Wieder einmal zieht es mich zwischen den Jahren nach Japan. Diesmal wird Osaka mein Basislager. Da war ich 2016 schon einmal, habe aber nur einen Bruchteil gesehen. Außerdem gilt es, Tagesausflüge in die nähere und gar nicht so nahe Umgebung zu machen – günstige Regionalpässe für die Eisenbahn machen es möglich.
Am Samstag, 20.12.2025 geht es los, Ankunft in Osaka ist am 21.12. morgens um 8.15 Uhr. Mit Fotos und Texten ist aber frühestens am 21.12. abends (deutsche Zeit) zu rechnen.
Hier schon mal zur Einstimmung ein Foto von Dotonburi, dem bekanntesten Viertel von Osaka, das ist 2016 gemacht habe,
Mein Flug von München nach Osaka war, von einer kleinen Verspätung mal abgesehen, angenehm und problemlos. Auch bei der Ankunft am international Flughafen KIX (auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Osaka gelegen) ging alles ganz flott. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach dem Touchdown war ich auch schon durch Immigration und Zoll – und das obwohl ich erstmals überhaupt meinen Koffer beim Zoll öffnen musste. War aber nur ein Routinecheck, keine Probleme. Ein vorab bestelltes Taxi hat mich dann innerhalb von ca. 40 Minuten zu meinem ersten Hotel in Osaka gebracht. (Es gibt natürlich super Zugverbindungen, aber ich hatte keine Lust, mein Gepäck durch den ÖPNV zu schleppen).
Nun wissen die technikaffinen Leserinnen und Leser wahrscheinlich, dass schneller Arbeitsspeicher für Computer und vor allem Grafikkarten aktuell extrem teuer wird. Schuld ist wie fast immer die KI: von der wirtschaftlichen Realität völlig abgekoppelt ist KI einfach viel profitabler als normale IT oder gar Computergrafik. Was mich dann aber schon überrascht hat, ist dass Osaka offensichtlich an Grafikkarten spart. Die Logik ist ganz einfach: wenn man die Sichtweite verkürzt und alles in grauen Nebel taucht, braucht man natürlich viel weniger Grafikpower und -speicher um die Realität zu rendern! Aber seht selbst:
Fahrt vom Flughafen nach Osaka entlang der Osaka BayRathaus von Osaka, gegenüber von meinem HotelMein Hotel, dass Candeo Osaka Tower. Rechts oben das Außenbad für Männer. Aussicht vom Umeda Sky Building„Aussicht“ vom Umeda Sky BuildingAussicht aus meinem HotelzimmerAussicht aus meinem Hotelzimmer
Wie man also sieht, war das Wetter am ersten Tag schlecht: Nebel und Regen. Mit ca. 14 Grad nicht allzu kalt, aber eben doch echt ungemütlich.
Candeo Hotel Osaka The Tower
Macht aber nichts. Da ich unerwartet früher fliegen konnte als ursprünglich geplant, habe ich mir für die erste Nacht ein Zimmer in einem ziemlich luxuriösen Hotel geleistet, dem Candeo Osaka The Tower. Der Gedanke war, wenn ich eh fertig und gejetlagt bin, dann kann ich mir da bei der Akklimatisierung auch gutgehen lassen. Die schöne Aussicht auf die Großstadt von meinem Eckzimmer im 18. Stock war durch den Nebel etwas getrübt, aber trotzdem nett.
Mein Zimmer, aber nur für eine Nacht, da teuer.Auch das Bad hat Aussicht.
Das Bad habe ich aber gar nicht benutzt. Nicht, weil ich ein Schmutzfink bin, sondern wegen des eigentlichen Grundes, warum ich dieses Hotel gebucht habe: der Sky Spa, ein japanisches Bad im 31. Stockwerk mit Blick auf die Stadt.
Wie immer darf man in solchen Bädern nicht fotografieren, daher diese aus dem Internet geklauten Bilder.Dafür auch ohne Nebel.
So ein Jetlag ist aber für mehr gut, als man denkt. Nicht nur gibt er mir am frühesten Morgen Zeit zum Bloggen. Wenn man um 4 Uhr morgens in den Sky Spa geht, dann hat man gute Chancen, dass man alleine ist, und dann kann man auch fotografieren. Mission gelungen:
Jetzt habe ich dann so ziemlich alle Arten von japanischen Bädern durch: traditionelle Onsen in den Bergen, mit Blick auf den Fuji, mit Blick aufs Meer, draußen bei Schneefall und jetzt auch mit Blick auf die Lichter der Großstadt.
Nachts war die Aussicht dann auch schöner. Diese japanischen Großstädte sind ohnehin nachts meistens schöner anzusehen als bei Tag, wegen der bunten Beleuchtung:
Umeda Sky Building
Morgens war ich ja schon um 10 Uhr im Hotel und konnte noch gar nicht ins Zimmer. Aber ich musste ohnehin zum Bahnhof Osaka, um meine Voucher für die Eisenbahn-Regionalpässe JR West einzulösen und diverse Reservierungen zu tätigen. Das ging ebenfalls erstaunlich flott, nicht zuletzt weil man das alles an Automaten machen kann, die auch Englisch können. Die Dinger lesen sogar den Reisepass ein (die Regionalpässe gibt es nur für Touristen). Es war aber trotzdem auch eine Mitarbeiterin da, die mich eingewiesen hat. Der Service in Japan wird digitaler und etwas weniger personalintensiv, ist aber immer noch sehr gut.
So hatte ich noch Zeit für Sightseeing, bevor ich für ein dringend benötigtes Nickerchen ins Hotel konnte. Unweit des Bahnhofs ist das Umeda Sky Building, eines der ikonischsten Gebäude Osakas. Das Wetter machte den Aussichtsturm zwar ein bisschen unattraktiv, aber was hilft’s? Hat sich trotzdem gelohnt.
Das Umeda Sky Building
Berühmt ist das Gebäude nicht nur für seine U-förmige Bauweise, sondern auch für den gläsernen Aufzug, der einen in lichte höhen befördert und vor allem für die langen Rolltreppen, mit denen man dann zur Aussichtseben gelangt.
Da kann man theoretisch supergute Fotos von schier endlosen, leeren Rolltreppen schießen. In der Praxis sind sie aber nicht so recht leer.What goes up, must come down.So kann man sich das vorstellen. Die Rolltreppen sind in den „Streben“ in der Mitte untergebracht.
Auch wenn die Aussicht eher grau war wäre es ja nicht Japan, wenn es nicht doch was zu sehen gäbe:
Ganz viel WeihnachtsschmuckWer will, kann sich mit diesen feschen Pappkameraden ablichten……oder mit diesen Damen.
Ihr alle kennt diese Unsitte, Vorhängeschlösser an Brücken anzubringen, um ewige Liebe zu schwören (manchmal sogar mit Zahlenschlössern, was ich dann noch zweifelhafter finde). Im Umeda Sky Building haben sie das zum Geschäftsmodell gemacht und damit auch in geregelte Bahnen gelenkt:
Hier kann man Schlösser kaufen……und sie hier anbringen.
Am Fuße des Umeda Sky Building war natürlich ein Weihnachtsmarkt, mit allem was man für eine authentische Erfahrung braucht:
Das ist ein anderer Weihnachtsmarkt, aber auch mit essentieller kulinarischer Erfahrung.
Nebenan ist das große Westin Hotel und dort machte ich eine unerwartete Entdeckung. Zwar ist die Momiji (Herbstlaub) Saison auch in Osaka seit ca. 2-3 Wochen vorbei, aber das Westin hat ein eigenes kleines Momiji-Wäldchen, das si geschützt liegt, dass noch ein bisschen was übrig war von der Farbenpracht.
Von außen eher ein bisschen kitschig, aber drinnen sehr hübsch.Die gefräßigen Koi merken sofort, wenn ein Mensch kommt und sperren die Mäuler auf.
Festival of Lights
Natürlich gibt es im Winter auch in Osaka Lightups, wo ganze Straßenzüge und Gebäude festlich beleuchtet sind. Dank des nassen Wetters habe ich aber nur einen kleinen Ausflug zu solchen Zielen gemacht. Es war trotzdem viel los – wären die Regenschirme auch beleuchtet, wäre es noch beeindruckender.
