
Ausflug in die Präfektur Chiba, östlich von Tokio. Chiba kennt man entweder, weil dort einer der beiden internationalen Flughäfen (Narita) ist, den ich aber noch nie benutzt habe. Oder weil man Neuromancer oder andere Cyberpunk-Populärkultur konsumiert hat, wo Chiba als das Mekka der Cyberware dargestellt wird. Tatsächlich haben meine Recherchen keinen so rechten Grund ergeben, in die namensgebende Stadt Chiba zu reisen.
Aber: die Präfektur Chiba ist ziemlich weitläufig und beinhaltet u.a. die gesamte Bōsō-Halbinsel, die östliche der Bucht von Tokio verläuft. Dort gibt es recht viel schöne Natur und nicht zuletzt einen sehr beeindruckenden Tempelberg, den Nokogiri-san. Der ist nicht nur für seine landschaftliche Schönheit bekannt, sondern auch für den größten Großen Buddha Japans. Auf der Karte ist der Ort eingezeichnet.
Man könnte nun meinen, das wäre ein beliebtes Ausflugsziel auch für ausländische Touristen, aber dem ist nicht so, jedenfalls nicht viel. Japaner kommen da schon hin, aber auch nicht in Massen. Warum, fragt man sich? Mehrere Gründe:
- Es ist gar nicht so einfach, dort hinzukommen. Am Wochenende gibt es einen Limited Express von Shinjuku, der einen in 1h40min nach Hama-Kanaya am Fuß des Berges bringt. Mit Auto oder Tourbus ginge es natürlich einfacher. Ansonsten wäre es von Tokio aus schon eine arg lange Fahrt mit verschiedenen Lokalzügen, obwohl die Luftlinie nicht so weit ist.
- Der große Buddha ist zwar gewaltig, aber nicht besonders alt (der Tempel an sich hingegen schon). Der Buddha stammt von 1783, er verfiel aber nach der Meiji-Restauration wo es in der Anfangszeit auch Ausschreitungen gegen buddhistische Anlagen gab. Er verfiel mit der Zeit und wurde erst 1966 restauriert. Der Große Buddha von Kamakura wurde hingegen im 13. Jahrhundert gegossen.
- Treppenstufen. So viele Treppenstufen. Funishi Inari bis zum Gipfel ist nichts dagegen. Es geht hoch, runter, wieder hoch, wieder runter. Und manche Treppen, insbesondere die von der Seilbahn zum Tempeleingang sind mehr aufeinandergetürmte Steine als echte Treppenstufen. In der Tempelanlage selbst sind die Stufen völlig OK, aber sagte ich schon, dass es SEHR VIELE TREPPENSTUFEN sind? Ich komme mir vor wie Kung Fu Panda.
Aber das mit der landschaftlichen Schönheit ist nicht gelogen, vor allem an einem klaren sonnigen Tag wie diesem.




Auf dem Berg angekommen, heißt es klettern, zunächst zu verschiedenen Aussichtsplattformen. Die bieten aber tatsächlich tolle Ausblicke.






Aber natürlich wird nicht nur der Blick über die Bucht von Tokio geboten.

Außerdem Unmengen von kleinen Statuen. Es waren ursprünglich mal 1500, es sind aber nur ca. 500 übrig, die Restauration läuft.





Und dann kommt man zum großen Buddha. Diese ist anders als der in Kamakura nicht aus Bronze, sondern aus Stein gemeißelt.



Nun mag mancher fragen: das ist doch eine Tempelanlage? Wo ist die Tempelhalle? Die Antwort: noch viele weitere Treppenstufen entfernt und die Tempelhalle ist nicht das Berühmte am Berge Nokogiri. Daher habe ich mir das gespart.
Danach bin ich zurück nach Shinjuku gefahren und bin ins Therma Yu, einem Seupersento dortselbst, nahe des Rotlichtviertels Kabukicho gegangen (das Bad hat aber nichts mit dem Rotlichtviertel zu tun). Das Bad ist schön (und 24h geöffnet!) aber Bilder aus dem Internet suchen spare ich mir jetzt (sitze im Zug nach Sendai). Aber ich bin dort auch eingekehrt:





Sehr schöne Fujibilder!