht einfach zu bekommende) Reservierung. Also bin ich ins Steakland gegangen – eins der touristischsten Kobe Beef Restaurants, aber man braucht keine Reservierung und das Fleisch ist echt.

Leider war ich nicht der einzige mit dieser Idee. Obwohl ich nur ca. 15 Minuten nach Öffnung um 11.00 Uhr da war war schon eine ziemlich lange Schlange. Man musste eine Nummer ziehen und dann warten, in einer Art extrem chaotischen Vorhölle. Fühlte sich aber länger an, als es war, ca. 30 Minuten. Es werden dann immer Gruppen von sieben Gästen zusammengestellt und an einen Teppanyaki-Tisch geführt. Man kann aus verschiedenen Menüs mit unterschiedlichen Fleischgrößen und -qualitäten auswählen, dann geht es los.

Verschiedene Vorspeisen und Beilagen
gerösteter Knoblauch
verschiedenes Gemüse und Konnyaku
Meet the beef. Leider nicht alles für mich.
Gegrillt…
…geschnitten…
…serviert!

Schmeckt tatsächlich so wie erwartet: zergeht auf der Zunge und hat einen intensiven, aber feinen Rindfleischgeschmack. Wenn das Anstehen nicht wäre, würde ich nochmal hinfahren. Denn der Preis von €46,- inkl. Beilagen ist jetzt nicht abschreckend, dafür kriege ich in Deutschland im Steakhaus nicht annähernd diese Qualität.

Arima Onsen

Nun gehört zum Stadtgebiet von Kobe auch ein Onsen-Städtchen namens Arima, erreichbar mit dem Vorstadtzug in ca. 30 Minuten. Wer mich kennt, weiß, dass ich da hin musste. Leider ging es da ähnlich rund wie im Steakhaus. In das eigentlich angestrebte Bad (ein Luxus-Spa mit Restaurants u.a.) bin ich gar nicht reingekommen bzw. ich hatte keine Lust, mehr als eine Stunde auf Einlass zu warten. Dafür bin ich dann ins Kin no Yu, das „goldene“ Bad, wo man in dem Wasser von einer der beiden heißen Quellen von Arima baden kann. (Die andere Quelle wäre im Gin no Yu, dem „silbernen“ Bad). Auch hier musst ich anstehen, aber nur ca. 10 Minuten, das ist OK.

Zurück nach Osaka bin ich dann mit dem Shinkansen gefahren, weil der Shinkansen-Bahnhof Shin-Kobe näher an Arima Onsen ist als der Regionalbahnhof. Und weil ich kann, schließlich muss ich meinen Regionalpass nutzen. Das Irre an den Shinkansen ist: die fahren auf dieser Strecke (die zur Hauptstrecke zwischen Tokio und Hakata gehört) wirklich alle paar Minuten. Um 15.30 kam ein Nozomi (für den ich eine Reservierung gebraucht hätte), um 15.34 (!) kam dann der Hikari mit unreservierten Sitzen. Am selben Gleis, wohlbemerkt. Und auf der Strecke Shin-Kobe nach Shin-Osaka ist der Nozomi auch nicht schneller, beide haben 12 Minuten Fahrzeit. Und in Deutschland fabulieren sie von einem „Deutschland-Takt“ von 30 Minuten…

Dotonburi

Am relativ frühen Nachmittag war ich zurück in Osaka und konnte eine Pause einlegen, bloggen und Bilder entwickeln. Abends zog es mich dann aber wieder raus, diesmal in die Ess- und Ausgehmeile Dotonburi, die in der bei Nacht wesentlich schicker ist als bei Tag. Aber auch deutlich voller, wobei es erträglich war. Einer der Gründe, warum ich das heute gemacht habe ist, dass es zu Silvester wahrscheinlich echt extrem wird.

Gegessen habe ich nicht bei einem der Restaurants mit den lustigen Fassaden, sondern bei Sushiro. Das ist der direkte Konkurrent von Kura Sushi, wo man Sushi und mehr mit dem Tablet bestellt und es per Fließband direkt an den Tisch kommt. Wartezeit war um 18.15 Uhr bei Null, sehr fein.

Fazit: Sushiro hat mehr Auswahl, aber bei Kura Sushi ist der Reis besser (und die Krabbe auch). Lecker war es allemal.

Hier nun Bilder von Dotonburi bei Nacht:

Ich habe auch eine „Kreuzfahrt“ von 20 Minuten auf dem Dotonburi River gemacht. Touristischer wird es nicht mehr, aber die Perspektive ist nochmal ein bisschen anders.

Tipp für Tinis nächsten Osaka-Trip
Die Fassade von einem der zwei(!) Don Quijotes entlang des Dotonburi River. So viele Donkis!

Und nun: Perspektiven auf den Glico-Mann:

Wer sich nun fragt, für was der eigentlich Werbung macht: Ezaki Glico ist ein japanischer Lebensmittelhersteller (vor allem Süßwaren). Heute kennt man sie vor allem für die weit verbreiteten „Pocky“ und „Pretz“ Produkte. (Pocki sind Keksstangen mit teilweisem Schoko- oder anderem Überzug. In Deutschland wird das als „Mikado“ vermarktet.)

Aber das ursprüngliche Produkt ist ein anderes. Ich zitiere Wikipedia: „Im Jahr 1919 entwickelte Riichi Ezaki ein Karamellbonbon mit aus Austern gewonnenem Glykogen. Das Karamellbonbon erhielt den Namen „Glico“, eine Abkürzung des englischen Wortes Glycogen. Am 11. Februar 1922 begann Riichi mit dem Verkauf von Glico-Produkten in der Mitsukoshi-Filiale in Osaka.“

Das Bonbon für Champions. Mahlzeit.

31.12.2025 – Kōya-san

Zunächst einmal: frohes neues Jahr! Während ich diese Zeilen schreibe ist auch in Deutschland längst Neujahr. Ich wünsche Euch alles Gute!

Ich habe lange mir mir gerungen, ob ich in diesem Urlaub auch einen Ausflug nach Kōya-san mache. Der Ort ist ziemlich weit abgelegen in den Bergen der Präfektur Wakayama und ich fürchtete, dass er um die Jahreswende ziemlich überlaufen sein könnte. Ich bin aber froh, dass ich es gemacht habe und auch gerade am Silvestertag. Denn tatsächlich erwies sich An- und Abreise als zeitintensiv aber unkompliziert und es war so gut wie nichts los. Was für ein Kontrast nach den Menschenmengen von Kobe und Arima Onsen!

