Zunächst einmal: frohes neues Jahr! Während ich diese Zeilen schreibe ist auch in Deutschland längst Neujahr. Ich wünsche Euch alles Gute!
Ich habe lange mir mir gerungen, ob ich in diesem Urlaub auch einen Ausflug nach Kōya-san mache. Der Ort ist ziemlich weit abgelegen in den Bergen der Präfektur Wakayama und ich fürchtete, dass er um die Jahreswende ziemlich überlaufen sein könnte. Ich bin aber froh, dass ich es gemacht habe und auch gerade am Silvestertag. Denn tatsächlich erwies sich An- und Abreise als zeitintensiv aber unkompliziert und es war so gut wie nichts los. Was für ein Kontrast nach den Menschenmengen von Kobe und Arima Onsen!
Was hat es nun mit diesem Kōya-san auf sich, warum will man da hin? Es ist eine der wichtigsten, ältesten und schönsten Stätten des Buddhismus in Japan. Um genau zu sein, das Zentrum der Shingon-Schule des Buddhismus. Diese Schule wurde 816 von dem Mönch Kōbō Daishi alias Kūkai gegründet. Der war in China und hatte dort den esoterischen Buddhismus gelernt und nach seiner Rückkehr gründete er mit Erlaubnis des Kaisers ein Kloster auf einer Hochebene südlich von Osaka. Über die Jahrhunderte wuchsen die Tempelanlagen dort und heute ist gleichermaßen Pilger- wie Touristenziel.
Normalerweise macht man dort ein Shukubo, eine Tempelübernachtung mit Halbpension und Teilnahme am Tempelleben. Das war mir dann doch zuviel des Guten und ich machte lieber einen Tagesausflug. Vom Bahnhof Shin-Imamiya fährt ein Zug schon ziemlich hoch in die Berge, von dort aus geht es mit Zahnradbahn und Bus weiter. Wie gesagt zeitintensiv (ca. 2h) aber gut organisiert und auch die Busse auf der Hochebene fahren recht zuverlässig und pünktlich.
Impressionen von der Zugfahrt:


Oku-no-in
Mein erstes Ziel war gleich das am weitesten vom (Zahnrad-)Bahnhof entfernteste. der Oku-no-in. Das ist ein kleiner Tempel wo auch das Mausoleum von Kūkai liegt – beide sind aber so heilig, dass man auch im unmittelbaren Umfeld nicht fotografieren darf. Macht aber nichts: das Highlight ist ohnehin der Friedhof, der sich über knapp zwei Kilometer entlang des Weges zum Oku-no-in erstreckt. Superschöne Atmosphäre und weil nicht viele Leute da waren auch sehr friedlich.

















Der Friedhof ist in Teilen richtig alt. So alt, dass selbst die Zerschlagung des Synkretismus von Shintoismus und Buddhismus, die nach der Meiji Revolution von 1867 vorangetrieben wurde, nicht so richtig verfangen zu haben scheint. Dies ist eindeutig ein buddhistischer Friedhof, doch manche der Grabstätten sind mit Tori gekennzeichnet, wie man sie bei einem Shinto-Schrein erwarten würde:



Manch der Gräber sind auch schlicht seltsam:


Kongobu-ji
Kongobu-ji ist der Haupttempel von Koya-san und der Shingon-Schule. Streng genommen ist ganz Koya-san der Kongobuji, aber das hier sind Bilder von der Haupthalle. Ich war auch drin, der Eintritt war am Silvester sogar frei, aber im Inneren von buddhistischen Tempeln darf man i.d.R. nicht fotografieren.





Danjo Garan
Berühmter und auch spektakulärer als die Haupthalle ist der sog. Danjo Garan „erhöhter Distrikt“.



Weitere Gebäude des Danjo Garan:



Daimon
Das „große Tor“ Daimon steht gleich am Anfang von Koya-san. Wie gesagt ist ganz Koya-San eigentlich ein gesamter Tempel mit vielen dazu gehörenden Gebäuden, entsprechend markiert das große Tor auch den Anfang des Komplexes. Ich habe es als letztes gesehen und fotografiert, weil ich Koya-san ja quasi von hinten aufgerollt habe:


Würde man eine Tempelübernachtung machen, würde man Shōjin Ryōri, also das vegane Essen der buddhistischen Mönche genießen. Auch mehrere Lokale in Koya-san bieten diese Speisen an, die spezialisierten Restaurants hatten leider alle zu (es war wirklich wenig los). Aber ein Lokal, wo man sonst eher Nudelgerichte, Curry, usw. bekommt bot auch ein veganes Set an, das sich am Shōjin Ryōri orientierte.

Alles sehr interessant. Nach meiner Rückkehr vom heiligen Koya-san ins sündige Osaka stand mir der Sinn dann doch nach Fleisch und ich bin am Silvesterabend Yakiniku essen gegangen. Auch das war gar nicht so einfach, weil Silvester in Japan eher ein beschauliches Familienfest ist und keine große Party. In der Gegend meines Hotels gibt es viele Yakiniku-Restaurants, aber drei hatten zu, eins war voll und eins war nur für Frauen und Familien mit Kindern (stand auf einem Poster vor der Tür). Aber kurz bevor ich aufgegeben habe und zum Curryladen gegangen bin, fand ich doch noch ein Lokal mit Yakiniku. Das wurde ziemlich offensichtlich nicht von Japanern betrieben (die Belegschaft war ein bunter Haufen), aber macht ja nichts: Yakiniku ist eh ein Import aus Korea. Lecker war es allemal:





Ich habe es dann auch nicht geschafft, bis Mitternacht wachzubleiben und bin ca. 22.30 eingeschlafen…