16. September 2025 – Versailles

Nun war ich ja schon in einigen europäischen Ländern und fast überall stehen Schlösser, deren Namen irgendwie toll klingen, die aber alle eigentlich „wir wollten auch ein Versailles, aber wir konnten uns das nicht leisten“ heißen sollten. Heute war es also Zeit für das Original, das Louis XIV quasi als Tempel seiner selbst bauen bzw. ausbauen ließ und das seine Nachfolger (es gab nur zwei, die auch in Versailles lebten, den Louis XV und XVI) natürlich entsprechend weiter entwickelten. Napoleon Bonaparte ist meines Wissens nie eingezogen, ebenso wenig die restaurierten Bourbonen Louis XVIII und Charles X. Später wurde das Schloss ohnehin zum Museum umgewidmet.

Louis XIV umgab sich gerne mit seinen Adeligen, die seine Gunst suchten. Viele Besucher hat das Schloss noch heute, sogar wesentlich mehr als zu Bourbonischen Zeiten. Es sind allerdings fast ausschließlich Gemeine – immerhin sind sie wesentlich besser gewaschen als die Höflinge von Louis XIV. Es ist schon ein ziemliches Geschiebe durch die berühmten königlichen Gemächer.

Unweit des Schlosses findet sich das „Ballhaus“ wo die Repräsentanten des dritten Standes sich versammelten und ihren Schwur taten. Es ist das gelbe Gebäude mit braunen Fenstern links. Angeblich heute ein Museum, es war aber zu.

Palast

Der Palast von Versailles hat eine Botschaft: „Ich bin der Chef, ihr seid nur Schleim.“ Diese wird nicht subtil, aber sehr effektiv kommuniziert. Oft kopiert, nie erreicht. Das sieht man schon mit den ersten Blicken:

Auch hier gibt es Tickets mit Timeslot. Eins für gleich morgens zu bekommen ist ein schieres Ding der Unmöglichkeit. Meines war für 12.30 Uhr. Genau um die Zeit kam auch rein – allerdings nur, weil ich meine Lektion vom Louvre gelernt hatte und mich bereits 40 Minuten vorher angestellt hatte.

Allein im Palast kann man sicher einen ganzen Tag verbringen, das hätte mein Nervenkostüm aber nicht mitgemacht – zu viele Leute. Ich habe mich also auf den bedeutendsten, aber natürlich auch überfülltesten Teil konzentriert: die königlichen Gemächer.

Die Kappelle

Decken- und Wandgemälde

Diese hatten den fotografischen Vorteil, dass man keine Besucherhorden im Bild hat.

Das Schlafzimmer des Königs. Allerdings hat er dort wohl eher selten geschlafen, es war aber für die „der König steht auf“ und „der König geht zu Bett“ Zeremonien wichtig.

Darstellungen von Louis XIV

Der Mann mochte seinen eigenen Anblick schon sehr.

Der Spiegelsaal

Schon cool, aber ehrlich gesagt war ich von der Qualität der Spiegel enttäuscht – so richtig klar sind die nicht. Sie sind aber auch schon ein paar Jahre alt…

Gärten von Versailles

Bei den Gärten gewinnt meines Erachtens Schloss Schönbrunn in Wien oder auch Schloss Frederiksberg in Kopenhagen. Die Gärten von Versailles sind sehr strikt, sehr symmetrisch und wenn sie mal ein bisschen natürlich sind, dann nur in einem strikt abgetrennten und sichtisolierten Bereich. Aber eins muss man den Gärten lassen: die Brunnen bzw. die Brunnenstatuen sind so spektakulär wie der Palast selbst.

In einer weiteren Hinsicht hat Schloss Schönbrunn die Nase vorn: es gibt dort wesentlich besseren Mobilfunkempfang. In Versailles ist man da in den weiter entfernten Teilen der Gärten teilweise aufgeschmissen. Aber gut, Louis XIV hatte ja noch kein iPhone XIV…

Petit Trianon

Wer aus seiner Kombi-Karte für Versailles das meiste machen will, muss gut zu Fuß sein! Die Distanzen sind sehr ordentlich, vor allem wenn man die Lustschlösser von Louis XVI und Marie Antoinette, den Grand und den Petit Trianon, mit einbeziehen will. Da latscht man nämlich vom hinteren Ende der Gärten nochmal ein gutes Stück. Oder man mietet für irrwitziges Geld ein Golfwägelchen oder für immer noch sehr teures Geld ein Fahrrad, das man aber wieder zurückbringen muss. Für mich als gemeinen Studienberater sind Schusters Rappen das Fortbewegungsmittel der Wahl, aber das war auch wirklich der Tag mit der längsten Wanderung.

Ich habe mir nur den Petit Trianon angesehen, für den Grand hätte meine Puste (und meine Zeit) nicht gereicht. Das war wie gesagt das Lustschloss von Marie Antoinette (die mit der Fallbeilallergie). Das Schlösschen war OK, nichts übermäßig Tolles. Dafür sind die Gärten – mehr eine Parkanlage – wirklich schön. Das Wetter war zwar schlecht, aber dafür war wirklich nicht viel los, teilweise hatte ich zumindest mein Blickfeld für mich allein.

Manche Sachen in den Gärten sind fast schon erwartbar, wie der „Tempel der Liebe“:

Aber der Brüller ist das „Hameau de la Reine„, das English Hamlet von Marie Antoinette. Das ist eine Art privates Disneyland nach Art eines romantisierten englischen Dörfchens. Dort konnte die Königin mit ihren Gästen lustige Rollenspiele als Dorfbewohner machen und sich als Schäferin verkleiden.

Tatsächlich hatte sich die die chinesische Kaiserwitwe Cixi, die faktische Herrscherin Chinas von 1861 bis 1908, sich im Sommerpalast in Peking eine vergleichbare Anlage bauen lassen, mit demselben Zweck.

Monarchen aller Länder, achtet wohl! Wenn die Königin / Herrscherin sich ein privates Spieldorf bauen lässt, dann ist das Ende nah. Marie Antoinette endete auf der Guillotine und das Ende der Monarchie (zumindest für den Moment) war da. Cixi starb zwar in hohem Alter, aber das chinesische Kaiserreich endete nur drei Jahre später. Vielleicht war das ja der Grund, warum Ludwig II von Bayern sterben musste: seine Disneylands …ähhh Schlösser… waren ein Zeichen des nahenden Endes. Nach seinem Tod existierte das Königreich Bayern immerhin noch 32 Jahre lang!

Kulinarisches

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