Mein Flug von München nach Osaka war, von einer kleinen Verspätung mal abgesehen, angenehm und problemlos. Auch bei der Ankunft am international Flughafen KIX (auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Osaka gelegen) ging alles ganz flott. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach dem Touchdown war ich auch schon durch Immigration und Zoll – und das obwohl ich erstmals überhaupt meinen Koffer beim Zoll öffnen musste. War aber nur ein Routinecheck, keine Probleme. Ein vorab bestelltes Taxi hat mich dann innerhalb von ca. 40 Minuten zu meinem ersten Hotel in Osaka gebracht. (Es gibt natürlich super Zugverbindungen, aber ich hatte keine Lust, mein Gepäck durch den ÖPNV zu schleppen).
Nun wissen die technikaffinen Leserinnen und Leser wahrscheinlich, dass schneller Arbeitsspeicher für Computer und vor allem Grafikkarten aktuell extrem teuer wird. Schuld ist wie fast immer die KI: von der wirtschaftlichen Realität völlig abgekoppelt ist KI einfach viel profitabler als normale IT oder gar Computergrafik. Was mich dann aber schon überrascht hat, ist dass Osaka offensichtlich an Grafikkarten spart. Die Logik ist ganz einfach: wenn man die Sichtweite verkürzt und alles in grauen Nebel taucht, braucht man natürlich viel weniger Grafikpower und -speicher um die Realität zu rendern! Aber seht selbst:









Wie man also sieht, war das Wetter am ersten Tag schlecht: Nebel und Regen. Mit ca. 14 Grad nicht allzu kalt, aber eben doch echt ungemütlich.
Candeo Hotel Osaka The Tower
Macht aber nichts. Da ich unerwartet früher fliegen konnte als ursprünglich geplant, habe ich mir für die erste Nacht ein Zimmer in einem ziemlich luxuriösen Hotel geleistet, dem Candeo Osaka The Tower. Der Gedanke war, wenn ich eh fertig und gejetlagt bin, dann kann ich mir da bei der Akklimatisierung auch gutgehen lassen. Die schöne Aussicht auf die Großstadt von meinem Eckzimmer im 18. Stock war durch den Nebel etwas getrübt, aber trotzdem nett.


Das Bad habe ich aber gar nicht benutzt. Nicht, weil ich ein Schmutzfink bin, sondern wegen des eigentlichen Grundes, warum ich dieses Hotel gebucht habe: der Sky Spa, ein japanisches Bad im 31. Stockwerk mit Blick auf die Stadt.


So ein Jetlag ist aber für mehr gut, als man denkt. Nicht nur gibt er mir am frühesten Morgen Zeit zum Bloggen. Wenn man um 4 Uhr morgens in den Sky Spa geht, dann hat man gute Chancen, dass man alleine ist, und dann kann man auch fotografieren. Mission gelungen:



Jetzt habe ich dann so ziemlich alle Arten von japanischen Bädern durch: traditionelle Onsen in den Bergen, mit Blick auf den Fuji, mit Blick aufs Meer, draußen bei Schneefall und jetzt auch mit Blick auf die Lichter der Großstadt.
Nachts war die Aussicht dann auch schöner. Diese japanischen Großstädte sind ohnehin nachts meistens schöner anzusehen als bei Tag, wegen der bunten Beleuchtung:


Umeda Sky Building
Morgens war ich ja schon um 10 Uhr im Hotel und konnte noch gar nicht ins Zimmer. Aber ich musste ohnehin zum Bahnhof Osaka, um meine Voucher für die Eisenbahn-Regionalpässe JR West einzulösen und diverse Reservierungen zu tätigen. Das ging ebenfalls erstaunlich flott, nicht zuletzt weil man das alles an Automaten machen kann, die auch Englisch können. Die Dinger lesen sogar den Reisepass ein (die Regionalpässe gibt es nur für Touristen). Es war aber trotzdem auch eine Mitarbeiterin da, die mich eingewiesen hat. Der Service in Japan wird digitaler und etwas weniger personalintensiv, ist aber immer noch sehr gut.
So hatte ich noch Zeit für Sightseeing, bevor ich für ein dringend benötigtes Nickerchen ins Hotel konnte. Unweit des Bahnhofs ist das Umeda Sky Building, eines der ikonischsten Gebäude Osakas. Das Wetter machte den Aussichtsturm zwar ein bisschen unattraktiv, aber was hilft’s? Hat sich trotzdem gelohnt.

Berühmt ist das Gebäude nicht nur für seine U-förmige Bauweise, sondern auch für den gläsernen Aufzug, der einen in lichte höhen befördert und vor allem für die langen Rolltreppen, mit denen man dann zur Aussichtseben gelangt.