Was hat es nun mit diesem Kōya-san auf sich, warum will man da hin? Es ist eine der wichtigsten, ältesten und schönsten Stätten des Buddhismus in Japan. Um genau zu sein, das Zentrum der Shingon-Schule des Buddhismus. Diese Schule wurde 816 von dem Mönch Kōbō Daishi alias Kūkai gegründet. Der war in China und hatte dort den esoterischen Buddhismus gelernt und nach seiner Rückkehr gründete er mit Erlaubnis des Kaisers ein Kloster auf einer Hochebene südlich von Osaka. Über die Jahrhunderte wuchsen die Tempelanlagen dort und heute ist gleichermaßen Pilger- wie Touristenziel.

Normalerweise macht man dort ein Shukubo, eine Tempelübernachtung mit Halbpension und Teilnahme am Tempelleben. Das war mir dann doch zuviel des Guten und ich machte lieber einen Tagesausflug. Vom Bahnhof Shin-Imamiya fährt ein Zug schon ziemlich hoch in die Berge, von dort aus geht es mit Zahnradbahn und Bus weiter. Wie gesagt zeitintensiv (ca. 2h) aber gut organisiert und auch die Busse auf der Hochebene fahren recht zuverlässig und pünktlich.

Impressionen von der Zugfahrt:

Oku-no-in

Mein erstes Ziel war gleich das am weitesten vom (Zahnrad-)Bahnhof entfernteste. der Oku-no-in. Das ist ein kleiner Tempel wo auch das Mausoleum von Kūkai liegt – beide sind aber so heilig, dass man auch im unmittelbaren Umfeld nicht fotografieren darf. Macht aber nichts: das Highlight ist ohnehin der Friedhof, der sich über knapp zwei Kilometer entlang des Weges zum Oku-no-in erstreckt. Superschöne Atmosphäre und weil nicht viele Leute da waren auch sehr friedlich.

Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt hier Toyotomi Hideyoshi höchstselbst begraben, zusammen mit anderen Mitgliedern seines Klans.

Der Friedhof ist in Teilen richtig alt. So alt, dass selbst die Zerschlagung des Synkretismus von Shintoismus und Buddhismus, die nach der Meiji Revolution von 1867 vorangetrieben wurde, nicht so richtig verfangen zu haben scheint. Dies ist eindeutig ein buddhistischer Friedhof, doch manche der Grabstätten sind mit Tori gekennzeichnet, wie man sie bei einem Shinto-Schrein erwarten würde:

Manch der Gräber sind auch schlicht seltsam:

Dieses Modell der Saturn V Rakete wurde von ShinMaywa Industries errichtet, obwohl die gar nichts mit dem Apollo-Programm zu tun hatten.
Und die Firma Panasonic ist weder tot noch bankrott. Anscheinend ist es für Firmen durchaus üblich, Gedenkstätten zu errichten.

Kongobu-ji

Kongobu-ji ist der Haupttempel von Koya-san und der Shingon-Schule. Streng genommen ist ganz Koya-san der Kongobuji, aber das hier sind Bilder von der Haupthalle. Ich war auch drin, der Eintritt war am Silvester sogar frei, aber im Inneren von buddhistischen Tempeln darf man i.d.R. nicht fotografieren.

Danjo Garan

Berühmter und auch spektakulärer als die Haupthalle ist der sog. Danjo Garan „erhöhter Distrikt“.

Wobei das Tor zu diesem Komplex, das „mittlere Tor“ so oft abbrannte, dass man es irgendwann nicht mehr aufbaute. Erst 2015 entstand diese Version.
Hier von der anderen Seite.
Herz- und Prunkstück des Danjo Garan ist aber die Kompon Daitō, die „grundlegende Großpagode“. Die ist auch richtig alt und geht aufs 9. Jahrhundert zurück und mit 49 Metern auch richtig hoch.

Weitere Gebäude des Danjo Garan:

Daimon

Das „große Tor“ Daimon steht gleich am Anfang von Koya-san. Wie gesagt ist ganz Koya-San eigentlich ein gesamter Tempel mit vielen dazu gehörenden Gebäuden, entsprechend markiert das große Tor auch den Anfang des Komplexes. Ich habe es als letztes gesehen und fotografiert, weil ich Koya-san ja quasi von hinten aufgerollt habe:

Würde man eine Tempelübernachtung machen, würde man Shōjin Ryōri, also das vegane Essen der buddhistischen Mönche genießen. Auch mehrere Lokale in Koya-san bieten diese Speisen an, die spezialisierten Restaurants hatten leider alle zu (es war wirklich wenig los). Aber ein Lokal, wo man sonst eher Nudelgerichte, Curry, usw. bekommt bot auch ein veganes Set an, das sich am Shōjin Ryōri orientierte.

Die grünen und roten Streifen sind gefärbter Konnyaku (glaube ich) mit Senf, das links sind verschiedene Arten von frittiertem Tofu, das rechts was aussieht wie Tofu war ein eher cremig-nussig schmeckendes herzhaftes Gelee.

Alles sehr interessant. Nach meiner Rückkehr vom heiligen Koya-san ins sündige Osaka stand mir der Sinn dann doch nach Fleisch und ich bin am Silvesterabend Yakiniku essen gegangen. Auch das war gar nicht so einfach, weil Silvester in Japan eher ein beschauliches Familienfest ist und keine große Party. In der Gegend meines Hotels gibt es viele Yakiniku-Restaurants, aber drei hatten zu, eins war voll und eins war nur für Frauen und Familien mit Kindern (stand auf einem Poster vor der Tür). Aber kurz bevor ich aufgegeben habe und zum Curryladen gegangen bin, fand ich doch noch ein Lokal mit Yakiniku. Das wurde ziemlich offensichtlich nicht von Japanern betrieben (die Belegschaft war ein bunter Haufen), aber macht ja nichts: Yakiniku ist eh ein Import aus Korea. Lecker war es allemal:

Ich habe es dann auch nicht geschafft, bis Mitternacht wachzubleiben und bin ca. 22.30 eingeschlafen…

01.01.2026 – Hatsumode

Neujahr ist in Japan ein stiller Feiertag, die meisten Leute liegen zu Hause unter dem Kotatsu und faulenzen. Dementsprechend hat vieles geschlossen, wobei in einer Großstadt wie Osaka das öffentliche Leben natürlich nicht zum Erliegen kommt. Aber die meisten Sehenswürdigkeiten, vor allem sämtliche Museen, kann man vergessen, die haben zu.

