25.12.2025 – Kokura und Miyajima

Au Zwick! Wie bei mir üblich dauert es 36-48 Stunden, bis ein Muskelkater sich einstellt und nach den Tausenden Treppenstufen in Kyoto ist es jetzt (am 26.12. morgens) soweit. Das Hotelbad lindert den Effekt, aber ich fühle mich wie ein alter Mann. OK, ich bin ein alter Mann. Immerhin ist der Jetlag langsam überwunden, heute (26.12.) bin ich erstmals vom Wecker (um 6 Uhr) aufgewacht nach beinahe 8 Stunden Schlaf. Das hilft.

Kokura

Manchmal bekomme ich ja so Wahnsinnsideen, die kein vernünftiger Mensch durchziehen würde. Eine davon ist ein Ausflug von Osaka nach Kokura im Norden Kyushus. Warum? Weil hier einst die Hosokawas herrschten, zu denen (durch Heirat) auch Hosokawa Gracia gehörte? (Die war das historische Vorbild für Mariko in der Shogun-Serie, hat aber den Anjin nie getroffen).

Nein! Weil hier die Firma Toto, die Erfinder und weltweit führenden Hersteller von Bidet-Toiletten, den sog. Washlets sitzt, die das Toilettenwesen in Japan umkrempelten und zunehmend in der ganzen Welt. Und weil es hier das Toto Museum und den Toto Showroom gibt! Und so weit ist es dann mit dem Shinkansen auch nicht, in 2h 12min ist man von Shin-Osaka in Kokura.

Kokura gehört übrigens zu Kitakyshu, der nördlichsten Stadt auf der Insel Kyushu. Hier verbrachte auch der berühmte Mangaka Leiji Matsumoto viele Jahre, der Schöpfer von Galaxy Express und Captain Harlock. Entsprechend wird man auch schon am Bahnhof begrüßt:

Aber nun zum Toto Toilet Museum:

Wie man unschwer erkennen kann, ist Toto eine wichtige Firma in dieser Stadt.
Entsprechend macht auch das Museum architektonisch was her.
Willkommen geheißen wird man auch, Eintritt kostet das Museum nicht.

Toto bzw. die Vorgängerfirmen seit 1917 hatten zwar immer schon auch das Ziel, Sanitärwaren herzustellen. Ursprünglich fand sich dafür aber nicht genug Nachfrage, also brannte man auch Porzellangeschirr im westlichen Stil.

Das hier ist eine Replika der ersten Sitztoilette aus japanischer Herstellung. Sie stammt aber noch nicht von Toto.
Das hier ist die erste Sitztoilette von Toto (bzw. der Vorgängerfirma, die hieß damals nocb anders). Allerdings noch ohne Bidet-Funktion, das wäre 1927 auch zuviel verlangt gewesen.
Aber das hier ist es: das erste Washlet von 1980. Toto ging damals voll auf Risiko, denn es gab in Japan bisher keine Toilette mit integriertem Bidet. Schlug aber ein wie eine Bombe und heute will keiner mehr ohne sein.
Das wiederum ist kein Ausstellungsstück, sondern eine Gästetoilette. Natürlich eins der neuesten Modelle! Der Weitwinkel bzw. die Linienkorrektur verzerren die Dimensionen etwas.

Toto stellt übrigens nicht nur Toiletten her. Bad- und Küchenausstattung liegen natürlich nahe, aber sie machen auch Industrie- und Hightech-Keramik, ähnlich wie Kyocera. Die Herstellung von Geschirr stellten sie aber 1970 ein.

Und dieses Toiletten-Motorrad gelangte nie bis zur Serienreife.
Das ist wohl das aktuelle Top-Modell mit Red Dot Design Award.
Das ist für den amerikanischen Markt. Ein echte Amerikaner braucht immer einen großen Spülkasten, der so richtig „Whoosh!“ macht. Fragt mal Al Bundy.
Ein Gerät für den europäischen Markt. Anscheinend mögen wir in Europa Hängetoiletten?
Für den asiatischen Markt.
Ein Washlet ohne Stromanschluss mit Bidetfunktion über Wasserdruck. Für Länder ohne Strom auf dem Klo.

Weitere Modelle:

Im alternden Japan ist Barrierefreiheit sehr wichtig!

Toto stellt auch Waschbecken, Küchenzeilen und Badezimmer her. Letztere sind in Japan gerne sehr kompakt, zumal der Japaner neben der Badewanne duscht und nicht in ihr.

Dabei ist Toto definitiv eine Premiummarke. Eine luxuriöses Badezimmer wie das letzte in der Bilderreihe oben geht gerne für 5 Millionen Yen (€27.000) her.

Eine Burg gibt es auch in Kokura. Ein Nachbau von 1959, aber hübsch. Wie gesagt wurde sie ursprünglich von Hosokawa Tadaoki, dem Ehemann (und Witwer) von Hosokawa Gracia erbaut.

Ansonsten muss man sagen, dass Kokura, wie viele andere japanische Städte nur an bestimmten Stellen hübsch ist. Das Gesamtbild ist ziemlich zusammengewürfelt.

Es gibt kein Kanji für „Ensembleschutz“…
…wohl aber eins für „Garten“: 園 

Miyajima

Danach habe ich mich wieder in den Zug gesetzt und bin (mit Umstieg in Hiroshima) nach Miyajima gefahren. Warum nur? Denn ich war da ja im Sommer 2023… Nun, ich verfolge einen tückischen Plan, den ich erst gegen Ende der Reise enthüllen werde. Darüber hinaus ist es ähnlich wie beim Fushimi Inari Schrein: im Sommer 2023 war es sauheiß, ziemlich überfüllt und ich habe es nicht bis nach oben auf den Berg geschafft. All diese Probleme gab es jetzt nicht und es liegt (einigermaßen) auf dem Weg, also warum nicht?

Die Hauptsehenswürdigkeit ist natürlich weiterhin das schwimmende Tori vor dem Itsukushima-Schrein:

Aber natürlich gibt es auch die Sika-Hirsche, ähnlich wie in Nara, wobei es hier keine Sika-Senbe (Hirschkekse) gibt, die man kaufen und verfüttern könnte.

Entsprechend unflätig führen die Biester sich auf.
Andere sind ganz entspannt…
…oder sehr gesellig.

Nicht zuletzt bin ich diesmal aber hoch auf den Berg gefahren, allerdings mit der Seilbahn und ohne dann noch die Wanderung zu dem anderen Gipfel zu machen. Denn es war oben recht kalt und windig, vor allem aber war schon nachmittag und die letzte Seilbahn nach unter fuhr um 16.30 Uhr, die wollte ich auf keinen Fall verpassen. Dennoch hat man von der Aussichtsplattform bei der Bergstation eine schöne Aussicht.

Bei der Fahrt nach oben entdeckte ich diesen Ahorn, dem wohl niemand gesagt hat, dass die Momiji-Saison vorbei ist.

Für diese letzte Aussicht war ich schon wieder am Boden.

Essen

Mittagessen war dieses gemischte „Reise durch Kyushu“ Eki-Bento. Keine Japanreise ist komplette ohne Ekiben.

Danach bin ich nicht zurück nach Osaka, sondern für eine Übernachtung in Okayama, dass ich am Folgetag zu meiner Ausgangsbasis machte. Abendessen gab es beim Uotami, einer Izakaya-Kette:

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