Hier erst noch ein paar Eindrücke vom Rathaus Osaka bei Tag:
Vor dem Eingang liegt dieser Myaku-Myaku, das Maskottchen der Osaka Expo 2025. Nun, da die Weltausstellung zu Ende ist, musste Myaku-Myaku sich einen anderen Job als Weihnachtsmann suchen.Aber auf Gullideckeln wird seines Einsatzes für die Expo (schon die zweite in Osaka) immer gedacht werden.
Ganz in der Nähe (nur ein paar Schritte von meinem Hotel) liegt auch die historische Stätte des Dōjima-Reismarkts. Hier wurde der Kapitalismus erfunden, zumindest der japanische. Reis war in der Edo-Zeit (1600-1867) die Basis der japanischen Wirtschaft – Reis war buchstäblich Geld. Und in Osaka wurde er gehandelt, was Osaka auch zum wirtschaftlichen Zentrum Japans machte, das bis heute in Konkurrenz zu Edo bzw. Tokio steht. Beim Dōjima-Reismarkt wurde der Handel mit Termingeschäften erfunden, es wurde mit Reis gehandelt, der noch gar nicht geerntet war. Zwischenzeitlich wurde der Reismarkt aufgelöst, weil der Preis dem Shogun zu hoch geworden war, aber später unter staatlicher Aufsicht wieder eröffnet und erst 1939 formal abgeschafft. Merke: der Preis der Reises ist für Japan von zentraler politischer Bedeutung. Die neue Premierministerin (und auch die Vorgängerregierung) versucht ziemlich verzweifelt, den Reispreis wieder runterzukriegen. Denn auch aktuell geht die Inflation beim Reis den Japanern auf die Nerven und an den Geldbeutel.
Das große Reiskorn gedenkt des Dōjima-Reismarkts.Nebendran glückliche Kinder mit Reispflanzen.
Nun aber zum Lightup: tatsächlich wird das Rathaus nach Einbruch der Dunkelheit festlich und sehr dynamisch beleuchtet:
Nebendran ist die Osaka City Central Public Hall. Dort gab es ein Konzert wo singende und tanzende Tiere an die Fassade projiziert wurden.
Hier noch weitere Fotos, ich habe es wegen des Wetters kurz gehalten. Die Leute von Osaka sind da härter drauf und haben sich vom Regen nicht abschrecken lassen.
Essen
Nun bin ich ja nicht nur zum Baden und Sightseeing in Japan, sondern immer auch zum Essen. Hier ein paar erste Einblicke:
Vorspeise im Flugzeug: geräucherter HeilbuttHauptgang: Gänsebraten. Ich habe diesmal eines der westlichen Essen gewählt, denn bei der Lufthansa ist um diese Jahreszeit das japanische Hauptgericht immer ein mittelmäßige quasi-Sukiyaki. Das hatte ich schon letztes Jahr.Mittagessen: Katsu (Schnitzel) Curry bei CoCo Ichibanya.
CoCo Ichibanya ist eine Kette in Japan, die sich auf japanisches Curry spezialisiert hat, dabei aber amerikanische Individualisierung betreibt: Topping, Reismenge, Schärfegrad, Art der Currysauce u.v.m. lässt sich anpassen, es gibt auch glutenfrei, vegan und sogar mit Blumenkohl-„Reis“ statt echtem Reis für Kohlenhydrat-averse. Mein Curry beinhaltet alle Allergene und bricht alle Gebote von Religionen und Ernährungsstilen – typisch alter weißer Mann. Was mich aber überrascht hat: der Schärfegrad 1, das ist das kleinste über normal, ist schon ordentlich würzig. Die Skala geht bis 10, da kommen dann wahrscheinlich sogar Leute aus Südindien auf ihre Kosten.
Abendessen: Unagi (gegrillter Aal) auf Reis. Dazu Kartoffelsalat, Kimchi, mit Unagi gefülltes Omelett und Aal-Lebersuppe. Kam als Set.
Hier ein paar Eindrücke vom Frühstücksbuffet:
Mein erster Gang: Reis, Natto, Fisch, Gemüse, Misosuppe
Was völlig irre ist, sind die Kosten für Essen. Die Japaner klagen lauthals über Inflation, aber durch den Yen-Kurs von derzeit 184 Yen pro Euro ist für mich alles fast schon lächerlich billig. Das Curry mit dem Schnitzel? €6,68, inkl. Eiswasser. Der Unagi (ein Luxusessen)? €13,34 inkl. Bier. Wahnsinn. Ohne den Yenkurs hätte ich mir die Nacht im Candeo Hotel aber auch nicht geleistet, sondern hätte was günstigeres genommen.
Am heutigen Montag musste ich meine Reiseplanung mit meiner Logistik in Einklang bringen, denn ich musste morgens raus aus dem schönen, aber auf Dauer viel zu teuren Hotel Candeo und konnte erst um 15.00 Uhr in mein sehr viel günstigeres Hotel Sobial einchecken. Also habe ich die Kamera ausgepackt, habe mein Gepäck beim Auschecken lagern lassen und bin zur Burg Osaka gepilgert.
Burg Osaka und Historisches Museum Osaka
Nun gilt Osaka über weite Teile der japanischen Geschichte hinweg als die ewige Nummer 2: heutzutage die zweitwichtigste Stadt nach Tokio, früher noch stärker im Schatten der alten Hauptstadt Kyoto. Es gab aber auch Zeiten, da war Osaka die Nummer 1 oder zumindest ein ganz zentraler Lokus der Macht in Japan. Und da spielte immer der Ort, an dem heute die Burg Osaka steht, eine zentrale Rolle.
Bereits im 7. Jahrhundert stand hier der Naniwa-Palast, eine der frühen Hauptstädte Japans, sogar noch vor Nara. Im 16. Jahrhundert stand hier der buddhistische Tempel Ishiyama Hongan-ji. Das waren jetzt keine so ganz harmlosen Mönche, vielmehr hatten sie ungemeine militärische und politische Macht in dieser unruhigen Zeit. Der erste Reichseiner Oda Nobunaga belagerte den als uneinnehmbar geltenden Tempel 10 Jahre lang und zerstörte ihn schließlich 1580. Sein Gefolgsmann und Nachfolger, der zweite Reichseiner Toyotomi Hideyoshi errichtete dann am Standort des Tempels seine Burg und beherrschte von hier aus Japan bis zu seinem Tod 1598. (Wer die Serie Shogun gesehen hat: das ist die Burg, aus der „Toranaga“ fliehen muss). In dieser Zeit war Osaka auch wirklich das Zentrum der politischen Macht in Japan, auch wenn der politisch unbedeutende Kaiser weiterhin in Kyoto saß. Unter dem dritten Reichseiner und ersten modernen Shogun Tokugawa Ieyasu war Osaka dann wieder Nebenschauplatz. Er ließ die Burg 1615 schleifen und löschte den Toyotomi-Klan endgültig aus. Eine von Tokugawa neu errichtete Burg wurde dann während der Meiji-Revolution 1868 zerstört. 1931 wurde eine Rekonstruktion der Burg aus Stahl und Beton gebaut und 1995-97 so renoviert, dass sie möglichst aussieht wie die historische Anlage. Was man heute sieht, ist also keine Originalburg, aber sie steht an höchste geschichtsträchtigem Ort.
Der Donjon, das zentrale Gebäude der Festungsanlage.Ich war nicht drinnen im Donjon, obwohl er einen entscheidenden Vorteil gegenüber originalen Anlagen hat, nämlich einen Aufzug. Die Mauern drumherum wurden aus ganz besonders großen Steinen zusammengefügt. Zum Größenvergleich: der blaue Pfosten mit Infotafel ist fast mannshoch.Dieser Wachturm ist der älteste original erhaltene Teil aus dem frühen 17. Jahrhundert.Dieses Machwerk direkt neben dem Donjon diente ursprünglich als Kommandozentrale einer Heeresdivision.Aber soll noch einer sagen, es gibt keine Festung mehr in Osaka: direkt gegenüber ist das Hauptquartier der Polizei von Osaka (die „Scheibe“ auf dem Dach ist ein Helipad). Und direkt dahinter mit der gebogenen Fassade ist NHK Osaka, das staatliche Fernsehen — in dem Gebäude ist auch das Osaka Historical Museum.
