24.12.2025 – Kyoto

Zunächst einmal: Frohe Weihnachten! Hier ist schon Heiligabend und ich hatte gerade mein Weihnachtsdinner. Zwar nicht KFC, wie es japanische Tradition wäre (eigentlich auch erst am Weihnachtstag und nicht am Heiligabend), sondern Yakitori bei Torikizoku, einer Izakaya-Kette, die sich auf Hühnerspießchen spezialisiert hat und eine Filiale direkt neben meinem Hotel betreiben.

Leber (da fehlen schon zwei Stückchen), Schenkel mit Lauchzwiebeln, Haut. Später kam noch Gurgel und Herz dazu. Alles sehr lecker.
Und für Vitamine und Ballaststoffe sorgt der Kohl mit Sesamöl.

Und hier noch gleich der Rest der kulinarischen Ausbeute heute:

Tonkotsu Ramen
Taiyaki (fischförmige gefüllte Waffel) mit Anko (süße Paste aus roten Bohnen).

Fushimi Inari-taisha

Ein Vorteil an Osaka ist, dass viele andere Städte gut als Tagesausflug zu erreichen sind. Nach Kyoto ist es – Hoteltür bis zum ersten Schrein Tori – nur 1,5h. Und ich hatte da noch was nachzuholen.

Im Sommer 2023 war ich letztes Mal dort und ärgerte mich über die Menschenmassen am Fushimi Inari Schrein, die mich daran hinderten, schöne Fotos von den Tausend Tori zu schießen. Und die brütende Hitze hinderte mich dran, bis zum Gipfel des Mount Inari zu klettern, wo die Menschenmassen deutlich kleiner gewesen wären.

Dabei hätte man beides auch im Sommer durchaus schaffen können, denn der Schrein ist 24h geöffnet. Man hätte nur einfach in aller Herrgottsfrühe oder mitten in der Nacht hingehen müssen. Und genau das habe ich jetzt gemacht: ich schlug ca. 6.30 Uhr am Eingang auf.

Selbst dann ist man zwar nicht ganz alleine…
…aber von Menschenmassen kann keine Rede sein.
Normalerweise geht es hier zu wie im Taubenschlag, diese Halle wäre kaum zu fotografieren.
Aber morgens vor Sieben ist die Welt noch in Ordnung.

Entsprechend konnte ich die Tausend Tori auch ohne Touristenhorden fotografieren. Manchmal musste ich nur einen Moment warten, bis die anderen Frühaufsteher wieder aus dem Bild waren. Und bei knapp 10 Grad klettert es sich auch viel angenehmer bis auf den Gipfel als bei 35 Grad. Hier also die Eindrücke:

Und hier zum Beweis das Bild vom Schrein am Gipfel.

Insgesamt ca. 2,5h Kletterpartie und Fototour, natürlich mit Pausen. Damit kann ich den Fushimi Inari Schrein jetzt von der Bucket List streichen.

Yasaka-Schrein

Man könnte in Kyoto tagelang nichts anderes machen, als Schreine und Tempel zu besuchen, ohne einer kompletten Sammlung auch nur nahe zu kommen. Aber ein bisschen was wollte ich mir doch noch ansehen, vor allem solche Stätten, die ich noch nicht kenne. Der erste davon: der Yasaka-Schrein im Gion-Viertel. Dort wird der Sturmgott Susano-no-o-mikoto verehrt – vielleicht kann er ja dafür sorgen, dass der Regen, der heute teils wieder plätscherte, sich verzieht?

Ein Wassernebel speiender Drache, rette sich, wer kann! (Im Sommer ist der bestimmt extrem beliebt).

Nun wäre Kyoto nicht Kyoto, wenn man nicht auf dem Weg von einem Schrein zum nächsten an mehreren monumentalen Tempeln vorbeikäme:

Heian-jingū

Im Gegensatz zu den teils wirklich uralten anderen Schreinen und Tempeln in Kyoto ist der Heian-jingū ein richtiger Johnny come Lately aus dem späten 19. Jahrhundert. Aber er ist trotzdem beeindruckend, vor allem wegen seiner schieren Größe. Es sollte der 1100. Jahrestag der Gründung von Kyoto begangen werden und ich nehme mal an, es sollte außerdem die Vormacht des Kaisers, der nach der Meiji Revolution jetzt wieder im Zentrum stand, zementiert werden. Alles an diesem Schrein ist groß, angefangen mit dem Mega-Tori.

