Heute war das Wetter grau und regnerisch und die Hacken von den letzten Tagen ziemlich abgelaufen, also habe ich es ruhiger angehen lassen und nur ein Ziel angesteuert: die Kathedrale von Saint-Denis. Die ist nicht nur architektonisch sehr schön, sondern eben auch die historische Grablege der französischen Könige, von den Merowingern bis zu Louis XVIII. Wobei nicht unbedingt alle Gebeine da liegen zumal teilweise die Organe woanders bestattet wurden als die Knochen und die Revolutionen auch noch Chaos reinbrachten. Vor allem ist es eine beeindruckende Sammlung von königlichen Grabfiguren.
Man muss allerdings erstmal hinkommen, das Ganze ist zwar mit der Metro erreichbar, aber doch nördlich von Paris. Man fährt eine ganze Weile und man ist dabei nicht allein! (Für mich) erstaunlicherweise sind die Metros Sonntags voller als Wochentags, zumindest außerhalb der Rush Hour. Liegt möglicherweise an der niedrigeren Taktfrequenz. Die Gegend um die Kathedrale ist, mal vom Platz direkt an der Kathedrale abgesehen, auch nicht gerade attraktiv, aber sei’s drum.




Drinnen aber geht es hoch her, vor allem wegen der Unmengen an Buntglasfenstern. Dagegen ist die restaurierte Notre Dame nachgerade puritanisch.







Wie gesagt sieht man sehr viele liegende Grabfiguren von Königen und Königinnen:







Unter und hinter dem Altar ist die historische Krypta. Da wurde ursprünglich der Heilige Dionysius von Paris, also der Namensgeber der Kathedrale begraben. Dessen Reliquien sind schon lange nicht mehr da, aber sein Grab war wohl auch der Grund, warum die Könige hier begraben sein wollten – die Nähe zum Heiligen kann nie schaden.

Lustigerweise war die Ära der richtig monumentalen Grabdarstellungen nicht das 17. und 18. Jahrhundert, also die Ära von Louis XIV und den Bourbonen, sondern das 16. Jahrhundert. Da ließ man es krachen:



Die Bourbonen hatten es gar nicht so sehr mit monumentalen Gräbern, wobei die Revolution auch was damit zu tun hatte – man hat die Bleisärge für den Krieg recycelt und erst Napoleon brachte wieder Ordnung nach Saint-Denis, ohne natürlich die Bourbonen allzu sehr exaltieren zu wollen.



Die meisten königlichen Knochen wurden dann nach den Disruptionen der Revolution in ein Beinhaus in der Krypta gelegt, darunter auch Louis XIV:


Der restaurierte Louis XVIII ließ dann noch eine Bourbonen-Krypta gegenüber vom Grab des Heiligen errichten. Dort liegt er auch begraben, zusammen mit seinem älteren Bruder Louis XVI und dessen Frau Marie-Antoinette, die eine tödliche Allergie gegen Fallbeile hatten.




Der Rest der Krypta dient eher als Kunstausstellung:



Kulinarisches