Das Osaka Historical Museum illustriert die Geschichte von Osaka mit dem Fokus auf drei Epochen: die Naniwa-Zeit (7. Jahrhundert), die Zeit des Hongan-ji (16. Jahrhundert) und die Zeit des „Greater Osaka“ im frühen 20. Jahrhundert, als Osaka die umliegenden Gemeinden absorbierte und zwischenzeitlich sogar mehr Einwohner hatte also Tokio.
Darstellung des Hongan-jiBunraku-Marionette
Dotonbori, Shinsaibashi und America-mura
Ich musste noch Zeit totschlagen, bevor ich mein Gepäck abholen und dann ins neue Hotel einchecken konnte, also bin ich ins „Zentrum“ von Osaka gefahren. Eigentlich hat Osaka genau wie Tokio mehrere Stadtteile, die fast schon eigenständige Großstädte sind, aber die Fressmeile Dotonbori und die umliegenden Distrikte sind zumindest das Zentrum des Tourismus. Eigentlich ist der frühe Nachmittag keine ideale Zeit um dahinzugehen, denn bei Nacht ist das alles schöner, aber ein paar Motive entfalten auch bei Tageslicht ihren Charme.
Insbesondere der Hozen-ji Tempel mitten in den Gassen von Dotonbori…… mit der moosbedeckten Statue der Gottheit Fudō Myōō.Ebenso das bizarre Riesen“rad“ am Ebisu Tower, wo ein Filiali des Schnäpchenkaufhauses Don Quijote untergebracht ist.
Hier einfach ein paar Eindrücke von Dotonbori:
Der Glico-Mann, die wahrscheinlich berühmteste Werbung Japans, sieht bei Nacht allerdings besser aus.
Unweit sind die Viertel America-mura, wo es u.a. viele Geschäfte mit Vintage-Klamotten gibt und Shinsaibashi. Hier nur ein paar Eindrücke:
Nun konnte ich auch in mein neues Hotel Sobial einchecken. Das Zimmer ist wesentlich kompakter, aber wie für japanische Business Hotels üblich sinnvoll geschnitten und ungleich günstiger. Sento (öffentliches Bad) und top Frühstück hat es auch und es liegt direkt an der U-Bahnstation. Sehr praktisch.
Foodtour durch Nishinari
Am späten Nachmittag war ich dann auf einer Walking Food Tour durch Nishinari. Das gilt als ein besonders „verrufenes“ Viertel, obwohl nur zwei U-Bahnstation von Namba/Dotonbori entfernt. In Ländern mit Bevölkerungswachstum wäre das längst gentrifiziert, aber hier hat es immer noch den Charakter eines arme-Leute-Viertel. Hier zogen nach dem 2. Weltkrieg die Bauarbeiter hin, die das weitgehend zerstörte Osaka wieder aufbauten. Sie gehörten oft zu gesellschaftlichen oder ethnischen Minderheiten (die sog. Burakumin, sowie Leute aus Okinawa und Koreaner) und die Gegend ist bis heute von geringen Einkommen, billigen Mieten, Obdachlosigkeit aber auch für Japan enormer gesellschaftlicher Vielfalt geprägt.
Warum geht man dahin? Zum einen ist es interessant, mal einen anderes Aspekt des urbanen Japan zu sehen. Zum anderen hat Terry Pratchett mal gesagt: „The best cooking everywhere in the multiverse has been evolved by people who had to make desperate use of ingredients their masters didn’t want.“ Ich suchte also nach einer Food Tour, die sich nicht nur an Anfänger auf ihrer ersten Japanreise richtete.
Die Tour Guide war Jamie, eine Australierin, die einen Japaner geheiratet hat und die beiden kauften sich (zum Entsetzen der Schwiegereltern) seht günstig eine Wohnung in Nishinari. Jamie ist großer Fan der Geschichte und der Community von Nishinari, nicht zuletzt weil sie hier auch als nicht-Japanerin leichter Kontakte knüpfen kann und schneller akzeptiert wird. Ich war übrigens der einzige Gast auf dieser Tour, das kann sich für Jamie kaum gelohnt haben.
Und wie ist es so im „verrufensten“ Teil von Osaka? Immerhin gibt es ein Rotlichtviertel und die Yakuza ist aktiv. Aber wir reden immer noch von Japan, also alles völlig harmlos, zumindest in Begleitung einer ortskundigen Führerin. So bin ich auch in Kneipen gegangen, wo ich normalerweise schwertun würde, da die Speisekarte oft nur handschriftlich ist, da versagt dann auch Google Translate.
Die erste Kneipe war schon richtig urig. Der Dackel heißt Lei-chan. Gegrillter SchweinedickdarmSchweinezunge mit Sprossen
Jamie führte mich dann durch diverse Einrichtungen von Nishinari, z.B. durch eine höllisch laute Pachinko-Spielhalle.
Da waren dann historische Pachinko-Spiele ausgestellt. Die heutigen sind alle mit Computergrafik (die Stahlkugeln bleiben aber echt).Das wiederum ist keine Spielhalle……sondern der sehr günstige und große Supermarkt, der bunt geschmückt ist.Es weihnachtet sehr, die Krippe wirkt schon wie ein Mini-Schrein.In der zweiten Kneipe gab es u.a.Hühnchen Sashimi mit Zwiebeln und Ingwer……gegrillter Spam mit Spiegelei……aber auch ganz normales Torii-Karaage.Alles sehr lecker!
Streetart gibt es in der Gegend auch, das meiste allerdings ganz offiziell vom Besitzer des Gebäudes erlaubt oder sogar bestellt.
Zum Abschluss gab es noch Gyoza. Man wickelt sie hier gerne in einen Streifen grüne Paprika.
Jamie hätte mich auch noch weiter gefüttert, aber gegen 19 Uhr nach 3h Tour war ich hundemüde und konnte auch ehrlich nicht mehr essen. Hat sich aber in jedem Fall gelohnt!
Achtung: zwei Posts relativ schnell hintereinander. Wer „22.12.2025 – Osaka Castle, Nishinari“ noch nicht gelesen hat, möge runterscrollen oder den Link benutzen.
Heute totales Kontrastprogramm zum eher historischen Programm gestern: ein Trip nach Universal Studios Osaka. Das hatte ich ursprünglich gar nicht vor, aber nachdem ich unerwartet zwei Tage früher fliegen konnte, hatte ich auf einmal mehr Zeit, also warum nicht? JR West bringt einen schnell und zuverlässig zur Station „Universal City“ auf einer vorgelagerten künstlichen Insel und dann ist man recht schnell beim Park.
Der Park öffnet um 08.30 Uhr. Diese Bild entstand ca. 40 Minuten früher an den Schlangen zur Security. Ein Flughafen ist nichts dagegen.
Drinnen war es dann aber gar nicht sooo schlimm. Für die neuesten und populärsten Rides gab es Wartezeiten bis zu 3 Stunden. Aber ich hatte mir für meine „must haves“ einen sog. Express Pass geleistet, mit dem man sehr viel schneller drankommt (sofort bis ca. 15 Minuten Wartezeit) und an den älteren Rides waren die Wartezeiten ohnehin viel geringer. So konnte ich in den Jaws Ride und Jurassic Park Ride ohne nennenswerte Wartezeit rein und die sind so lustig wie eh und je. Fotos kann man in den Rides in der Regel aber nicht machen. Ist nicht praktikabel, weil selbst bei den harmloseren Sachen es schlecht wäre, wenn die Handys ins Wasser fallen.
Der Hafen von Amity, wo der Weiße Hai sein Unwesen treibt. Man fährt da mit ein Boot rum und der Monsterhai taucht immer wieder auf, während der Kapitän panikt und mit einer Schrotflinte um sich schießt.Ruhige Szene aus Jurassic Park: The RideWaterworld war schon als Film ein Flop, jetzt haben sie auch die Show gecancelt und bauen dort was neues.