Wäre jetzt nichts so wahnsinnig Besonderes, aber er hat einen wunderschönen Garten, der die 600 Yen Eintritt allemal wert ist:

Seimei-jinja

So, jetzt wird es richtig nerdig, der Seimei-Schrein. Hier wird Abe no Seimei verehrt, ein Onmyōji, also ein Wahrsager und Hofbeamter aus dem 10. Jahrhundert. Damals war Wahrsagung, basierend auf Yin und Yang und den chinesischen fünf Elementen nicht nur der letzte Schrei, sondern fast schon das Betriebssystem des kaiserlichen Hofstaats. Das war damals alles noch sehr chinesisch angehaucht.

Aber dieser Abe no Seimei ist quasi der japanische Merlin, der legendäre Magier, der in der Populärkultur immer und immer wieder auftaucht. Als Held oder als Bösewicht, in seiner eigenen Epoche oder reinkarniert. Jemand hat besondere magische Fähigkeiten? Muss ein Nachfahre von Abe no Seimei sein. Der Schrein ist ziemlich winzig, aber ich wollte da einfach gerne mal hin. Hier die Bilder:

Sehr viel mehr gab es da nicht zu sehen außer einem heiligen Baum rechts vom Schrein. Der wurde aber während meines Aufenthalts bestetig von einem Gläubigen umarmt, das wollte ich nicht durch ein Foto entwürdigen.

Toei Kyoto Studio Park

Als letzten Programmpunkt wäre ich gerne noch zum Kyoto Railway Museum gefahren, aber das hat ausgerechnet Mittwochs zu (wusste ich aber). Also habe ich noch eine Stätte besucht, wo ich 2014 schon mal war, den Toei Kyoto Studio Park. Das ist quasi das Geiselgasteig von Kyoto, wo vor allem Historiendramen, Samuraifilme und Ninja-Action gedreht wurden und werden. Hier war auch definitiv Nebensaison mit nur wenigen Besuchern, das schlechte Wetter machte alles ein wenig trübselig. Sie sind wohl dabei, den Park umzubauen und zu aktualisieren, aber das ist noch nicht fertig gestellt.

Vieles in dem Park sind schlicht Kulissen, die aber immer noch für Filmdrehs benutzt werden:

Dieses arme Anwesen am Fluss wird alle fünf Minuten von einem Monster angegriffen!
In diesem Gebäude ist ein japanisches Spukhaus, durch so eins wollte ich immer schon mal durch. Auf jeden Fall gruseliger als eine Geisterbahn auf dem Oktoberfest!
Den Eva-Mecha aus Neon Genesis Evangelion gab es 2014 noch nicht.

Ich habe mir dann noch eine Ninja-Show angesehen. Natürlich komplett japanisch, ich konnte die Handlung nur raten. Ich glaube, es ging um einen Shinobi (Ninja) des Shoguns, der zusammen mit einem Kameraden eine Botschaft überbringen soll und dabei immer wieder von gegnerischen Ninjas angegriffen wird. Grund ist natürlich der Kamerad, der eigentlich ein Verräter ist und am Schluss sein gerechtes Ende findet. Vor allem aber geht es natürlich um Kostüme, Akrobatik und Action-Choreographie.

Danach bin ich zurück nach Osaka gefahren und habe meine müden Knochen in das heiße Hotelbad eingelegt. Shiawase!

Pandakrise

2022 habe ich noch blöde Witze gemacht, dass China wegen eines Konfliktes um Taiwan seine Pandas aus Japan abziehen könnte und so eine (Sinn-)Krise in Japan auslöst, s. https://www.markusreisen.de/japan/japan2022/28-12-2022-tokio/ und dann runterscrollen zu „Ueno Zoo“. Gemeint war das als Parodie auf die deutsche Abhängigkeit vom russischen Gas.

Und jetzt ist genau das passiert. Haargenau das. S. https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/japans-letzte-pandas-kehren-frueher-als-geplant-nach-china-zurueck-370947/. Ich habe anscheinend prophetische Kräfte. Vielleicht bin ich ein Nachfahre von Abe no Seimei?

Morgen geht es weiter nach Miyajima, Kokura und Okayama. Ich muss ja meinen Eisenbahn-Regionalpass ausreizen!

Ein Gedanke zu „24.12.2025 – Kyoto“

  1. Die Fischwaffel ist ja genial! Und sag bitte keinen Scheiß voraus!
    Wir sind wieder zu Hause und ich hole den Blog nach und nach nach. Auf dem Handy macht mir das nicht soviel Spaß!

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