Auch wenn die Aussicht eher grau war wäre es ja nicht Japan, wenn es nicht doch was zu sehen gäbe:




Ihr alle kennt diese Unsitte, Vorhängeschlösser an Brücken anzubringen, um ewige Liebe zu schwören (manchmal sogar mit Zahlenschlössern, was ich dann noch zweifelhafter finde). Im Umeda Sky Building haben sie das zum Geschäftsmodell gemacht und damit auch in geregelte Bahnen gelenkt:


Am Fuße des Umeda Sky Building war natürlich ein Weihnachtsmarkt, mit allem was man für eine authentische Erfahrung braucht:




Nebenan ist das große Westin Hotel und dort machte ich eine unerwartete Entdeckung. Zwar ist die Momiji (Herbstlaub) Saison auch in Osaka seit ca. 2-3 Wochen vorbei, aber das Westin hat ein eigenes kleines Momiji-Wäldchen, das si geschützt liegt, dass noch ein bisschen was übrig war von der Farbenpracht.






Festival of Lights
Natürlich gibt es im Winter auch in Osaka Lightups, wo ganze Straßenzüge und Gebäude festlich beleuchtet sind. Dank des nassen Wetters habe ich aber nur einen kleinen Ausflug zu solchen Zielen gemacht. Es war trotzdem viel los – wären die Regenschirme auch beleuchtet, wäre es noch beeindruckender.
Hier erst noch ein paar Eindrücke vom Rathaus Osaka bei Tag:



Ganz in der Nähe (nur ein paar Schritte von meinem Hotel) liegt auch die historische Stätte des Dōjima-Reismarkts. Hier wurde der Kapitalismus erfunden, zumindest der japanische. Reis war in der Edo-Zeit (1600-1867) die Basis der japanischen Wirtschaft – Reis war buchstäblich Geld. Und in Osaka wurde er gehandelt, was Osaka auch zum wirtschaftlichen Zentrum Japans machte, das bis heute in Konkurrenz zu Edo bzw. Tokio steht. Beim Dōjima-Reismarkt wurde der Handel mit Termingeschäften erfunden, es wurde mit Reis gehandelt, der noch gar nicht geerntet war. Zwischenzeitlich wurde der Reismarkt aufgelöst, weil der Preis dem Shogun zu hoch geworden war, aber später unter staatlicher Aufsicht wieder eröffnet und erst 1939 formal abgeschafft. Merke: der Preis der Reises ist für Japan von zentraler politischer Bedeutung. Die neue Premierministerin (und auch die Vorgängerregierung) versucht ziemlich verzweifelt, den Reispreis wieder runterzukriegen. Denn auch aktuell geht die Inflation beim Reis den Japanern auf die Nerven und an den Geldbeutel.


Nun aber zum Lightup: tatsächlich wird das Rathaus nach Einbruch der Dunkelheit festlich und sehr dynamisch beleuchtet:






Hier noch weitere Fotos, ich habe es wegen des Wetters kurz gehalten. Die Leute von Osaka sind da härter drauf und haben sich vom Regen nicht abschrecken lassen.


Essen
Nun bin ich ja nicht nur zum Baden und Sightseeing in Japan, sondern immer auch zum Essen. Hier ein paar erste Einblicke:



CoCo Ichibanya ist eine Kette in Japan, die sich auf japanisches Curry spezialisiert hat, dabei aber amerikanische Individualisierung betreibt: Topping, Reismenge, Schärfegrad, Art der Currysauce u.v.m. lässt sich anpassen, es gibt auch glutenfrei, vegan und sogar mit Blumenkohl-„Reis“ statt echtem Reis für Kohlenhydrat-averse. Mein Curry beinhaltet alle Allergene und bricht alle Gebote von Religionen und Ernährungsstilen – typisch alter weißer Mann. Was mich aber überrascht hat: der Schärfegrad 1, das ist das kleinste über normal, ist schon ordentlich würzig. Die Skala geht bis 10, da kommen dann wahrscheinlich sogar Leute aus Südindien auf ihre Kosten.

Hier ein paar Eindrücke vom Frühstücksbuffet:




Was völlig irre ist, sind die Kosten für Essen. Die Japaner klagen lauthals über Inflation, aber durch den Yen-Kurs von derzeit 184 Yen pro Euro ist für mich alles fast schon lächerlich billig. Das Curry mit dem Schnitzel? €6,68, inkl. Eiswasser. Der Unagi (ein Luxusessen)? €13,34 inkl. Bier. Wahnsinn. Ohne den Yenkurs hätte ich mir die Nacht im Candeo Hotel aber auch nicht geleistet, sondern hätte was günstigeres genommen.