Der neueste und vollste Bereich ist Super Nintendo World, den es bis vor kurzem auch nur in Osaka gab (nun auch in Orlando). Dort gibt es auch die langen Wartezeiten, aber zumindest für Mario Kart: Koopah’s Challenge hatte ich einen Express Pass. Das ist ein Ride so ähnlich wie früher Men in Black wo man eben Mario Kart fährt und auf Gegner und eingeblendete Monster mit Schildkrötenpanzern wirft. Der Clou ist die Technik: man hat ein Visier auf, wo einem das alles per Augmented Reality eingeblendet wird. Man sitzt aber auch gleichzeitig in einem fahrenden Kart, allerdings zu viert und nicht allein und das läuft natürlich auf Schienen.
Eine der schönen Sachen an Universal ist, dass sie einem das Schlange stehen mit ziemlich coolen Kulissen versüßen. Einige der Bilder oben entstanden in der Warteschlange für Mario Kart.
Die neueste Subsektion von Super Nintendo World ist Donkey Kong Country.
Der begehrteste Ride ist eben die Mine Cart Madness oben. Das ist eine Achterbahn in „Bergwerksloren“ wo man auch Lücken in den Schienen überspringt. Da wäre die Wartezeit aber bei 3h gewesen und ich hatte keinen Express Pass, also habe ich das bleiben lassen.
Hier bekommt man einen Eindruck.
Eine der beliebtesten Sektionen ist Minion Park. Hier dreht sich alles um die bananengelben Quatschköpfe aus den „Despicable Me“ und „Minion“ Filmen. Ich habe auch den „Minion Mayhem“ Ride gemacht, wo man in Minions verwandelt wird und mit einer 4D Achterbahn (echte Bewegung plus 360 Grad Kino) durch die Forschungs- und Produktionsanlagen des Schurken Gru gejagt wird.
Aber der extremste Ride, den ich gemachte habe, war Flight of the Dinosaur. Das ist eine Achterbahn, wo man mit dem Bauch und Gesicht nach unten unter den Schienen rast, als würde man fliegen (oder in den Klauen eines Dinosauriers getragen werden). Mit Loopings, Korkenziehern und extremen Stürzen, das Bild wird dem gar nicht gerecht. Ich bin zu alt für diesen %&$%&$!Danach war ich bereit für ein Konzert von Kuromi aus dem „Hello Kitty“ Universum.
Danach noch ein kurzer Abstecher nach Hogwarts für „Harry Potter: The Forbidden Journey“, ein weiterer 4D Ride, wo man mit dem Besen fliegt. Die Harry Potter Sektion von Universal Studios ist jetzt schon mehr als 10 Jahr alt, aber immer noch beliebt, die Potterheads sterben nicht aus.
Insgesamt habe ich sechs Rides gemacht: Jaws, Jurassic Park, Mario Kart, Flight of the Dinosaur, Minion Mayhem, Harry Potter and the Forbidden Journey. Außerdem habe ich eine Art Schnitzeljagd mit Rätseln zu „The Apothecary’s Diary“, einem beliebten Anime gemacht. Als Belohnung hätte es noch ein Meet & Greet mit den Charakteren gegeben, aber ich bin um ca. 15 Uhr gegangen, weil ich fix und fertig war.
Kulinarisches
In Universal Studios habe ich nicht gegessen, das Angebot ist nicht nach meinem Geschmack und außerdem war mir von den vielen bewegungsintensiven Rides oft ein bisschen schlecht. Daher hier Bilder vom Frühstücksbuffet in meinem Hotel und vom Abendessen bei Kura Sushi.
Übrigens: der Jetlag ist wieder da, heute war um kurz vor 4.00 Schluss mit Schlafen. Macht aber nix, ich will eh einen frühen Ausflug nach Kyoto machen.
Zunächst einmal: Frohe Weihnachten! Hier ist schon Heiligabend und ich hatte gerade mein Weihnachtsdinner. Zwar nicht KFC, wie es japanische Tradition wäre (eigentlich auch erst am Weihnachtstag und nicht am Heiligabend), sondern Yakitori bei Torikizoku, einer Izakaya-Kette, die sich auf Hühnerspießchen spezialisiert hat und eine Filiale direkt neben meinem Hotel betreiben.
Leber (da fehlen schon zwei Stückchen), Schenkel mit Lauchzwiebeln, Haut. Später kam noch Gurgel und Herz dazu. Alles sehr lecker.Und für Vitamine und Ballaststoffe sorgt der Kohl mit Sesamöl.
Und hier noch gleich der Rest der kulinarischen Ausbeute heute:
Tonkotsu RamenTaiyaki (fischförmige gefüllte Waffel) mit Anko (süße Paste aus roten Bohnen).
Fushimi Inari-taisha
Ein Vorteil an Osaka ist, dass viele andere Städte gut als Tagesausflug zu erreichen sind. Nach Kyoto ist es – Hoteltür bis zum ersten Schrein Tori – nur 1,5h. Und ich hatte da noch was nachzuholen.
Im Sommer 2023 war ich letztes Mal dort und ärgerte mich über die Menschenmassen am Fushimi Inari Schrein, die mich daran hinderten, schöne Fotos von den Tausend Tori zu schießen. Und die brütende Hitze hinderte mich dran, bis zum Gipfel des Mount Inari zu klettern, wo die Menschenmassen deutlich kleiner gewesen wären.
Dabei hätte man beides auch im Sommer durchaus schaffen können, denn der Schrein ist 24h geöffnet. Man hätte nur einfach in aller Herrgottsfrühe oder mitten in der Nacht hingehen müssen. Und genau das habe ich jetzt gemacht: ich schlug ca. 6.30 Uhr am Eingang auf.
Selbst dann ist man zwar nicht ganz alleine……aber von Menschenmassen kann keine Rede sein.Normalerweise geht es hier zu wie im Taubenschlag, diese Halle wäre kaum zu fotografieren.Aber morgens vor Sieben ist die Welt noch in Ordnung.
Entsprechend konnte ich die Tausend Tori auch ohne Touristenhorden fotografieren. Manchmal musste ich nur einen Moment warten, bis die anderen Frühaufsteher wieder aus dem Bild waren. Und bei knapp 10 Grad klettert es sich auch viel angenehmer bis auf den Gipfel als bei 35 Grad. Hier also die Eindrücke:
Und hier zum Beweis das Bild vom Schrein am Gipfel.
Insgesamt ca. 2,5h Kletterpartie und Fototour, natürlich mit Pausen. Damit kann ich den Fushimi Inari Schrein jetzt von der Bucket List streichen.
Yasaka-Schrein
Man könnte in Kyoto tagelang nichts anderes machen, als Schreine und Tempel zu besuchen, ohne einer kompletten Sammlung auch nur nahe zu kommen. Aber ein bisschen was wollte ich mir doch noch ansehen, vor allem solche Stätten, die ich noch nicht kenne. Der erste davon: der Yasaka-Schrein im Gion-Viertel. Dort wird der Sturmgott Susano-no-o-mikoto verehrt – vielleicht kann er ja dafür sorgen, dass der Regen, der heute teils wieder plätscherte, sich verzieht?
Ein Wassernebel speiender Drache, rette sich, wer kann! (Im Sommer ist der bestimmt extrem beliebt).
Nun wäre Kyoto nicht Kyoto, wenn man nicht auf dem Weg von einem Schrein zum nächsten an mehreren monumentalen Tempeln vorbeikäme:
Heian-jingū
Im Gegensatz zu den teils wirklich uralten anderen Schreinen und Tempeln in Kyoto ist der Heian-jingū ein richtiger Johnny come Lately aus dem späten 19. Jahrhundert. Aber er ist trotzdem beeindruckend, vor allem wegen seiner schieren Größe. Es sollte der 1100. Jahrestag der Gründung von Kyoto begangen werden und ich nehme mal an, es sollte außerdem die Vormacht des Kaisers, der nach der Meiji Revolution jetzt wieder im Zentrum stand, zementiert werden. Alles an diesem Schrein ist groß, angefangen mit dem Mega-Tori.
