03.01.2026 – Fahrt nach Tokio

Wie die Überschrift schon sagt habe ich Osaka nun verlassen und bin nach Tokio gefahren. Was bin ich froh, dass ich mein großes Gepäck per Yamato Takkyubin verschickt habe (was auch völlig problemlos geklappt hat). Aktuell ist der Höhepunkt der Rückreisewelle nach den Neujahrsfeiertagen und in Shin-Osaka ging es unbeschreiblich zu. Auch war ich froh, dass ich bereits einen Monat im Voraus mein Ticket gebucht habe. Es gibt um diese Zeit in den meisten Shinkansen nur Plätze mit Reservierungen und in den wenigen, die noch unreservierte Waggons haben, sieht es mutmaßlich aus wie in der U-Bahn zur rush hour. Ich habe das im August 2023 auf dem Weg nach Utsunomiya erlebt und brauche es definitiv nicht für die wesentlich längere Fahrt von Osaka nach Tokio. Mit dem Nozomi, der nur wenige Halte macht, dauert das ca. 2h20min, mit den unreservierten Shinkansen wesentlich länger, weil die an jeder Milchkanne halten.

Ich hatte einen Platz im Green Car, also der ersten Klasse. Aber die Plätze blieben nicht so frei wie in dem Bild, der Zug war auch in der ersten Klasse restlos ausgebucht.
Das eki-ben kann man auch in vollen Zügen genießen.

Angesichts der gewaltigen Reisewelle startete mein Zug übrigens mit 3 Minuten Verspätung, die bis zur Ankunft in Tokio auf eine Minute abgebaut war.

An dieser Stelle vielleicht ein Wort zur fortschreitenden Digitalisierung bei der Bahn. Man kann mittlerweile direkt von Europa aus online Tickets für den Tokaido-Shinkansen zwischen Shin-Osaka und Tokio kaufen, inkl. Sitzplatzreservierung. Man erhält dann einen QR-Code und jetzt kommt’s: anders als in der Vergangenheit muss man dann diesen nicht mehr an einem Schalter oder Automaten gegen ein Ticket eintauschen mit dem man durch die Gates kommt. Nein, es gibt mittlerweile spezielle QR-Code Gates, die diese QR-Codes akzeptieren und einem dabei noch einen kleinen Zettel mit der Sitzplatzreservierung ausdrucken (die man aber auch schon beim QR-Code stehen hat). Sehr praktisch. Zugegebenermaßen geht das bei der DB mit dem DB-Navigator schon sehr lange, aber in Deutschland gibt es ja auch keine Gates, sondern Ticketkontrollen im Zug.

Auch habe ich den Eindruck, dass die einstmals revolutionäre IC-Karte (Suica, Pasmo, Icoca, etc.) ein Auslaufmodell ist. Immer mehr Japaner haben ihre Suica auf dem Smartphone, inkl. Guthaben. Leider funktioniert das nur mit japanischen Smartphones und vielleicht einigen neueren nicht-japanischen Apple-Modellen. Darüber hinaus gibt es auch im ÖPNV zunehmend Gates, die NFC-Zahlung über Apple oder Google Pay akzeptieren oder die in asiatischen Ländern weiter verbreiteten QR-Code Zahlungssysteme. Ich habe auch schon Gates gesehen, die (so glaube ich) per Gesichtserkennung funktionieren. Das ist aber alles noch nicht flächendeckend ausgebaut und auch eher bei den privaten U-Bahnlinien als bei JR oder gar kleinen Regionalbahnen. Ich bleibe daher erstmal bei meiner IC-Karte, die wird quasi überall akzeptiert von der U-Bahn über den Konbini bis zu vielen Getränkeautomaten. Einziger Nachteil: man muss sie regelmäßig mit Bargeld aufladen, nur die virtuellen Versionen auf den Smartphones kann man bargeldlos aufladen.

Ungefähr um 12.30 Uhr bin ich dann in Tokio angekommen und konnte trotz des Trubels relativ schnell und einfach meinen JR East Regionalpass (dafür hatte ich nur einen Gutschein) einlösen und ein paar Reservierungen tätigen.