Was nicht zu hat, sind die Schreine. Denn eine wichtige Neujahrstradition ist Hatsumode, der erste Schreinbesuch des neuen Jahres. Manche machen das in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht, andere gehen am Neujahrstag. Also bin ich auch zu zwei Schreinen gegangen, nicht um selbst Hatsumode zu machen (dafür, also zum eigentlichen Gebet, müsste man sich teilweise ziemlich lange anstellen), sondern weil ich diese Schreine ohnehin besuchen wollte. Zwar hat man an Neujahr an den Schreinen nicht dieses Gefühl der Stille und Besinnlichkeit, dafür sieht man sie mal richtig in Aktion. Quasi wie christliche Kirchen an Weihnachten.

Außerdem bin ich zu noch einem buddhistischen Tempel gegangen. Die sind zwar eigentlich nicht für Hatsumode gedacht, das ist ein explizit shintoistischer Brauch, aber anscheinend nehmen die Leute es nicht so genau. Wenn das der Meiji Kaiser wüsste, unter dem die strikte Trennung von Shinto und Buddhismus durchgesetzt wurde!

Namba Yasaka Schrein

Erster Stopp war ein religionsgeschichtlich jetzt nicht so wahnsinnig wichtiger: der Namba Yasaka Schrein. Den gibt es zwar auch schon seit dem 11. Jahrhundert, aber das ist für einen Schrein nicht sonderlich alt, außerdem ist er nicht sonderlich groß oder prächtig, die heutige Form stammt von 1974.

Aber er liegt ganz nah bei meinem Hotel und wie man sieht, wird er auch für Hatsumode besucht:

Es gibt aber einen Grund, dorthin zu gehen. Es gibt dort direkt neben dem Schrein eine kleine Bühne, die architektonisch spannend ist. Die Bilder sprechen für sich.

Sumiyoshi-Taisha

Der nächste Schrein ist dafür umso älter und berühmter: der Sumiyoshi-Taisha. Der ist so richtig alt, er stammt aus dem 3. Jahrhundert, noch bevor der Buddhismus nach Japan kam. Dementsprechend ist er architektonisch auch einer der ganz wenigen Schreine, die so richtig original-japanisch sind, ganz ohne Einflüsse vom Festland. Die einzigen anderen Schreine, auf die das zutrifft, sind die Schreine in Ise (insb. der Amaterasu-Schrein) und in Izumo. Beide habe ich auf früheren Reisen schon besucht, die sind ziemlich abgelegen, während der Sumiyoshi-Taisha an der Bahnlinie von Osaka zum Flughafen liegt und entsprechend gut zu erreichen ist.

Natürlich sind die heute dort stehenden Gebäude nicht 1800 Jahre alt. Aber das ist der Witz an diesen alten Schreinen: die werden immer und immer wieder identisch neugebaut. D.h. was man heute da sieht, sah auch schon in uralter Zeit so aus, das gilt zumindest für die eigentlichen Schreingebäude. Eine der Firmen, die die Schreine baut und pflegt geht auf das 6. Jahrhundert zurück und gilt als ältester kontinuierlicher Betrieb der Welt.

Nun sei dazu gesagt, dass der Sumiyoshi-Taisha einer der beliebtesten Hatsumode-Schreine überhaupt ist, entsprechend ging es da zu.

Sieht man hier gut.

Aber das war ja auch so ein bisschen Sinn und Zweck der Sache. In drei der Schreine werden wichtige Götter, die für Reisen und Seefahrt zuständig sind verehrt, im vierten die mythische Kaisergemahlin Jingū-kōgō, die nach dem Tod ihres Mannes als Regentin faktisch über Japan herrschte.

Wie sehen so uralte Schreine nun aus? Im Gegensatz zu Ise kann man sie tatsächlich fotografieren.

Berühmt am Sumiyoshi-Taisha ist auch die Soribashi, die „Trommelbrücke“, die besonders stark gebogen ist und über die der Hauptweg zu den Schreinen führt.

Es ist nun übrigens Jahr des Pferdes. Es fand sich eine praktische Statue zur Illustration.

Weitere Bilder vom Sumiyoshi-Taisha:

Überrascht hat mich dieser Gullydeckel auf dem Schreingelände. Er zeigt die Mangafigur Kinnikuman (oder zumindest eine Figur aus diesen Comics). Der Autor kommt aus Osaka und es gibt wohl mehrere Varianten über die Stadt verteilt.
Ramen, das perfekte Mittagessen.

Shitennō-ji

Der Shitennō-ji ist wie schon angekündigt kein Schrein, sondern ein Tempel, aber eben auch ein ganz alter, der für die Geschichte der Stadt sehr wichtig war. Er geht aufs späte 6. Jahrhundert zurück, als der Buddhismus in Japan so gerade erst aufkam. Die Gründung wird dem Prinzen Shōtoku zugeschrieben, dem halb-mythischen großen Förderer des Buddhismus in Japan.

Ich bin allerdings nicht in den inneren Tempelbezirk vorgedrungen, da war mir die Schlange zu lang. Drum sieht man die Pagode nur von außen.

Solaniwa Onsen

All diese heiligen Orte aufzusuchen war durchaus reiseintensiv und anstrengend, zumal mein Knie mir derzeit Problem bereitet (ich schiebe es auf die extrem steilen Hügel von Kobe). Zeit für den Onsen! Solaniwa Onsen ist eins von diesen urbanen Super-Onsen-Erlebnisbädern, eine Art Onsen Disneyland. Man bekommt ein Armband mit Schlüssel und NFC-Chip, mit dem man dann in der Anlage bezahlen kann. Außerdem Yukata und Handtücher. Damit kann man dann die Bäder, die Sauna (nicht mein Ding), den Garten, die Arcade, das Restaurant usw. besuchen. Weder authentisch noch günstig, aber sehr angenehm. Die Bilder sind aus dem Netz zusammengeklaut (außer in den Bädern hätte man schon fotografieren können, ich hatte aber keine Lust, mein Handy rumzuschleppen).