Wäre jetzt nichts so wahnsinnig Besonderes, aber er hat einen wunderschönen Garten, der die 600 Yen Eintritt allemal wert ist:
Seimei-jinja
So, jetzt wird es richtig nerdig, der Seimei-Schrein. Hier wird Abe no Seimei verehrt, ein Onmyōji, also ein Wahrsager und Hofbeamter aus dem 10. Jahrhundert. Damals war Wahrsagung, basierend auf Yin und Yang und den chinesischen fünf Elementen nicht nur der letzte Schrei, sondern fast schon das Betriebssystem des kaiserlichen Hofstaats. Das war damals alles noch sehr chinesisch angehaucht.
Aber dieser Abe no Seimei ist quasi der japanische Merlin, der legendäre Magier, der in der Populärkultur immer und immer wieder auftaucht. Als Held oder als Bösewicht, in seiner eigenen Epoche oder reinkarniert. Jemand hat besondere magische Fähigkeiten? Muss ein Nachfahre von Abe no Seimei sein. Der Schrein ist ziemlich winzig, aber ich wollte da einfach gerne mal hin. Hier die Bilder:
Sehr viel mehr gab es da nicht zu sehen außer einem heiligen Baum rechts vom Schrein. Der wurde aber während meines Aufenthalts bestetig von einem Gläubigen umarmt, das wollte ich nicht durch ein Foto entwürdigen.
Toei Kyoto Studio Park
Als letzten Programmpunkt wäre ich gerne noch zum Kyoto Railway Museum gefahren, aber das hat ausgerechnet Mittwochs zu (wusste ich aber). Also habe ich noch eine Stätte besucht, wo ich 2014 schon mal war, den Toei Kyoto Studio Park. Das ist quasi das Geiselgasteig von Kyoto, wo vor allem Historiendramen, Samuraifilme und Ninja-Action gedreht wurden und werden. Hier war auch definitiv Nebensaison mit nur wenigen Besuchern, das schlechte Wetter machte alles ein wenig trübselig. Sie sind wohl dabei, den Park umzubauen und zu aktualisieren, aber das ist noch nicht fertig gestellt.
Vieles in dem Park sind schlicht Kulissen, die aber immer noch für Filmdrehs benutzt werden:
Dieses arme Anwesen am Fluss wird alle fünf Minuten von einem Monster angegriffen!In diesem Gebäude ist ein japanisches Spukhaus, durch so eins wollte ich immer schon mal durch. Auf jeden Fall gruseliger als eine Geisterbahn auf dem Oktoberfest!Den Eva-Mecha aus Neon Genesis Evangelion gab es 2014 noch nicht.
Ich habe mir dann noch eine Ninja-Show angesehen. Natürlich komplett japanisch, ich konnte die Handlung nur raten. Ich glaube, es ging um einen Shinobi (Ninja) des Shoguns, der zusammen mit einem Kameraden eine Botschaft überbringen soll und dabei immer wieder von gegnerischen Ninjas angegriffen wird. Grund ist natürlich der Kamerad, der eigentlich ein Verräter ist und am Schluss sein gerechtes Ende findet. Vor allem aber geht es natürlich um Kostüme, Akrobatik und Action-Choreographie.
Danach bin ich zurück nach Osaka gefahren und habe meine müden Knochen in das heiße Hotelbad eingelegt. Shiawase!
Pandakrise
2022 habe ich noch blöde Witze gemacht, dass China wegen eines Konfliktes um Taiwan seine Pandas aus Japan abziehen könnte und so eine (Sinn-)Krise in Japan auslöst, s. https://www.markusreisen.de/japan/japan2022/28-12-2022-tokio/ und dann runterscrollen zu „Ueno Zoo“. Gemeint war das als Parodie auf die deutsche Abhängigkeit vom russischen Gas.
Au Zwick! Wie bei mir üblich dauert es 36-48 Stunden, bis ein Muskelkater sich einstellt und nach den Tausenden Treppenstufen in Kyoto ist es jetzt (am 26.12. morgens) soweit. Das Hotelbad lindert den Effekt, aber ich fühle mich wie ein alter Mann. OK, ich bin ein alter Mann. Immerhin ist der Jetlag langsam überwunden, heute (26.12.) bin ich erstmals vom Wecker (um 6 Uhr) aufgewacht nach beinahe 8 Stunden Schlaf. Das hilft.
Kokura
Manchmal bekomme ich ja so Wahnsinnsideen, die kein vernünftiger Mensch durchziehen würde. Eine davon ist ein Ausflug von Osaka nach Kokura im Norden Kyushus. Warum? Weil hier einst die Hosokawas herrschten, zu denen (durch Heirat) auch Hosokawa Gracia gehörte? (Die war das historische Vorbild für Mariko in der Shogun-Serie, hat aber den Anjin nie getroffen).
Nein! Weil hier die Firma Toto, die Erfinder und weltweit führenden Hersteller von Bidet-Toiletten, den sog. Washlets sitzt, die das Toilettenwesen in Japan umkrempelten und zunehmend in der ganzen Welt. Und weil es hier das Toto Museum und den Toto Showroom gibt! Und so weit ist es dann mit dem Shinkansen auch nicht, in 2h 12min ist man von Shin-Osaka in Kokura.
Kokura gehört übrigens zu Kitakyshu, der nördlichsten Stadt auf der Insel Kyushu. Hier verbrachte auch der berühmte Mangaka Leiji Matsumoto viele Jahre, der Schöpfer von Galaxy Express und Captain Harlock. Entsprechend wird man auch schon am Bahnhof begrüßt:
Aber nun zum Toto Toilet Museum:
Wie man unschwer erkennen kann, ist Toto eine wichtige Firma in dieser Stadt.Entsprechend macht auch das Museum architektonisch was her.Willkommen geheißen wird man auch, Eintritt kostet das Museum nicht.
Toto bzw. die Vorgängerfirmen seit 1917 hatten zwar immer schon auch das Ziel, Sanitärwaren herzustellen. Ursprünglich fand sich dafür aber nicht genug Nachfrage, also brannte man auch Porzellangeschirr im westlichen Stil.
Das hier ist eine Replika der ersten Sitztoilette aus japanischer Herstellung. Sie stammt aber noch nicht von Toto.Das hier ist die erste Sitztoilette von Toto (bzw. der Vorgängerfirma, die hieß damals nocb anders). Allerdings noch ohne Bidet-Funktion, das wäre 1927 auch zuviel verlangt gewesen.Aber das hier ist es: das erste Washlet von 1980. Toto ging damals voll auf Risiko, denn es gab in Japan bisher keine Toilette mit integriertem Bidet. Schlug aber ein wie eine Bombe und heute will keiner mehr ohne sein.Das wiederum ist kein Ausstellungsstück, sondern eine Gästetoilette. Natürlich eins der neuesten Modelle! Der Weitwinkel bzw. die Linienkorrektur verzerren die Dimensionen etwas.
Toto stellt übrigens nicht nur Toiletten her. Bad- und Küchenausstattung liegen natürlich nahe, aber sie machen auch Industrie- und Hightech-Keramik, ähnlich wie Kyocera. Die Herstellung von Geschirr stellten sie aber 1970 ein.
Und dieses Toiletten-Motorrad gelangte nie bis zur Serienreife.Das ist wohl das aktuelle Top-Modell mit Red Dot Design Award.Das ist für den amerikanischen Markt. Ein echte Amerikaner braucht immer einen großen Spülkasten, der so richtig „Whoosh!“ macht. Fragt mal Al Bundy.Ein Gerät für den europäischen Markt. Anscheinend mögen wir in Europa Hängetoiletten?Für den asiatischen Markt.Ein Washlet ohne Stromanschluss mit Bidetfunktion über Wasserdruck. Für Länder ohne Strom auf dem Klo.
Weitere Modelle:
Im alternden Japan ist Barrierefreiheit sehr wichtig!
Toto stellt auch Waschbecken, Küchenzeilen und Badezimmer her. Letztere sind in Japan gerne sehr kompakt, zumal der Japaner neben der Badewanne duscht und nicht in ihr.
