Neujahr ist in Japan ein stiller Feiertag, die meisten Leute liegen zu Hause unter dem Kotatsu und faulenzen. Dementsprechend hat vieles geschlossen, wobei in einer Großstadt wie Osaka das öffentliche Leben natürlich nicht zum Erliegen kommt. Aber die meisten Sehenswürdigkeiten, vor allem sämtliche Museen, kann man vergessen, die haben zu.
Was nicht zu hat, sind die Schreine. Denn eine wichtige Neujahrstradition ist Hatsumode, der erste Schreinbesuch des neuen Jahres. Manche machen das in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht, andere gehen am Neujahrstag. Also bin ich auch zu zwei Schreinen gegangen, nicht um selbst Hatsumode zu machen (dafür, also zum eigentlichen Gebet, müsste man sich teilweise ziemlich lange anstellen), sondern weil ich diese Schreine ohnehin besuchen wollte. Zwar hat man an Neujahr an den Schreinen nicht dieses Gefühl der Stille und Besinnlichkeit, dafür sieht man sie mal richtig in Aktion. Quasi wie christliche Kirchen an Weihnachten.
Außerdem bin ich zu noch einem buddhistischen Tempel gegangen. Die sind zwar eigentlich nicht für Hatsumode gedacht, das ist ein explizit shintoistischer Brauch, aber anscheinend nehmen die Leute es nicht so genau. Wenn das der Meiji Kaiser wüsste, unter dem die strikte Trennung von Shinto und Buddhismus durchgesetzt wurde!
Namba Yasaka Schrein
Erster Stopp war ein religionsgeschichtlich jetzt nicht so wahnsinnig wichtiger: der Namba Yasaka Schrein. Den gibt es zwar auch schon seit dem 11. Jahrhundert, aber das ist für einen Schrein nicht sonderlich alt, außerdem ist er nicht sonderlich groß oder prächtig, die heutige Form stammt von 1974.
Aber er liegt ganz nah bei meinem Hotel und wie man sieht, wird er auch für Hatsumode besucht:


Es gibt aber einen Grund, dorthin zu gehen. Es gibt dort direkt neben dem Schrein eine kleine Bühne, die architektonisch spannend ist. Die Bilder sprechen für sich.


Sumiyoshi-Taisha
Der nächste Schrein ist dafür umso älter und berühmter: der Sumiyoshi-Taisha. Der ist so richtig alt, er stammt aus dem 3. Jahrhundert, noch bevor der Buddhismus nach Japan kam. Dementsprechend ist er architektonisch auch einer der ganz wenigen Schreine, die so richtig original-japanisch sind, ganz ohne Einflüsse vom Festland. Die einzigen anderen Schreine, auf die das zutrifft, sind die Schreine in Ise (insb. der Amaterasu-Schrein) und in Izumo. Beide habe ich auf früheren Reisen schon besucht, die sind ziemlich abgelegen, während der Sumiyoshi-Taisha an der Bahnlinie von Osaka zum Flughafen liegt und entsprechend gut zu erreichen ist.
Natürlich sind die heute dort stehenden Gebäude nicht 1800 Jahre alt. Aber das ist der Witz an diesen alten Schreinen: die werden immer und immer wieder identisch neugebaut. D.h. was man heute da sieht, sah auch schon in uralter Zeit so aus, das gilt zumindest für die eigentlichen Schreingebäude. Eine der Firmen, die die Schreine baut und pflegt geht auf das 6. Jahrhundert zurück und gilt als ältester kontinuierlicher Betrieb der Welt.
Nun sei dazu gesagt, dass der Sumiyoshi-Taisha einer der beliebtesten Hatsumode-Schreine überhaupt ist, entsprechend ging es da zu.

Aber das war ja auch so ein bisschen Sinn und Zweck der Sache. In drei der Schreine werden wichtige Götter, die für Reisen und Seefahrt zuständig sind verehrt, im vierten die mythische Kaisergemahlin Jingū-kōgō, die nach dem Tod ihres Mannes als Regentin faktisch über Japan herrschte.
Wie sehen so uralte Schreine nun aus? Im Gegensatz zu Ise kann man sie tatsächlich fotografieren.




Berühmt am Sumiyoshi-Taisha ist auch die Soribashi, die „Trommelbrücke“, die besonders stark gebogen ist und über die der Hauptweg zu den Schreinen führt.




Weitere Bilder vom Sumiyoshi-Taisha:





Shitennō-ji
Der Shitennō-ji ist wie schon angekündigt kein Schrein, sondern ein Tempel, aber eben auch ein ganz alter, der für die Geschichte der Stadt sehr wichtig war. Er geht aufs späte 6. Jahrhundert zurück, als der Buddhismus in Japan so gerade erst aufkam. Die Gründung wird dem Prinzen Shōtoku zugeschrieben, dem halb-mythischen großen Förderer des Buddhismus in Japan.
Ich bin allerdings nicht in den inneren Tempelbezirk vorgedrungen, da war mir die Schlange zu lang. Drum sieht man die Pagode nur von außen.






Solaniwa Onsen
All diese heiligen Orte aufzusuchen war durchaus reiseintensiv und anstrengend, zumal mein Knie mir derzeit Problem bereitet (ich schiebe es auf die extrem steilen Hügel von Kobe). Zeit für den Onsen! Solaniwa Onsen ist eins von diesen urbanen Super-Onsen-Erlebnisbädern, eine Art Onsen Disneyland. Man bekommt ein Armband mit Schlüssel und NFC-Chip, mit dem man dann in der Anlage bezahlen kann. Außerdem Yukata und Handtücher. Damit kann man dann die Bäder, die Sauna (nicht mein Ding), den Garten, die Arcade, das Restaurant usw. besuchen. Weder authentisch noch günstig, aber sehr angenehm. Die Bilder sind aus dem Netz zusammengeklaut (außer in den Bädern hätte man schon fotografieren können, ich hatte aber keine Lust, mein Handy rumzuschleppen).