Dieses Foto habe ich aber selbst gemacht. Normalerweise isst man Sobanudeln am Silvesterabend, ich war ein bisschen spät dran am Neujahrstag. Aber das war noch eine der traditionellen japanischen Speisen, die ich in diesem Urlaub noch nicht hatte.

02.01.2026 – Kaiyukan

Letzter Tag in Osaka und ich hatte eigentlich keine konkreten Pläne mehr, außer dass ich meinen großen Koffer per Yamato Takkyubin nach Tokio geschickt habe, was mit Hilfe der Hotelrezeption unkompliziert und schnell ging und auch nur 3000 Yen (ca. €16) gekostet hat. Davon profitiere ich jetzt gerade (tags drauf) als ich im Zug nach Tokio sitze und mich mit dem Trumm nicht rumschlagen muss.

Da mir die Energie für einen erneuten Tagesausflug fehlte, habe ich das Aquarium von Osaka, das Kaiyukan besucht. Das ist eins der besten der Welt (meines Erachtens direkt nach Monterey und Okinawa) und durchaus einen Besuch wert, auch einen zweiten (ich war 2016 schon mal da). Es war schon einiges los, aber es war auch nicht allzu überfüllt.

Kaiyukan von vorne…
…und von der Seite, von der Santa Maria aus (dazu später mehr).

Aquarienfotografie ist eine eigene Disziplin und keine, die ich beherrsche. Ich war ohnehin nur mit dem Handy unterwegs, schwere Ausrüstung wäre schwierig zu manövrieren und hier auch eher nutzlos gewesen.

Es gibt natürlich nicht nur Fische im Kaiyukan sondern auch Otter, Pinguine, Robben, Delfine, usw. Hier die Fotos, die einigermaßen was geworden sind.

Aber logischerweise sind die Stars die vielen verschiedenen Fische:

Berühmt ist das Kaiyuka für seine Walhaie. Die schwimmen zusammen mit vielen anderen Arten in einem riesigen Becken, das sich über mehrere Stockwerke von oben nach unten erstreckt.

Und dann gibt es noch richtig seltsame Gestalten:

Und jetzt noch eine Quizfrage: warum heißen Katzenhaie Katzenhaie?

Antwort: weil sie sich zusammenkuscheln wie Katzen!

Santa Maria

Direkt neben dem Kaiyukan gibt es eine Schiffsrundfahrt auf einer Fake-Karavelle, der Santa Maria. Die bringt einen leider nicht, wie einst das Schiff von Kolumbus, in die Karibik. Das wäre heute echt angenehm gewesen, denn es war kalt, am Wasser ging ein eisiger Wind und es schneite sogar ein wenig. Tatsächlich fehlte mir noch eine Hafenrundfahrt in der Sammlung, also habe ich die 45-minütige Tour gemacht. Dabei sieht man gut, dass Osaka halt nicht nur ein touristisches Ziel und die „Küche Japans“ ist, sondern eben auch eine Industriestadt und ein wichtiger Hafen (wobei Kobe glaube ich als Hafen noch bedeutsamer ist).

Übrigens: soll noch mal einer sagen, das schwedische Weltreich gäbe es nicht mehr…
…allerdings ist die japanische Konkurrenz direkt daneben…
…und auch das dänische Weltreich hat noch seine Symbole in aller Welt!
Zu guter Letzt: Mount Tenpo, der zweitniedrigste Berg Japans.

Kulinarisches

Zu Neujahr (und auch am 2. Januar) bietet mein Hotel verschiedene tradtionelle Neujahrsspeisen und auch diesen filetierten Fisch. (Kein Thunfisch, sondern ein Yellowtail, glaube ich). Sashimi gibt es immer, aber diese Darreichungsform ist schon was Besonderes.
Zum Mittagessen: Tonkatsu aus Okinawa-Schweinefleisch.

03.01.2026 – Fahrt nach Tokio

Wie die Überschrift schon sagt habe ich Osaka nun verlassen und bin nach Tokio gefahren. Was bin ich froh, dass ich mein großes Gepäck per Yamato Takkyubin verschickt habe (was auch völlig problemlos geklappt hat). Aktuell ist der Höhepunkt der Rückreisewelle nach den Neujahrsfeiertagen und in Shin-Osaka ging es unbeschreiblich zu. Auch war ich froh, dass ich bereits einen Monat im Voraus mein Ticket gebucht habe. Es gibt um diese Zeit in den meisten Shinkansen nur Plätze mit Reservierungen und in den wenigen, die noch unreservierte Waggons haben, sieht es mutmaßlich aus wie in der U-Bahn zur rush hour. Ich habe das im August 2023 auf dem Weg nach Utsunomiya erlebt und brauche es definitiv nicht für die wesentlich längere Fahrt von Osaka nach Tokio. Mit dem Nozomi, der nur wenige Halte macht, dauert das ca. 2h20min, mit den unreservierten Shinkansen wesentlich länger, weil die an jeder Milchkanne halten.

Ich hatte einen Platz im Green Car, also der ersten Klasse. Aber die Plätze blieben nicht so frei wie in dem Bild, der Zug war auch in der ersten Klasse restlos ausgebucht.
Das eki-ben kann man auch in vollen Zügen genießen.

Angesichts der gewaltigen Reisewelle startete mein Zug übrigens mit 3 Minuten Verspätung, die bis zur Ankunft in Tokio auf eine Minute abgebaut war.

An dieser Stelle vielleicht ein Wort zur fortschreitenden Digitalisierung bei der Bahn. Man kann mittlerweile direkt von Europa aus online Tickets für den Tokaido-Shinkansen zwischen Shin-Osaka und Tokio kaufen, inkl. Sitzplatzreservierung. Man erhält dann einen QR-Code und jetzt kommt’s: anders als in der Vergangenheit muss man dann diesen nicht mehr an einem Schalter oder Automaten gegen ein Ticket eintauschen mit dem man durch die Gates kommt. Nein, es gibt mittlerweile spezielle QR-Code Gates, die diese QR-Codes akzeptieren und einem dabei noch einen kleinen Zettel mit der Sitzplatzreservierung ausdrucken (die man aber auch schon beim QR-Code stehen hat). Sehr praktisch. Zugegebenermaßen geht das bei der DB mit dem DB-Navigator schon sehr lange, aber in Deutschland gibt es ja auch keine Gates, sondern Ticketkontrollen im Zug.