Dabei ist Toto definitiv eine Premiummarke. Eine luxuriöses Badezimmer wie das letzte in der Bilderreihe oben geht gerne für 5 Millionen Yen (€27.000) her.
Eine Burg gibt es auch in Kokura. Ein Nachbau von 1959, aber hübsch. Wie gesagt wurde sie ursprünglich von Hosokawa Tadaoki, dem Ehemann (und Witwer) von Hosokawa Gracia erbaut.
Ansonsten muss man sagen, dass Kokura, wie viele andere japanische Städte nur an bestimmten Stellen hübsch ist. Das Gesamtbild ist ziemlich zusammengewürfelt.
Es gibt kein Kanji für „Ensembleschutz“……wohl aber eins für „Garten“: 園
Miyajima
Danach habe ich mich wieder in den Zug gesetzt und bin (mit Umstieg in Hiroshima) nach Miyajima gefahren. Warum nur? Denn ich war da ja im Sommer 2023… Nun, ich verfolge einen tückischen Plan, den ich erst gegen Ende der Reise enthüllen werde. Darüber hinaus ist es ähnlich wie beim Fushimi Inari Schrein: im Sommer 2023 war es sauheiß, ziemlich überfüllt und ich habe es nicht bis nach oben auf den Berg geschafft. All diese Probleme gab es jetzt nicht und es liegt (einigermaßen) auf dem Weg, also warum nicht?
Die Hauptsehenswürdigkeit ist natürlich weiterhin das schwimmende Tori vor dem Itsukushima-Schrein:
Aber natürlich gibt es auch die Sika-Hirsche, ähnlich wie in Nara, wobei es hier keine Sika-Senbe (Hirschkekse) gibt, die man kaufen und verfüttern könnte.
Entsprechend unflätig führen die Biester sich auf. Andere sind ganz entspannt……oder sehr gesellig.
Nicht zuletzt bin ich diesmal aber hoch auf den Berg gefahren, allerdings mit der Seilbahn und ohne dann noch die Wanderung zu dem anderen Gipfel zu machen. Denn es war oben recht kalt und windig, vor allem aber war schon nachmittag und die letzte Seilbahn nach unter fuhr um 16.30 Uhr, die wollte ich auf keinen Fall verpassen. Dennoch hat man von der Aussichtsplattform bei der Bergstation eine schöne Aussicht.
Bei der Fahrt nach oben entdeckte ich diesen Ahorn, dem wohl niemand gesagt hat, dass die Momiji-Saison vorbei ist.Für diese letzte Aussicht war ich schon wieder am Boden.
Essen
Mittagessen war dieses gemischte „Reise durch Kyushu“ Eki-Bento. Keine Japanreise ist komplette ohne Ekiben.
Danach bin ich nicht zurück nach Osaka, sondern für eine Übernachtung in Okayama, dass ich am Folgetag zu meiner Ausgangsbasis machte. Abendessen gab es beim Uotami, einer Izakaya-Kette:
Letzte Nacht habe ich einen nächtlichen Zwischenstopp in Okayama gemacht, weil dies viel besser als Ausgangsbasis für meinen heutigen Tagesplan ist: einen Ausflug nach Takamatsu auf der kleinsten der vier Hauptinseln, Shikoku. Von Okayama fährt man da nämlich mit den Marine Liner Rapid (ein Lokalzug, kein Shinkansen) über die Seto Ohashi Brücke über das Seto-Binnenmeer nach Shikoku und dort nach Takamatsu.
Meistens hat man die Brückenstreben zwischen sich und der Aussicht, was fürs Fotografieren nicht gut ist. Aber manchmal kommen auch kurze Abschnitte, wo es nur eine Art Geländer gibt und keine Stahlstreben, und von diesen Abschnitten stammen die Fotos (Hin- und Rückfahrt):
Warum also nach Takamatsu? Ich war 2014 bei der ersten Japanreise schon mal dort und es gibt dort eine Sehenswürdigkeit, die mich sehr beeindruckt hat: den Ritsurin Garten. Nun gibt es ja die drei berühmten japanischen Gärten Kenroku-en in Kanazawa, Koraku-en in Okayama (dazu später mehr) und Kairaku-en in Mito.
Ich war schon in allen drei. Der Kenroku-en ist für mich fraglos die Nummer eins, aber dieses Mal fahre ich nicht nach Kanazawa, das ich aber jedem Japanfahrer nur wärmstens ans Herz lege. Nummer zwei ist für mich aber der Ritsurin-koen, obwohl der gar nicht zu den „offiziellen“ drei schönsten gehört. Ich finde ihn (etwas) schöner als meine Nummer drei, den Koraku-en in Okayama. Der Kairaku-en in Mito mag gartenbaugeschichtlich hochbedeutend sein, weil er der erste für die Öffentlichkeit (und nicht nur für einen Daimyo) gebaute Garten war und somit den Grundstein für Japans heutige sehr ausgeprägte Parkkultur legte. Aber rein von der Schönheit her ist er nicht so spektakulär wie die anderen.
Ritsurin-koen
Für mich ist der Ritsurin-koen daher ohne weiteres einen zweiten Besuch wert. Wahnsinnig viel los war nicht, allerdings musste ich doch immer wieder zwei chinesischen Reisegruppen (die eine groß, die andere kleiner) taktisch ausweichen, aber das ging schon.
Am Eingang ist schon Neujahrsschmuck.Matcha und Manju als Snack im Park.
Und zu guter letzt:
Apocalypse Koi!
Zum Mittagessen war ich dann auch in demselben Lokal wie 2014. Sanuki Udon ist eine lokale Kette von Udon-Läden. Spottbillig und Do-It-Yourself:
Man geht rein……wählt „Beilagen“ wie Korokke oder verschiedene Tempura (ich wollte den Betrieb nicht aufhalten und habe nur aus der Hüfte geschossen, daher kein voller Überblick über die Auswahl)……Oden hätte es auch gegeben, ich habe aber ein Süßkartoffel Tempura gewählt……dannn lässte man sich am Tresen entweder eine große oder eine kleine Portion Udon geben und erhitzt diese in diesem Bad für eine kurze Zeit……und dann zapft man sich hier leckere Brühe und kann noch Ingwer, Frühlingszwiebeln und Shichimi Togarashi drauftun.
Dann nur kurz an der Kasse bezahlen (770 Yen, ein Witz) und…
…Itadakimasu!
Shikoku Mura
Ich habe aber nicht nur meine Reise von 2014 wiederholt, sondern auch noch eine weitere Sehenswürdigkeit angesehen, die wir damals nicht geschafft (oder auch nur auf dem Radar) hatten: Shikoku Mura. Das ist ein Freilichtmuseum, wo alte historische Häuser sowie Werkstätten von der Insel Shikoku bewahrt werden.
Sehr interessant! Allerdings die am wenigsten barrierefreie Sehenswürdigkeit aller Zeiten. Nicht nur haben sie das Ganze an einen Berg gelegt, so dass man ständig hoch- und runterklettern muss (das ist handelsüblich in Japan, auf ebener Fläche würde man lieber ein Reisfeld haben), sondern die Wege sind auch überall aus grobem Naturstein wo man sich prima den Knöchel verknacksen kann.
So wie hier und das war der harmloseste Teil.Von dieser extrem wackeligen Hängebrücke aus Ästen ganz zu schweigen, aber zu der gab es immerhin eine Alternative.
Hier ein paar Eindrücke:
Unter anderem haben sie da auch eine ganze historische Sojasaucen-Brauerei konserviert – Shikoku war vor dem zweiten Weltkrieg und der danach einsetzenden Massenproduktion ein Zentrum der Sojasaucen-Braukunst. Und dank eines leerreichen Videos weiß ich jetzt auch, wie Sojasauce hergestellt wird, inkl. zehnmonatiger Fermentation. Hier die Bilder dazu:
Okayama
Danach bin ich zurück zum Bahnhof und von dort zurück nach Okayama. Dort wiederum hatte ich Zeit, mir noch den Koraku-en anzusehen. Der ist kleiner als und für mich nicht ganz so schön wie der Ritsurin, aber er hat als einziger der großen Gärten eine Burg. Ein Nachbau zwar, aber als Backdrop für die Fotos ist das eine tolle Sache.
