08.05.2024 – Altstadt von Riga

Wer hätte gedacht, dass von all den verschiedenen Verkehrsmitteln meiner Reise sich der Mietwagen als das bisher ärgerlichste entpuppt? Gestern bin ich recht früh morgens zum Flughafen rausgefahren, um dort meinen Mietwagen, mit dem ich dann am Sonntag von Riga weiterfahre, abzuholen. Kurz nach 8.00 war ich da, der Hertz-Schalter aber zu, trotz klar angegebener Öffnungszeit 8.00 Uhr. Bei der angegebenen Telefonnummer ging niemand ran. Ein anderer Hertz-Angestellter, allerdings ein Fahrer, wartete auch. Ca. 9.15 Uhr kam dann der Hertz-Agent: er hatte verschlafen. (Witz über Generation Z bitte hier einfügen). Nun ja, das Ganze brachte mir €50 Nachlass auf meine Einwegmiete nach Vilnius, insofern war der „Stundenlohn“ ok.

Entsprechend kam ich erst später dazu, in die Altstadt von Riga aufzubrechen; die Walking Tour hatte ich in weiser Voraussicht erst für 15 Uhr gebucht.

Riga ist gleichzeitig beeindruckender als Tallinn, aber auch ganz anders. Wo in Tallinn die mittelalterlichen Strukturen und viele Gebäude enorm gut erhalten sind, findet man in Riga eine bunte Mischung aus (ganz wenig) Mittelalter, früher Neuzeit, Klassizismus, Jugendstil (allerdings in der Altstadt nur wenig) und verschiedenen brachialen Baustilen der Zwischenkriegs- und Sowjetzeit. Erstaunlicherweise fügt sich das zu einem interessanten und durchaus attraktiven Gesamteindruck zusammen – das UNESCO-Weltkulturerbe ist nicht unverdient.

Der bunte Mix hat viel mit Kriegen und Eroberungen zu tun, die Riga noch wilder trafen als Tallinn. Gegründet vom Schwertbrüderorden gab es schon im 13. Jahrhundert Konflikte mit der von deutschen Händlern dominierten (und später der Hanse zugehörigen) Stadtbevölkerung. Später folgten Eroberungen durch Polen, Schweden, Russland, Unabhängigkeit nach dem 1. Weltkrieg, Besetzung durch Sowjetunion, Nazideutschland, dann wieder Sowjetunion bis zur aktuellen Unabhängigkeit – meist involvierten diese Veränderungen viel Zerstörung. Aber durch die für den Handel ideale Lage wurde Riga immer wieder aufgebaut, mit entsprechenden Neuerungen.

Von den Ursprungstagen ist kaum noch etwas zu sehen:

Anders als in Helsinki und Tallinn ist hier schon alles grün und es ist Frühling – bis auf die Temperaturen, die eher bei 6-8 Grad waren, brrr.

Von den ursprünglichen Stadtmauern und Festungsanlagen ist wie gesagt wenig übrig:

Das Schloss von Riga war ursprünglich die zweite Ordensburg der Schwertbrüder (die im Deutschen Orden aufgingen). Die Stadtbewohner mussten es als Reparation für die Zerstörung der ersten Ordensburg bauen – vielleicht ist es deswegen ziemlich schmucklos.

Hier Bilder vom Dom (lutherisch) und vom Domplatz:

Weitere Eindrücke aus der Altstadt:

Das „Katzenhaus“ ist eins der wenigen Jugendstilgebäude in der Altstadt. Es geht die Legende um, dass die Katzen ursprünglich den Gildenhäusern den Hintern entgegenstrecken, angeblich als Schmähung durch einen Kaufmann, der nicht aufgenommen wurde. Stimmt aber nicht, das Katzenhaus ist aus den 1920ern, da waren die Gildenhäuser schon Konzerthallen.

Zu guter Letzt noch etwas Food Porn:

Als nächstes steht das Jugendstil-Viertel auf dem Programm.

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