Auch habe ich den Eindruck, dass die einstmals revolutionäre IC-Karte (Suica, Pasmo, Icoca, etc.) ein Auslaufmodell ist. Immer mehr Japaner haben ihre Suica auf dem Smartphone, inkl. Guthaben. Leider funktioniert das nur mit japanischen Smartphones und vielleicht einigen neueren nicht-japanischen Apple-Modellen. Darüber hinaus gibt es auch im ÖPNV zunehmend Gates, die NFC-Zahlung über Apple oder Google Pay akzeptieren oder die in asiatischen Ländern weiter verbreiteten QR-Code Zahlungssysteme. Ich habe auch schon Gates gesehen, die (so glaube ich) per Gesichtserkennung funktionieren. Das ist aber alles noch nicht flächendeckend ausgebaut und auch eher bei den privaten U-Bahnlinien als bei JR oder gar kleinen Regionalbahnen. Ich bleibe daher erstmal bei meiner IC-Karte, die wird quasi überall akzeptiert von der U-Bahn über den Konbini bis zu vielen Getränkeautomaten. Einziger Nachteil: man muss sie regelmäßig mit Bargeld aufladen, nur die virtuellen Versionen auf den Smartphones kann man bargeldlos aufladen.

Ungefähr um 12.30 Uhr bin ich dann in Tokio angekommen und konnte trotz des Trubels relativ schnell und einfach meinen JR East Regionalpass (dafür hatte ich nur einen Gutschein) einlösen und ein paar Reservierungen tätigen.

Da dann noch Zeit war, bevor ich ins Hotel einchecken konnte, bin ich ins Hokusai-Museum Sumida gegangen. Hier geht es um das Werk des berühmten ukiyo-e Künstlers Katsushika Hokusai (1760–1849) und seiner Schüler. Hokusai ist vor allem berühmt für seine 36 Ansichten des Berges Fuji, darunter das wohl bekannteste ukiyo-e „Unter der Welle von Kanagawa“.

Leider darf man im Museum nicht fotografieren, daher nur eine Außenansicht.

Nun war ja erst neulich in der Bayerischen Staatsbibliothek eine hervorragende Ausstellung über ukiyo-e inkl. einiger Top-Drucke von Hokusais Werken. Die Ausstellung im Hokusai Museum war aber anders. Es ging da auch sehr stark um den Produktionsprozess der mehrfarbigen Holzschnittdrucke und die (auch künstlerisch sehr wichtige Rolle) nicht nur des Zeichners (wie Hokusai) sondern auch des Schnitzers und des Druckers (die nur selten namentlich bekannt sind). So gibt es z.B. Drucktechniken, wo graduelle Farbverläufe erreicht wurden durch gezieltes Wischen der Farbe auf den Stempeln durch den Drucker. Da waren dann keine zwei Drucke identisch und es machte einen Riesenunterschied, wie gut der Drucker war.

Es ging auch um die Geschäftsmodelle. So gab es z.B, einen Zweitmarkt für die Holzstempel, vor allem für den grundlegenden mit den Umrissen. Die Farbstempel wurden dann oft auch neu gemacht und ein neues Siegel für den neuen Verleger eingesetzt. Und auch Hokusai selbst verdiente sein Geld nicht nur mit ukiyo-e. Er zeichnete viele Bände von Skizzen („manga“) die explizit als Zeichenschule für andere, angehende Künstler gedacht waren und hunderte von Figuren und Szenen zeigen. Und ukiyo-e gab es auch in 3D: es gab welche, die als ungemein komplexe Bausätze für dreidimensionale Dioramen gedacht waren, z.B. von einem öffentlichen Bad. Erstaunliches Zeug.

Im obersten Stockwerk hatten sie dann eine 7 Meter lange, mit Tusche gezeichnete Bilderrolle von Hokusai, die Szenen in Edo entlang eines Flusses zeigt. Das Ding war wohl für den Export bestimmt, wurde 2020 in Frankreich gefunden und ist jetzt im Museum ausgestellt. Wow. Am Ende der Ausstellung hatten sie dann noch neo-ukiyo-e unter anderem von einem polnischen Künstler. Auch ziemlich cool. Aber wie gesagt leider Fotografieverbot, macht auch Sinn, da die Druckfarben der ukiyo-e ziemlich empfindlich sein können.

Mittlerweile war es dann auch spät genug, um ins Hotel einzuchecken. Ich bin wieder im Hotel Metropolitan in Ikebukuro, allerdings in einem günstigeren Zimmer als letztes Jahr. Das einchecken war extrem angenehm: mein Gepäck war da und wurde mir sogleich übergeben, meine Daten waren noch im System – fühlte sich ein wenig an wie nach Hause kommen. Leider gibt es einen Nachteil: das Metropolitan hat kein Sento, ich muss das Bad im Zimmer benutzen.

Das Zimmer ist eine Kategorie günstiger als letztes Jahr, aber dennoch wesentlich komfortabler und geräumiger als das Hotel in Osaka (das aber nur wenig mehr als die Hälfte pro Nacht kostete).

Aber vielleicht weil wenig los ist oder weil ich letztes Jahr schon so lange da war: ich habe wieder ein Zimmer mit Blick auf den Fuji bekommen. Diesmal nur aus dem 13. anstatt dem 18. Stock, aber immerhin:

Der Negroni in der „Orient Express“ Hotelbar schmeckt auch immer noch genau so gut.
Aber am Bahnhof erwartete mich ein Schock: die Ikefukuro, die Bahnhofseule und ihre Babies sind nackig und müssen frieren! Letztes Jahr hatten sie ein buntes Häkelkleid an. Wahrscheinlich weil ich heuer wesentlich später da bin und Neujahr schon vorbei ist.

Abends bin ich dann nochmal Yakiniku essen gegangen, weil es in Ikebukuro das sehr praktische Yakiniku Watami gibt, wo man mit Tablet bestellt und wo man auch online eine Reservierung machen kann. Ich habe vor allem Zunge, Leber und einige Gemüsebeilagen konsumiert.

04.01.2026 – Nokogiri-san

Morgendlicher Blick auf den Fuji vom Hotel aus.