Koraku-en
Dann wieder zum Bahnhof Okayama für die Rückfahrt nach Osaka. Ab heute sind alle Nozomi-Shinkansen (die schnellsten) nur mit Sitzplatzreservierung in Antizipation von Neujahr und ich hatte keinen Bock, mich dafür anzustellen. Also habe ich einen Hikari-Shinkansen mit fast doppelter Fahrzeit genommen (macht mehr Halte), aber das gab mir Zeit für die Bildbearbeitung.
Vorher habe ich mich noch von Momotaro, einem mythologischen Helden, verabschiedet, der am Bahnhof von Okayama Wache steht, damit er nicht von bösen Oni überfallen wird.
Das war jetzt schon eine ganze Menge Aktion für einen Tag, zumal gerade die Sights in Takamatsu nicht gerade nebeneinander liegen. Wie habe ich das geschafft? Ganz einfach: Taxis. Für die großen Strecken (also Okayama-Takamatsu und zurück) nahm ich natürlich den Zug, aber für alles andere habe ich mich vom Taxi kutschieren lassen. Nicht ganz billig, aber auch nicht prohibitiv teuer und mit Uber kann man sich zuverlässig ein Taxi rufen, auch ins off z.B. nach Shikoku Mura. Sehr praktisch.
Essen
Das Dormy Inn in Okayama hatte nicht nur einen sehr schönen Onsen, sondern auch ein sehr gutes Frühstück (wenngleich nicht so spektakulär wie das Dormy Inn in Aomori, wo ich Anfang des Jahres war):
Mittagessen war Udon, s. oben. Abends war ich dann wieder beim Kura Sushi in Osaka – wenn ich fix und fertig bin, ist das immer eine gute Lösung:
Aber auch mein Hotel in Osaka hat ein gutes Frühstück. Der Clou ist das frische Seafood!
Heute bin ich dann tatsächlich mal in Osaka geblieben, wobei das erste Ziel mich schon in einen der Vororte führte. Dort liegt der Minoo Park, ein Naherholungsgebiet, das vor allem im Herbst für seine bunten Blätter beliebt ist. Die Momiji-Zeit ist leider vorbei, aber für eine schöne und zeitlich begrenzte Wanderung ist der Park allemal gut.
Dort fährt man mit der Hankyu Line hin. Das ist eine Privatbahn, die 1910 ihren Betrieb aufnahm. Die Züge wirken eleganter als die von JR West.
Das hat seinen Grund: der Gründer der Hankyu-Eisenbahn wollte seine Investition voranbringen. Daher baute er Wohnviertel entlang der Linie, er baute ein Kaufhaus am Bahnhof Umeda (Osaka) und er baute in Takarazuka ein Musical-Theater. Diese Takarazuka Revue gibt es bis heute und erfreut sich größter Beliebtheit, denn alle Rollen werden von Frauen gespielt. Insbesondere die Schauspielerinnen, die die männlichen Hauptrollen übernehmen, sind große Stars. Natürlich wäre ich auch gerne ins Theater, aber das sollte nicht sein. Das neue Stück läuft erst am Neujahrstag an. Tickets für den 1./2. Januar gab es schon nicht mehr, als der Kauf für Ausländer möglich wurde. Für den 3. Januar hätte ich welche bekommen, aber da sitze ich schon im Zug nach Tokio. Schade, aber kein Beinbruch.
Aber so wird mir das Stück „The Wand’rin Stars“ über Mods versus Rocker in Brighton (kein Witz!) vorenthalten bleiben.
Minoo Park
Also stattdessen in den Minoo Park. Dafür, dass der an einem Berg liegt (logisch) ist der Weg super-barrierefrei, bis auf die letzten 200 Meter (dazu mehr beim Bild) und landschaftlich sehr hübsch.
Der Gullydeckel zeigt, wofür der Minoo Park berühmt ist: Herbstblätter und Wasserfall.
Auf dem Weg liegt der Ryuan-ji, ein hübscher Tempel:
Wie gesagt ging der Wanderweg zwar bergauf, was aber ansonsten super gepflastert und bequem. Nur auf den letzten 200 Metern vor dem Wasserfall musste man auf einen wesentlich unwegsameren Pfad ausweichen.
Der Grund: das Geschäft / Restaurant kurz vor dem Wasserfall ist Ende November abgebrannt.
Dem Wasserfall ist aber nichts passiert.
Auf dem Weg nach unten war ich noch im Minoo Insektarium. Dort haben sie einige spektakulär riesige Käfer (sowohl lebende als auch konservierte) und eine Schmetterlingsvoliere.
Sehr schön: dieser „Weihnachtsbaum“ ist mit sich verpuppenden Schmetterlingen geschmückt.
Osaka Ramen Expo 2025
Danach bin ich zum Weltausstellungspark gefahren. Nicht dem von 2025, da wissen sie noch nicht so recht, was sie mit dem Gelände machen. Sondern dem von 1970.
Allerdings nicht, um den „Sonnenturm“ zu fotografieren.
Sondern für:
Die Osaka Ramen Expo 2025, die größte Nudelsuppenmesse der Welt!
Obwohl Mittagessenszeit war, war noch nicht soviel los. Vielleicht sind nachmittags oder abends mehr Leute da. Nachmittags wäre noch ein Cosplay-Event gewesen, das hätte mich schon gereizt, aber nicht um drei Stunden da rumzuhängen.
Das System war etwas seltsam: man musste sich am Eingang Tickets für Ramen kaufen, soweit klar. An den Ständen selbst konnte bzw. musste man sich dann aber Toppings aussuchen und vor Ort bar bezahlen. Nicht gerade effizient, aber bei noch relativ wenigen Besuchern auch unproblematisch.
Hier nun meine Ausbeute:
Ramen mit Sardinenbrühe aus Aomori, mit Chashu (Schweinefleisch), Tsukune (Hackbällchen), Menma (Bambussprossen), Ei und Wakame.„Super-Salz“ Ramen (also mit Salz anstatt Miso o.ä. gewürzt) mit Chashu, Ri, Kohlstreifen, Chilifäden, Koriander und Nori.
Glücklicherweise waren die Portionen kleiner als normal, so dass ist eben zwei essen konnte. Lecker!
Danach bin ich erstmal zurück ins Hotel für eine kurze Siesta und Wäschewaschen. Der Jetlag ist nach einer Woche nun weitgehend überwunden, hurra!
Shinsekai
Nur eine U-Bahnstation entfernt von meinem Hotel ist das Ausgehviertel Shinsekai („Neue Welt“), wo die Zukunft schon heute schon vorbei ist (mit Entschuldigung an Dr. Bunsen Honeydew und Beaker). Das Viertel wurde vor ca. 100 Jahren erbaut, zu den Hochzeiten von „Greater Osaka“ als eine Art Coney Island. Entsprechend dreht sich hier alles um drei Dinge: Essen, Trinken und interessanterweise Schießbuden (mit Luftgewehr, Shuriken und Pfeil und Bogen, letztere wahrscheinlich für die Touris). Alles sehr familienfreundlich, das ist kein Rotlichtviertel, und selbst Pachinko habe ich nicht gesehen, außer ganz am Eingangsbereich. Hier muss man definitiv nach Einbruch der Dunkelheit hin, sonst sieht alles wahrscheinlich ziemlich dröge aus. Ich war sehr früh am Samstagabend dort (ca. 17.30 Uhr) und in den zentralsten Gassen war schon einiges los, aber sobald man auch nur einmal abbog wurde es wesentlich ruhiger.
Wahrzeichen des Viertel ist der Tsutenkaku-Turm.Hier eine der unzähligen Schießbuden, mit Pfeil und Bogen.
Mit meinen Schießkünsten ist es nicht weit her, also bin ich lieber Essen gegangen.
Besondere Spezialittät: Kushikatsu-Spieße aus paniertem und frittierten Gemüse oder Fleisch, die man ein eine Würzsauce taucht. Soll nochmal einer sagen, japanische Küche seit gesund. Da muss man mit Kohl und Gurken Gegenarbeit leisten.Dann geht auch noch frittierter Oktopus!
