06.01.2026 – Kawasaki bei Nacht

Zeit zum Shoppen! Es gab noch verschiedene Dinge, die ich für mich und andere einkaufen wollte, also bin ich nach Shibuya zum Hands und zum Megadonki gefahren. Shibuya ist so chaotisch und voll wie eh und je, aber ich weiß, wo die Läden sind, in die ich will und sogar wo strategisch gut gelegene Schließfächer sind. Auf Fotos von der großen Kreuzung etc. verzichte ich, davon habe ich in der Vergangenheit schon genug gemacht und gepostet.

Vorher war ich aber noch in Harajuku. Nicht, um in die Modewelt der Tokioter Jugend einzutauchen, sondern weil es da einen Harry Potter Laden gibt, wo ich bestimmte Geschenke besorgen wollte.

Tatsächlich hatte ich mich zeitlich verkalkuliert bzw. meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich war kurz vor 10 dort, der Laden macht aber erst um 11 auf. Was tun?

Der Meiji Jingu ist auf der anderen Straßenseite, aber offensichtlich ist die Hatsumode-Saison noch nicht vorbei und es war sehr voll, diesmal mit Japanern und nicht so sehr ausländischen Touristen.
Und so schön der Meiji Jingu ist war ich doch schon zweimal dort.

Also habe ich etwas minimal ungewöhnliches gemacht. Ich bin nicht zum Meiji Jingu durchgelatscht sondern kurz nach dem ersten Tori (Bilder oben) in das Meiji Jingu Museum gegangen. Das ist klein, sehr ruhig und normalerweise hastet man da vorbei auf dem Weg zum Schrein. Ist aber sehr empfehlenswert. Sie haben da verschiedene persönliche Gegenstände des Meiji-Kaisers und seiner Frau, darunter auch ihre sechsspännige Kutsche, Schreibtisch, persönliche Bücher u.a.m. Man darf nur leider überhaupt nicht fotografieren. Ich habe es dennoch genossen, vor allem die Videoinstallation am Schluss. Dort laufen auf 270 Grad Leinwand Szenen und Rituale aus dem Meiji Jingu im Laufe der Jahreszeiten, die man so nie zu Gesicht bekommen würde. In diesem Fall lohnt sich die „virtuelle“ Darstellung mal wirklich.

Immerhin kann man selbst eine Art ukiyo-e der kaiserliche Kutsche aus fünf Stempeln machen.

Ich hatte auch nur bis zum Nachmittag Zeit, denn ich musste noch zurück ins Hotel und meine Einkaufsbeute lagern, denn ganz ist der Urlaub noch nicht vorbei! Gestern war zwar der letzte große Tagesausflug, doch eine abendliche Tour hatte ich noch gebucht, und zwar eine Art Fotosafarie durch das nächtliche Industriegebiet von Kawasaki. Auf der Hinfahrt hatte ich zwischen Shinagawa und Kawasaki auch noch eine ganz authentische Japan-Erfahrung: richtige, echte rush hour mit ziemlichem Gequetsche. Dem war ich bisher immer recht erfolgreich ausgewichen.

Warum nun also nächtliche Fototour durch Kawasaki: die künstlichen Inseln, die Kawasaki vorgelagert sind, sind eins der ältesten Industriezentren Japans. Im Prinzip das Äquivalent zum Ruhrgebiet. Kraftwerke, Chemieindustrie, Raffinerien, Recycling-Anlagen, titanische Lagerhäuser wo das ganze Essen für die Metropolregion Tokio lagert und weiteres mehr. Einen ersten Eindruck davon hatte ich mal, als ich mit Tini zum Umi Hotaru, der Auto-Raststätte in der Mitte der Bucht von Tokio gefahren bin. Aber auch hier gilt: japanische Städte sind bei Nacht oft schöner als bei Tag und das gilt für dieses Industriegebiet erst recht.

Ich hatte also eine individuelle Fototour mit dem Auto gebucht. Mein guide Takeshi (nein, der hat keine Burg mit seltsamen Spielen) macht diese Touren offensichtlich mehr aus Leidenschaft als auf Gewinnabsicht. Von den €85 gehen ca. ein Viertel an Viator, und dann muss er noch Benzin, Parkgebühren usw. davon zahlen, von Steuern ganz zu schweigen. Bei einer Tour von gut 2,5h kommt da kein nennenswerter Stundenlohn bei raus. Aber umso besser für mich, zumal der Mann sich wirklich auskennt und offensichtlich viel Zeit damit verbracht hat, mit dem Auto durch die Industriegebiete von Kawasaki zu fahren und fotogene Perspektiven zu suchen.

Erstaunlich ist auch, dass um diese Zeit extrem wenig los ist auf den Straßen. Wohnen tut da niemand, die Arbeiter (es ist Schichtbetrieb) kommen und gehen mit Zug oder Linienbus und die Trucks, die tagsüber sicherlich sehr viel dort unterwegs sind, sind weg oder parken irgendwo. Man kann also durchaus auch mal mitten auf einer Brücke stehenbleiben, aussteigen und ein paar Fotos schießen oder sich eben mal neben ein Werkstor stellen. Hier nun meine Ausbeute:

Das Exportpier von Subaru
Blick auf Tokio. Links ist der Tokyo Tower zu erkennen (orange), rechts der Skytree (blau).
Hier wird eine Brücke gebaut zwischen einer der künstlichen Inseln und dem Festland. Wegen der Nähe zum Flughafen Haneda können sie keine hohe zentrale Säule für die Baustelle verwenden, sondern müssen sich Stück für Stück von beiden Seiten vorarbeiten.

Das war es dann aber auch mit den touristischen Aktivitäten. Morgen ist nochmal ein bisschen Shoppen angesagt, dann Packen und abends Rückflug ins eiskalte München.

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