28.12.2018 – Naha zum Ersten

Wir sind erstmals seit der Ankunft in Okinawa in die Hauptstadt Naha gefahren, nicht zuletzt um die Möglichkeit auszukundschaften, mit der Fähre auf die Nachbarinsel Zamami zu fahren. Leider waren heute und wahrscheinlich auch morgen alle Fähren wegen hohem Seegang gestrichen, das wird voraussichtlich also nix. Das Wetter bleibt aber ohnehin nicht ideal für Ausflüge in die Natur.

Nun gibt es in Naha aber auch einiges anderes zu sehen. Angefangen haben wir mit den früheren Hauptquartier der japanischen Marine, das als eine Serie von Tunneln in einen Hügel bei Naha reingetrieben wurde. Hier hatte also die Marine während der Schlacht von Okinawa ihren Befehlsstand, wobei das Oberkommando beim Heer lag. Wie überall in der Welt gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten. In diesem Fall war der Marinekommandant wohl nicht ganz so durchgedreht wie der General vom Heer, der jegliche Kapitulation auch von Zivilisten verbot. Der Konteradmiral Ota Minoru schickte am Ende der Schlacht ein unautorisiertes Telegramm ans Oberkommando, in dem er die Aussichtslosigkeit der Lage und die furchtbaren Opfer der Zivilbevölkerung heraushob. Repressionen für diese Subversion musste er nicht befürchten, denn danach tötete er sich selbst. Wie gesagt, die Schlacht von Okinawa war einer der grässlichsten Höhepunkte des 2. Weltkriegs.

So ungefähr muss man sich das vorstellen, wobei in den engen Gängen hunderte Matrosen und Marinesoldaten lebten, arbeiteten und kämpften. Natürlich ohne Klimaanlage oder auch nur Kanalisation im subtropischen Juni 1945. Außerdem wurde die ganze Anlage von Hand gegraben, natürlich von zwangsrekrutierten Okinawa-Zivilisten. Das Mitleid des Admirals hatte seine Grenzen…

Hier war der Kommandostand wo Konteradmiral Ota Minoru sein Telegramm aufsetzte und sich dann erschoss. Die Flecken im Hintergrund stammen von einer Handgranate, die bei den letzten Kämpfen um das Hauptquartier gezündet wurde.
Dieses Grabmal in der Nähe hat mit dem Marinehauptquartier nichts zu tun. Es ist ein Beispiel für die sehr eigene Art, wie in Okinawa Grabmäler gestaltet werden – ganz anders als in Restjapan.

Natürlich gibt es in Naha auch erbaulichere Dinge zu sehen, wie z.B. einen Fischmarkt mit Ozean-Leckereien und einen weiteren großen Markt, die Bilder fass ich hier zusammen:

Das hier ist getrockneter Bonito, eine Thunfischart. Sieht aber erstmal aus wie Holzprügel.
Daraus schabt man mit Maschinen die leckeren Katsuobushi-Fischflocken, die für japanische Brühen unerlässlich sind und die als Verzierung auf heißen Speisen so lustig im heißen Dampf „tanzen“.

Der bekannteste Ort in Naha dürfte die Einkaufsstraße Kokusai Dori sein. Hier gibt es Unmengen von Shops mit Touristenzeug, aber auch viele andere Läden.

Das hier ist so ein Touriladen, man beachte die große Maneki Neko (Glückskatze) auf dem Dach.
Dieser „Tempel“ hier ist ein Süßigkeitenladen.
Viele Süßigkeiten in Okinawa drehen sich um die besondere violette Süßkartoffel
Aber aus mysteriösen Gründen ist hier, wie übrigens in ganz Japan, Baumkuchen ebenfalls ungemein beliebt.
Unerwartete Schrecken gibt es auch… Tini entkam dem Riesengekko nur mit Mühe.

Nachmittags haben wir dann einen Kochkurs gemacht. Sowas habe ich schon in Bangkok gemacht und es macht durchaus Spaß.

Dies ist unsere Kochschule, „Taste of Okinawa“. Leider konnte ich die andere „Funktion“ der Schule, die Craft Beer Bar, nicht nutzen, denn ich musste ja noch fahren.
Die Küche von Okinawa liebt Schweinefleisch. Eins der Gerichte war in Miso gekochter Schweinebauch, süß-salzig und lecker. Hier der vorgekochte Schweinebauch, den wir danach nochmal eine gute Stunde in Miso und Zucker kochten.
Das andere Hauptgericht war Goya Champuru, also Bittermelone „gemischt“, in diesem Fall mit Tofu und Ei.
Dieses Bild aus dem Netz zeigt die ganze Frucht, ungefähr so groß wie eine große Zuchini. Das weiße Zeug in der Mitte ist bitter und wird weggeschnitten, aber es bleibt eine distinktive, aber angenehme Bitternote.
Und so sieht das fertige Gericht aus.
Das ganze Menü: Goya Champuru, Schweinebauch in Miso, Suppe mit Seetang und Tofu und Reis.
Einen Nachtisch gabe es natürlich auch. Sata Andagi, Donuts nach Okinawa-Art. Ein Teig aus Mehl, Ei, Backpulver und braunen Zucker wird in Pflanzenöl frittiert. Sehr lecker, weil der braune Zucker auf Okinawa hergestellt und sehr gut ist. Im Teig sind dann noch kleine Brocken von Zucker, die beim Frittieren karamellisieren und dem Ganzen einen extra feinen Geschmack geben.
Die glutenintolerante Tini bekam statt dessen einen Mochi (Reiskuchen) mit Erdbeere (die in Japan in Gold aufgewogen werden).

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