Zeit für einen Onsen-Aufenthalt! Ein berühmter Onsen in der Region – wenngleich auf der anderen Seite der Insel Honshu und nahe der Küste des Japanischen Meers – ist Kinosaki Onsen. Praktischerweise fährt da ein Limited Express Zug von Osaka direkt hin, wenn man eine Reservierung ergattern konnte, was mir gelungen ist.
Schon nahe des Bahnhofs wird einem klar, was hier die kulinarische Spezialität ist: Kani (Krabbe):
Kinosaki Onsen liegt, wie viele Onsen-Städtchen, in einem ziemlich engen Tal entlang eines Flusses. Leider gibt es auch hier das übliche Problem: als reine Fußgängerzone wäre es ideal, aber die Ryokans und Geschäfte müssen auch beliefert werden und die Gäste reisen z.T. mit dem Auto an oder wollen von Shuttles gefahren werden. D.h. Fußgänger (oft in Yukata und Geta) müssen sich die Straße mit den Autos teilen. Das funktioniert erstaunlich gut, ist aber der Atmosphäre etwas abträglich.
Da ich zur Ankunftszeit noch nicht in meinen Ryokan einchecken konnte (das Gepäck konnte ich aber am Bahnhof zum Transport dorthin aufgeben) bin ich zunächst mit einer Seilbahn auf den „Hausberg“ von Kinosaki Onsen gefahren, wegen der Aussicht.
In einem der sieben Bäder war ich dann auch gleich, dazu unten mehr. Nun war es Zeit, in meinem Ryokan einzuchecken. Dort wurde ich gleich mal mit einer Teezeremonie begrüßt und in eine Yukata gesteckt, wie es sich gehört.
Das Schirmchen war nur Deko. Weder regnete es noch schien die Sonne so stark, dass man es gebraucht hätte.
Im Zentrum der Erfahrung stehen natürlich die Bäder. Es gibt sieben öffentliche Bäder in Kinosaki Onsen. Als Rykoan-Gast bekommt man einen Pass für alle. Ich habe es immerhin in vier geschafft. Die Innenbilder sind alle aus dem Netzt geklaut. Es war ziemlich was los und logischerweise darf man in den Bädern nicht fotografieren (zumindest nicht, wenn auch andere Badegäste da sind).
Kounoyu
Goshonoyu
Yanagiyu
Ichinoyu
Doch der Onsengast lebt nicht vom Bad allein, sondern auch vom Kaiseki Dinner:
Und vom Frühstück:
Reis u.a. kam dann noch dazu.
So, jetzt geht es weiter entlang der Nordküste von Honshu nach Amanohashidate.
Weiter ging es nach Osten auf die andere Seite der Tango-Halbinsel nach Amanohashidate. Wer sich nun fragt, wo diese ganzen obskuren Orte wohl liegen mögen, findet ab jetzt im Menü links eine Karte. Oder einfach gleich hier:
Von Kinosaki Onsen fährt man nach Amanohashidate mit JR eine Station nach Toyooka, und dann geht es weiter mit der Kytotango-Eisenbahn. Das ist eine Privatlinie, die aber in meinen JR West Kansai Wide Area mit abgedeckt war. Soweit, so gut. Allerdings muss man sagen, dass das wirklich eine kleine Privatlinie ist.
Wirklich ganz klein: ein einziger Triebwagen. Der war aber rappelvoll, ich konnte von Glück sagen, dass ich noch einen Sitzplatz bekommen habe.
Und erstmals in Japan erlebte ich eine substantielle Verspätung von fast 15 Minuten. Der Zug fuhr einfach nicht los, auch zur Konsternierung des Fahrers und des Schaffners (ja, beide waren an Bord). Es gab auch keine Erklärung oder Entschuldigung, auch nicht auf japanisch. Ich nehme mal an, es war eine Signalstörung, zumindest wurde das Signal einfach nicht grün, bis es dann nach knapp 15 Minuten endlich umsprang und wir losfahren konnten.
Szenen von der Fahrt:
Amanohashidate bewirbt sich selbst als „Kyoto by the Sea“:
Der Witz ist, sie haben recht, obwohl Amanohashidate gut 2 Stunden mit dem Auto und 120 km nordwestlich von Kyoto liegt. Denn aus irgendwelchen verwaltungspolitischen Gründen gehört die ganze Gegend zur Präfektur Kyoto, genauso wie Kinosaki Onsen rechtlich zur Präfektur Hyogo gehört, zu der auch Kobe und ein erheblicher Teil der Metropolregion Osaka gehören (Osaka selbst ist seine eigene Präfektur). Wahrscheinlich sind da oben an der Nordküste von Honshu hin zum japanischen Meer einfach keine nennenswerten Städte, von denen aus man eine Präfektur verwalten könnte. Die nächste Präfektur nach Westen, Präfektur Tottori, hat zwar eine solche Stadt (nämlich das namensgebende Tottori), ist aber die Präfektur mit den wenigsten Einwohnern von ganz Japan.
Kurz und gut: in dieser Küstenregion steppt nicht gerade der Bär. Sollte man meinen. Doch in Amanohashidate war ganz schön was los. Warum fährt man da überhaupt hin? Nun, es gibt da eine berühmte Sehenswürdigkeit, nämlich die 3,5km lange Sandbank von Amanohashidate, die die Bucht von Miyazu vom Asoumi-Meer trennt. Und da drum herum Berge sind, kann von diesen einen sehr schönen Ausblick auf die Sandbank erhaschen.
Allerdings muss man da erstmal hoch. Natürlich gibt es eine Zahnradbahn und sogar einen Sessellift.
Für beides muss man aber ordentlich anstehen. Willkommen in Ischgl!Aber allemal besser, als hochklettern – in diesem Fall gibt es sogar keinen Wanderweg als Alternative.Droben ist dann ein Freizeitpark aus der Showa-Zeit. Aber deswegen fährt man nicht hoch.
Sondern wegen diesem Ausblick (in mehreren, minimal unterschiedlichen Variationen):
Auch bei der Fahrt nach unten hat man einen schönen Blick drauf:
Wieder drunten angekommen, war erstmal Zeit fürs Mittagessen. Aber überall waren ziemlich lange Schlangen und auch im Ramen-Lokal hieß es: 20-30 Minuten.
Also hatte ich einen schneller verfügbareren Sardinenburger. Gar nicht schlecht!
Logischerweise wollte ich dann auch über die Sandbank wandern, aber gerne nur eine Strecke. Also habe ich erstmal ein Schnellboot genommen, das mich für 600 Yen in ein paar Minuten auf die andere Seite brachte.
Und dann bin ich über die Sandbank wieder zurück spaziert. Da war es dann angenehm ruhig. Es waren ein paar andere Spaziergänger und ein paar mit Miet-Fahrrädern unterwegs, aber nicht allzu viele und es roch angenehm nach Kiefern. Wahrscheinlich jagen die Bustouren alle wirklich nur auf den Berg hoch und karren sie dann weiter.
Zurück auf der anderen Seite gab es dann noch einen Tempel, der tatsächlich mal flach war (und nicht am Berg). Allerdings ging es da dann schon wieder ziemlich zu.
Es war dann noch eine knappe Stunde bis zur Rückfahrt nach Osaka.
Wie schön, dass es ein kleines Sento direkt am Bahnhof gibt, das ich gleich besucht habe.
Nach dem Bad trinkt man traditionell Milch oder ein Bier. Milch gab es hier keine, also habe ich am Bahnhof ein Bier gekauft. Normalerweise trinke ich Kirin, behelfsweise Sapporo oder Asahi, aber am Bahnhofskiosk gab es nur Craft-Biere.
Immerhin hatte dieses Amber Ale eine wunderschöne Dose und schmeckte auch gut.
Nach ca. 2,5h Fahrt mit einmal umsteigen kam ich wieder in Osaka an. Zum Abendessen gab es erneut Yakitori, weil das Lokal direkt beim Hotel ist und insbesondere die Spieße mit Hühnerherz extrem lecker sind!