Ausflug in die Präfektur Chiba, östlich von Tokio. Chiba kennt man entweder, weil dort einer der beiden internationalen Flughäfen (Narita) ist, den ich aber noch nie benutzt habe. Oder weil man Neuromancer oder andere Cyberpunk-Populärkultur konsumiert hat, wo Chiba als das Mekka der Cyberware dargestellt wird. Tatsächlich haben meine Recherchen keinen so rechten Grund ergeben, in die namensgebende Stadt Chiba zu reisen.

Aber: die Präfektur Chiba ist ziemlich weitläufig und beinhaltet u.a. die gesamte Bōsō-Halbinsel, die östliche der Bucht von Tokio verläuft. Dort gibt es recht viel schöne Natur und nicht zuletzt einen sehr beeindruckenden Tempelberg, den Nokogiri-san. Der ist nicht nur für seine landschaftliche Schönheit bekannt, sondern auch für den größten Großen Buddha Japans. Auf der Karte ist der Ort eingezeichnet.

Man könnte nun meinen, das wäre ein beliebtes Ausflugsziel auch für ausländische Touristen, aber dem ist nicht so, jedenfalls nicht viel. Japaner kommen da schon hin, aber auch nicht in Massen. Warum, fragt man sich? Mehrere Gründe:

  • Es ist gar nicht so einfach, dort hinzukommen. Am Wochenende gibt es einen Limited Express von Shinjuku, der einen in 1h40min nach Hama-Kanaya am Fuß des Berges bringt. Mit Auto oder Tourbus ginge es natürlich einfacher. Ansonsten wäre es von Tokio aus schon eine arg lange Fahrt mit verschiedenen Lokalzügen, obwohl die Luftlinie nicht so weit ist.
  • Der große Buddha ist zwar gewaltig, aber nicht besonders alt (der Tempel an sich hingegen schon). Der Buddha stammt von 1783, er verfiel aber nach der Meiji-Restauration wo es in der Anfangszeit auch Ausschreitungen gegen buddhistische Anlagen gab. Er verfiel mit der Zeit und wurde erst 1966 restauriert. Der Große Buddha von Kamakura wurde hingegen im 13. Jahrhundert gegossen.
  • Treppenstufen. So viele Treppenstufen. Funishi Inari bis zum Gipfel ist nichts dagegen. Es geht hoch, runter, wieder hoch, wieder runter. Und manche Treppen, insbesondere die von der Seilbahn zum Tempeleingang sind mehr aufeinandergetürmte Steine als echte Treppenstufen. In der Tempelanlage selbst sind die Stufen völlig OK, aber sagte ich schon, dass es SEHR VIELE TREPPENSTUFEN sind? Ich komme mir vor wie Kung Fu Panda.

Aber das mit der landschaftlichen Schönheit ist nicht gelogen, vor allem an einem klaren sonnigen Tag wie diesem.

Das deutete sich schon bei der Bahnfahrt an, wo man den Fuji auf der anderen Seite der Bucht von Tokio sehen konnte.
Der Bahnhof Hama-Kanaya ist winzig, aber er hat immerhin zwei Gleise.
Blick über die Bucht auf dem Weg vom Bahnhof zur Seilbahn
Fahrt mit der Seilbahn nach oben.

Auf dem Berg angekommen, heißt es klettern, zunächst zu verschiedenen Aussichtsplattformen. Die bieten aber tatsächlich tolle Ausblicke.

Aber natürlich wird nicht nur der Blick über die Bucht von Tokio geboten.

Es gibt auch eine riesengroße, in den Berg geschlagene Kannon.

Außerdem Unmengen von kleinen Statuen. Es waren ursprünglich mal 1500, es sind aber nur ca. 500 übrig, die Restauration läuft.

Erwähnte ich schon die vielen Treppenstufen?

Und dann kommt man zum großen Buddha. Diese ist anders als der in Kamakura nicht aus Bronze, sondern aus Stein gemeißelt.

Nun mag mancher fragen: das ist doch eine Tempelanlage? Wo ist die Tempelhalle? Die Antwort: noch viele weitere Treppenstufen entfernt und die Tempelhalle ist nicht das Berühmte am Berge Nokogiri. Daher habe ich mir das gespart.

Danach bin ich zurück nach Shinjuku gefahren und bin ins Therma Yu, einem Seupersento dortselbst, nahe des Rotlichtviertels Kabukicho gegangen (das Bad hat aber nichts mit dem Rotlichtviertel zu tun). Das Bad ist schön (und 24h geöffnet!) aber Bilder aus dem Internet suchen spare ich mir jetzt (sitze im Zug nach Sendai). Aber ich bin dort auch eingekehrt:

Auf dem Rückweg zum Bahnhof Shinjuku kam ich beim Golden Gai, dem Labyrinth hunderter winziger Kneipen vorbei…
…und beim größten Cat Content der Welt (zwei Stockwerke hoch). Das ganze ist eine riesige Werbetafel, vollanimiert, letztlich ein titanischer Bildschirm.
Dann war ich kurz im Hotel und bin weiter nach Ueno gefahren, wo ich mich mit Miho getroffen habe. Ein prima Ausklang für den Tag!

06.01.2026 – Bucht von Matsushima

Der letzte große Tagesausflug führte mich nördlich von Sendai zur Bucht von Matsushima – siehe auch die Karte. Diese ist berühmt für ihre landschaftliche Schönheit, vor allem die über 200 mit Kiefern bewachsenen Inseln in der Bucht.

So in etwa kann man sich das vorstellen.

Traditionell betrachtet man die Bucht von einem von vier umliegenden Hügeln, aber das war mir zu aufwändig. Auch die japanischen Besucher machen vor allem eine Bootsrundfahrt durch die Bucht und ich habe es ihnen gleichgetan. Das Wetter war recht wechselhaft – je nach Blickrichtung und Moment hatte man blauen Himmel oder eher graue Wolken.

Auf zwei der Inseln kann man auch über Brücken hingehen. Eine der Brücken ist sehr kurz, die andere sehr lang (und kosten 200 Yen Brückenzoll).

Der tückische Plan!