Da dann noch Zeit war, bevor ich ins Hotel einchecken konnte, bin ich ins Hokusai-Museum Sumida gegangen. Hier geht es um das Werk des berühmten ukiyo-e Künstlers Katsushika Hokusai (1760–1849) und seiner Schüler. Hokusai ist vor allem berühmt für seine 36 Ansichten des Berges Fuji, darunter das wohl bekannteste ukiyo-e „Unter der Welle von Kanagawa“.

Leider darf man im Museum nicht fotografieren, daher nur eine Außenansicht.

Nun war ja erst neulich in der Bayerischen Staatsbibliothek eine hervorragende Ausstellung über ukiyo-e inkl. einiger Top-Drucke von Hokusais Werken. Die Ausstellung im Hokusai Museum war aber anders. Es ging da auch sehr stark um den Produktionsprozess der mehrfarbigen Holzschnittdrucke und die (auch künstlerisch sehr wichtige Rolle) nicht nur des Zeichners (wie Hokusai) sondern auch des Schnitzers und des Druckers (die nur selten namentlich bekannt sind). So gibt es z.B. Drucktechniken, wo graduelle Farbverläufe erreicht wurden durch gezieltes Wischen der Farbe auf den Stempeln durch den Drucker. Da waren dann keine zwei Drucke identisch und es machte einen Riesenunterschied, wie gut der Drucker war.

Es ging auch um die Geschäftsmodelle. So gab es z.B, einen Zweitmarkt für die Holzstempel, vor allem für den grundlegenden mit den Umrissen. Die Farbstempel wurden dann oft auch neu gemacht und ein neues Siegel für den neuen Verleger eingesetzt. Und auch Hokusai selbst verdiente sein Geld nicht nur mit ukiyo-e. Er zeichnete viele Bände von Skizzen („manga“) die explizit als Zeichenschule für andere, angehende Künstler gedacht waren und hunderte von Figuren und Szenen zeigen. Und ukiyo-e gab es auch in 3D: es gab welche, die als ungemein komplexe Bausätze für dreidimensionale Dioramen gedacht waren, z.B. von einem öffentlichen Bad. Erstaunliches Zeug.

Im obersten Stockwerk hatten sie dann eine 7 Meter lange, mit Tusche gezeichnete Bilderrolle von Hokusai, die Szenen in Edo entlang eines Flusses zeigt. Das Ding war wohl für den Export bestimmt, wurde 2020 in Frankreich gefunden und ist jetzt im Museum ausgestellt. Wow. Am Ende der Ausstellung hatten sie dann noch neo-ukiyo-e unter anderem von einem polnischen Künstler. Auch ziemlich cool. Aber wie gesagt leider Fotografieverbot, macht auch Sinn, da die Druckfarben der ukiyo-e ziemlich empfindlich sein können.

Mittlerweile war es dann auch spät genug, um ins Hotel einzuchecken. Ich bin wieder im Hotel Metropolitan in Ikebukuro, allerdings in einem günstigeren Zimmer als letztes Jahr. Das einchecken war extrem angenehm: mein Gepäck war da und wurde mir sogleich übergeben, meine Daten waren noch im System – fühlte sich ein wenig an wie nach Hause kommen. Leider gibt es einen Nachteil: das Metropolitan hat kein Sento, ich muss das Bad im Zimmer benutzen.

Das Zimmer ist eine Kategorie günstiger als letztes Jahr, aber dennoch wesentlich komfortabler und geräumiger als das Hotel in Osaka (das aber nur wenig mehr als die Hälfte pro Nacht kostete).

Aber vielleicht weil wenig los ist oder weil ich letztes Jahr schon so lange da war: ich habe wieder ein Zimmer mit Blick auf den Fuji bekommen. Diesmal nur aus dem 13. anstatt dem 18. Stock, aber immerhin:

Der Negroni in der „Orient Express“ Hotelbar schmeckt auch immer noch genau so gut.
Aber am Bahnhof erwartete mich ein Schock: die Ikefukuro, die Bahnhofseule und ihre Babies sind nackig und müssen frieren! Letztes Jahr hatten sie ein buntes Häkelkleid an. Wahrscheinlich weil ich heuer wesentlich später da bin und Neujahr schon vorbei ist.

Abends bin ich dann nochmal Yakiniku essen gegangen, weil es in Ikebukuro das sehr praktische Yakiniku Watami gibt, wo man mit Tablet bestellt und wo man auch online eine Reservierung machen kann. Ich habe vor allem Zunge, Leber und einige Gemüsebeilagen konsumiert.

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