Ich schrieb ja bei Miyajima, dass ich da vor allem nochmal hin bin, weil ich einen tückischen Plan habe. Und nun soll er enthüllt werden. Es gibt die drei berühmten „drei schönsten Landschaften (bzw. Ausblicke) Japans„:

  • die heilige Insel Miyajima mit dem schwimmenden Tori des Itsukushima-Schreins
  • Amanohashidate mit der großen Sandbank, der sog. Himmelsbrücke
  • die Kieferninseln der Bucht von Matsushima

Nun habe ich es geschafft, alle drei auf einer Reise zu sehen:

Das schwimmende Tori von Miyajima
Die große Sandbank von Amanohashidate
Die Kieferninseln von Matsushima

Darüber hinaus habe ich (nicht nur auf dieser Reise) die drei großen Gärten Japans (plus den inoffiziellen vierten) gesehen, die vier größten Städte (Tokio, Yokohama, Osaka, Nagoya), die fünf als nationale Schätze deklarierten Burgen Japans und die drei ursprünglichsten Schreine (Ise, Izumo, Sumiyoshi). Miho nennt mich „professional tourist“, da ist vielleicht was dran.

Jetzt fehlen nur noch die drei Ringe der Elben und die sieben Ringe der Zwerge. Den einen Ring will ich nicht und die neun Ringe der Menschen auch nicht, die korrumpieren alle nur. (OK, die sieben Ringe der Zwerge auch, aber die machen wenigstens reich).

Die kulinarischen Spezialitäten von Matsushima bzw. Sendai sind Austern und Rinderzunge. Welches soll ich nur essen? Einfach beide!

Japan in vollen Zügen genießen

Am frühen Nachmittag fing es dann an zu regnen und ich fuhr früher als geplant zurück nach Tokio. Dadurch musste ich dann aber einen der wenigen unreservierten Waggons in einem der langsameren Shinkansen nehmen. Das war ein Fehler: die Rückreisewelle nach Neujahr dauert immer noch an, d.h. die erste halbe Stunde musste ich im Zug stehen, bevor ich (mit viel Glück) für den Rest des Weges einen Sitzplatz ergattern konnte.

Dafür hatte ich dann in Tokio aber noch Zeit, eins meiner Lieblings-Sento, das Haginoyu in Uguisudani aufzusuchen. Vorher nahm ich noch eine Zwischenmahlzeit zu mir: am Bahnhof Ueno gibt es innerhalb der Shinkansen-Gates einen Ramen-Automaten. Der kocht einem eine Schüssel Ramen innerhalb von 90 Sekunden mit einer Dampftechnik.

Das war jetzt kein ultimativer kulinarischen Höhenflug, aber durchaus schmackhaft. Vor allem die Konsistenz der Nudeln war perfekt: genau die richtige Mischung aus Bissfestigkeit und Elastizität. Das waren keine Instant-Ramen, sondern punktgenau erhitzte. In keinem Ramen-Laden hatte ich welche mit besserer Konsistenz.

Nach dem Bad im Sento gönnte ich mir noch Hoppy mit Shochu, also Malzbier mit Schnapps. Eigentlich traditionell ein arme-Leute-Drink (weil billiger als Bier) aber heutzutage wieder retro-populär. Ich mag’s.

Abends war ich dann noch mit Miho Okonomiyaki und andere Leckereien essen:

06.01.2026 – Kawasaki bei Nacht

Zeit zum Shoppen! Es gab noch verschiedene Dinge, die ich für mich und andere einkaufen wollte, also bin ich nach Shibuya zum Hands und zum Megadonki gefahren. Shibuya ist so chaotisch und voll wie eh und je, aber ich weiß, wo die Läden sind, in die ich will und sogar wo strategisch gut gelegene Schließfächer sind. Auf Fotos von der großen Kreuzung etc. verzichte ich, davon habe ich in der Vergangenheit schon genug gemacht und gepostet.

Vorher war ich aber noch in Harajuku. Nicht, um in die Modewelt der Tokioter Jugend einzutauchen, sondern weil es da einen Harry Potter Laden gibt, wo ich bestimmte Geschenke besorgen wollte.

Tatsächlich hatte ich mich zeitlich verkalkuliert bzw. meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich war kurz vor 10 dort, der Laden macht aber erst um 11 auf. Was tun?

Der Meiji Jingu ist auf der anderen Straßenseite, aber offensichtlich ist die Hatsumode-Saison noch nicht vorbei und es war sehr voll, diesmal mit Japanern und nicht so sehr ausländischen Touristen.
Und so schön der Meiji Jingu ist war ich doch schon zweimal dort.

Also habe ich etwas minimal ungewöhnliches gemacht. Ich bin nicht zum Meiji Jingu durchgelatscht sondern kurz nach dem ersten Tori (Bilder oben) in das Meiji Jingu Museum gegangen. Das ist klein, sehr ruhig und normalerweise hastet man da vorbei auf dem Weg zum Schrein. Ist aber sehr empfehlenswert. Sie haben da verschiedene persönliche Gegenstände des Meiji-Kaisers und seiner Frau, darunter auch ihre sechsspännige Kutsche, Schreibtisch, persönliche Bücher u.a.m. Man darf nur leider überhaupt nicht fotografieren. Ich habe es dennoch genossen, vor allem die Videoinstallation am Schluss. Dort laufen auf 270 Grad Leinwand Szenen und Rituale aus dem Meiji Jingu im Laufe der Jahreszeiten, die man so nie zu Gesicht bekommen würde. In diesem Fall lohnt sich die „virtuelle“ Darstellung mal wirklich.

Immerhin kann man selbst eine Art ukiyo-e der kaiserliche Kutsche aus fünf Stempeln machen.

Ich hatte auch nur bis zum Nachmittag Zeit, denn ich musste noch zurück ins Hotel und meine Einkaufsbeute lagern, denn ganz ist der Urlaub noch nicht vorbei! Gestern war zwar der letzte große Tagesausflug, doch eine abendliche Tour hatte ich noch gebucht, und zwar eine Art Fotosafarie durch das nächtliche Industriegebiet von Kawasaki. Auf der Hinfahrt hatte ich zwischen Shinagawa und Kawasaki auch noch eine ganz authentische Japan-Erfahrung: richtige, echte rush hour mit ziemlichem Gequetsche. Dem war ich bisher immer recht erfolgreich ausgewichen.

Warum nun also nächtliche Fototour durch Kawasaki: die künstlichen Inseln, die Kawasaki vorgelagert sind, sind eins der ältesten Industriezentren Japans. Im Prinzip das Äquivalent zum Ruhrgebiet. Kraftwerke, Chemieindustrie, Raffinerien, Recycling-Anlagen, titanische Lagerhäuser wo das ganze Essen für die Metropolregion Tokio lagert und weiteres mehr. Einen ersten Eindruck davon hatte ich mal, als ich mit Tini zum Umi Hotaru, der Auto-Raststätte in der Mitte der Bucht von Tokio gefahren bin. Aber auch hier gilt: japanische Städte sind bei Nacht oft schöner als bei Tag und das gilt für dieses Industriegebiet erst recht.

Ich hatte also eine individuelle Fototour mit dem Auto gebucht. Mein guide Takeshi (nein, der hat keine Burg mit seltsamen Spielen) macht diese Touren offensichtlich mehr aus Leidenschaft als auf Gewinnabsicht. Von den €85 gehen ca. ein Viertel an Viator, und dann muss er noch Benzin, Parkgebühren usw. davon zahlen, von Steuern ganz zu schweigen. Bei einer Tour von gut 2,5h kommt da kein nennenswerter Stundenlohn bei raus. Aber umso besser für mich, zumal der Mann sich wirklich auskennt und offensichtlich viel Zeit damit verbracht hat, mit dem Auto durch die Industriegebiete von Kawasaki zu fahren und fotogene Perspektiven zu suchen.

Erstaunlich ist auch, dass um diese Zeit extrem wenig los ist auf den Straßen. Wohnen tut da niemand, die Arbeiter (es ist Schichtbetrieb) kommen und gehen mit Zug oder Linienbus und die Trucks, die tagsüber sicherlich sehr viel dort unterwegs sind, sind weg oder parken irgendwo. Man kann also durchaus auch mal mitten auf einer Brücke stehenbleiben, aussteigen und ein paar Fotos schießen oder sich eben mal neben ein Werkstor stellen. Hier nun meine Ausbeute:

Das Exportpier von Subaru
Blick auf Tokio. Links ist der Tokyo Tower zu erkennen (orange), rechts der Skytree (blau).
Hier wird eine Brücke gebaut zwischen einer der künstlichen Inseln und dem Festland. Wegen der Nähe zum Flughafen Haneda können sie keine hohe zentrale Säule für die Baustelle verwenden, sondern müssen sich Stück für Stück von beiden Seiten vorarbeiten.

Das war es dann aber auch mit den touristischen Aktivitäten. Morgen ist nochmal ein bisschen Shoppen angesagt, dann Packen und abends Rückflug ins eiskalte München.

07.01.2026 – Heimreise

Auch heute war ich nochmal shoppen. Zwar wäre vielleicht auch noch Zeit für eine touristische Aktivität gewesen, aber irgendwie fehlte mir die Energie, mich nochmal in den Trubel Tokios zu werfen.

Mein Flug nach München war für 23.30 Uhr angesetzt, ich hatte mein Hotelzimmer noch für den ganzen Tag gebucht, so dass ich in aller Ruhe packen, chillen, bloggen und vor dem Abflug nochmal duschen konnte. Sehr bequem, das alles. Zum Flughafen habe ich mir ein Taxi genommen – dank des schwachen Yen sehr bezahlbar und dank der unterirdischen Ringautobahn unter Tokio erschreckend schnell – in gut 30 Minuten war ich von Ikebukuro am anderen Ende der Stadt in Haneda.

Reichlich Zeit für Curry und Bier in der Lounge.

Diesmal bin ich mit All Nippon Airway zurückgeflogen und nicht wie sonst mit Lufthansa. Das erwies sich als sehr gute Idee. Die Qualität von Essen und Service waren vergleichbar, aber selbst die „alte“ Business Class von ANA (es gibt auch eine neue, die hatte ich aber nicht) ist um Längen besser als die alte Business Class von Lufthansa. So ist das Flugzeug nicht 2-2-2 bestuhlt wie bei LH sondern 1-2-1. D.h. jeder Sitz hat direkten Zugang zum Gang und sie sind versetzt angeordnet, mit einer substantiellen Abstellfläche neben dem Sitz. Wenn man (wie ich) einen Fensterplatz hat, bedeutet das ziemlich maximale Privatsphäre, da man gut 50cm vom Gang entfernt sitzt und dazwischen einiges als Barriere hat. Die neue Business Class von ANA ergänzt da noch eine Tür und nennt sich „The Room“ aber auch die alte ist prima.

Hier sieht man das ganz gut.

Wenn man den Sitz zum Bett ausfährt ist dieses vielleicht 5cm kürzer als bei LH, aber für meine 175cm ist das völlig egal.

Das Abendessen

Der entscheidende Vorteil war aber der Nachtflug. Um 23.30 ging es los – bis wir dann in der Luft waren, das Abendessen abgeräumt und der Digestif getrunken war, war es ca. 2.00 Uhr morgens japanischer Zeit. Und da war ich dann so rechtschaffen müde, dass ich 9 Stunden (!!!) des 15-stündigen Flugs verschlafen habe. Der Schlaf war nicht besonders gut oder tief, aber er war wirklich lang. Als ich aufwachte, waren es nur noch 3 Stunden bis nach München.

Das Frühstück

Also habe ich mir nach dem Frühstück noch einen Film angesehen, das „Live“ Remake von „Drachenzähmen leicht gemacht“. Leider verspätete sich dann die Landung nochmal um 30 Minuten, wegen starken Schneefalls mussten wir zweimal über Augsburg kreisen, bis wir dann in München landen konnten.

Wie üblich musste ich dann erstmal ziemlich marschieren, wir waren an einem K-Gate gelandet, d.h. Fußmarsch und Bahnfahrt bis zur Passkontrolle und zur Gepäckausgabe. Aber das Gepäck war fix da und unbeschädigt und ein vorbestelltes „Taxi“ (da sind eigentlich Mietwagen mit Fahrer, wesentlich billiger als Taxi) brachte mich nach Hause. Dort erwartete mich eine Innentemperatur von 12 Grad – logischerweise hatte ich in den fast drei Wochen Abwesenheit nicht geheizt und es ist ja in München der Winter ausgebrochen.

Hier noch der Bäder-Score: 17 japanische Bäder an 18 Tagen. Nicht schlecht, vor allem da ich in Tokio kein hoteleigenes Sento hatte.

Diese Zeilen entstehen schon wieder am heimischen PC – damit schließe ich den Blog. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!